Fabelzeit: Steffen schwimmt auf Weltrekordwelle

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Auf Rekordjagd: Britta Steffen .

Berlin - Britta Steffen schwimmt auf einer Weltrekord-Welle. In 52,56 Sekunden pulverisierte die 25 Jahre alte Doppel- Olympiasiegerin am Samstag bei den deutschen Meisterschaften in Berlin ihre erst zwei Tage alte Bestzeit über 100 Meter Freistil.

Sie verbeugte sich in ihrem neuen Wunderanzug vor dem Publikum und dankte Familie und Trainer. “Es war ein Traum, auf der Woge dieser Euphorie vor heimischem Publikum zum Weltrekord zu schwimmen“, sagte sie. In drei Wochen in Rom will Britta Steffen ihre Medaillen-Sammlung mit dem noch fehlenden WM -Titel komplettieren. “Ich weiß, dass ich für die WM die Favoritenrolle innehabe, aber ich werde daran wachsen.“

Die neuen Anzüge öffnen vor den Weltmeisterschaften den Weg in neue Dimensionen. Paul Biedermann löschte den 21 Jahre alten deutschen Uralt-Rekord über 400 Meter Freistil und ließ danach eine neue Bestmarke über 100 Meter folgen, verpasste aber beide Male die WM -Norm. Hendrik Feldwehr schwamm nationale Bestzeit über 100 Meter Brust.

Für Britta Steffen ging die Arbeit an Land erst richtig los. Als sie nach ihrer Fabelzeit aus dem Wasser kletterte, folgte eine nicht enden wollende Gratulations- und Interviewrunde. Im Wasser schwamm sie trotz sieben Konkurrentinnen ein einsames Rennen gegen sich selbst und die Uhr. “Die ersten 50 Meter liefen wie Butter, die letzte Bahn war schwerer als im Vorlauf“, stellte sie fest.

Der Essener Feldwehr war in 59,45 Sekunden über 100 Meter Brust sogar auf Weltrekord-Kurs. Als erster deutscher Schwimmer blieb er in dieser Disziplin unter einer Minute. “Ich bin selbst überrascht, dass wir nach 50 Metern unter der Weltrekorddurchgangszeit lagen“, sagte Feldwehr, “nachdem wir gestern gleichauf lagen, bin ich jetzt happy, dass ich heute die Prügelei mit Nuemi gewinnen konnte.“ Der Zweitplatzierte und bisherige Rekordhalter Johannes Neumann (Riesa) qualifizierte sich in 59,83 ebenfalls für die WM .

Biedermann (Halle/Saale) verbesserte über 400 Meter Freistil in 3:46,67 Minuten zwar die Bestmarke von Uwe Daßler 1988 in Seoul , verfehlte nach fünf Wochen Trainingsausfall wegen einer Viruserkrankung aber die WM -Norm (3:45,20). “Ich freue mich sehr, dass mein Name jetzt über 400 Meter Freistil in der deutschen Rekordliste steht. Hinten raus hatte ich ein bisschen Schmerzen“, sagte Biedermann, der noch im alten Anzug von 2007 an den Start ging. Auch über 100 Meter reichte es trotz Rekordzeit in 48,39 Sekunden nicht für das WM -Ticket.

In Rom will Biedermann vor allem auf seiner Spezialstrecke 200 Meter auftrumpfen. An diesem Sonntag geht es für ihn um das WM -Ticket. Bundestrainer Dirk Lange freut sich über die “Aufbruchstimmung“ im deutschen Schwimmsport. “Ich bin diese Anzugdiskussion langsam leid“, stellte er mit Blick auf die internationale Konkurrenz fest. “Jetzt haben wir endlich mal vergleichbare Augenhöhe. Es braucht sich keiner zu entschuldigen, wenn er eine gute Zeit schwimmt. Alle nutzen nur das aus, was erlaubt ist.“ Und: “Die Schwimmer haben sich in einen Rausch geschwommen.“

Das WM-Ticket lösten Siegerin Sarah Poewe (Wuppertal/1:07,57 Minuten) und Caroline Ruhnau (Essen) über 100 Meter Brust sowie der Potsdamer Felix Wolf (1:58,03) über 200 Meter Rücken. An der WM -Norm vorbei schwammen die deutschen Meister Jaana Ehmcke (Potsdam) über 400 Meter Freistil, Franziska Hentke (Halle/Saale) über 200 Meter Schmetterling, Jenny Mensing (Wiesbaden) über 200 Meter Rücken sowie Toni Embacher (Halle/Saale) über 200 Meter Schmetterling.

Von Richard Janssen und Marc Zeilhofer , dpa

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