Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

LKA-Ermittlungen

Fall Evi: Durchsuchung und mysteriöser Mentalcoach

Evi Sachenbacher-Stehle
+
Evi Sachenbacher-Stehle erlebt gerade einen Albtraum

Sotschi - Der Doping-Fall Sachenbacher-Stehle ist nicht zu Ende. Die Staatsanwaltschaft veranlasste Durchsuchungen. Die Fragen: Dopte sie wissentlich? Woher kommen die verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel?

Die Doping-Affäre um Evi Sachenbacher-Stehle ist jetzt auch ein Fall für die Justiz. Nach der Disqualifikation der deutschen Biathletin wegen Dopings bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi hat die Staatsanwaltschaft München I Ermittlungen gegen unbekannt eingeleitet und Durchsuchungen veranlasst. „Klar ist, dass das Umfeld der Athletin untersucht werden muss, wer das Zeug besorgt hat“, erklärte Chef de Mission Michael Vesper am Samstag. Auch der Deutsche Skiverband kündigte an, den Fall aufarbeiten zu wollen.

Ursache des positiven Tests der zweimaligen Olympiasiegerin im Langlauf war ein Stimulanzmittel, das in einem Nahrungsergänzungsmittel enthalten gewesen sein soll. Die Mittel von Sachenbacher-Stehle stammten nicht vom deutschen Team. „Es war ihre private, persönliche Entscheidung. Sie hat gesagt, dass sie mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet, von dem sie die Produkte bekommen hat“, berichtete Vesper.

Es soll sich um vier bis sieben Produkte gehandelt haben, von denen einige im Institut für Biochemie in Köln auf verbotene Substanzen überprüft wurden. „Hat sie bewusst gedopt? Das glaube ich sicherlich nicht“, sagte Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Labors, dem Fernsehsender Phoenix. Diese Stimulanzien könnten so gut nachgewiesen werden, „wer da heute noch mit arbeitet, der weiß: Da werde ich mit hundertprozentiger Sicherheit überführt werden“. Das wäre Doping für Nichtkenner.

„Es ist die große Frage, ob es Dummheit oder Naivität war. Das müssen die Untersuchungen zeigen“, sagte Vesper. Auch der Skiverbands-Präsident Franz Steinle vermutet eher „Blauäugigkeit“ als „vorsätzlichen Betrug“. Im ZDF  stellte er aber auch klar: „Das ist ein Dopingvergehen.“

Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte am Freitag den Bundesleistungsstützpunkt der Athletin in Ruhpolding sowie zwei private Gebäude durchsuchen lassen. In einem der Gebäude seien Nahrungsergänzungsmittel gefunden worden, teilte ein Sprecher Staatsanwaltschaft mit. Es sei noch unklar, ob sie in einem Zusammenhang mit dem Dopingfall Sachenbacher-Stehle stehen. Der Sprecher betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Sportlerin richten. Ermittelt wird wegen unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport.

„Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzten und in Ruhe besprechen, wie es mit ihr weitergeht“, sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. „Das wird sicherlich eine gewisse Zeit dauern. Die Hauptaufklärungsarbeit muss die Evi leisten.“ Seinen Angaben zufolge ist Sachenbacher-Stehle nach ihrem Olympia-Aus wieder zu Hause angekommen. „Sie wird von ihrem Mann und Manager soweit betreut. Sie hat sich auch einen Rechtsbeistand genommen“, sagte Schwarzbach.

Man werde Sachenbacher-Stehle als Verband soweit es ginge unterstützen. Das zeige sich auch daran, dass man bereits mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeite. Die Durchsuchung des Stützpunkts in Ruhpolding sei in solch einem Fall ein nicht unübliches Vorgehen. „Wir, beziehungsweise der Stützpunktleiter in Ruhpolding, war entsprechend kooperativ. Es lief alles geregelt, ganz ruhig und freundlich ab“, sagte Schwarzbach.

Über eine Sperre von Sachenbacher-Stehle entscheidet der Biathlon-Weltverband. „Aber letztendlich ist nicht nur das Strafmaß der IBU entscheidend, sondern auch die Untersuchungsergebnisse von LKA, von WADA und von allen anderen Behörden, die sich mit dem Fall beschäftigen“, erklärte Schwarzbach.

In den nächsten Tagen soll geklärt werden, woher der Wirkstoff kam und wie er in ihren Körper gelangt ist. Beantwortet werden sollten auch die Fragen, ob und welche verunreinigten Nahrungsmittel die Ursache waren, von wem Sachenbacher-Stehle sie erhalten habe und ob sie getestet worden seien.

Wenn die Nachforschungen ergeben, dass bei ihr keine Absicht zum Doping vorlag, könnte dies zu einer Minderung der Höchststrafe von zwei Jahren Sperre führen oder sie sogar mit einer Abmahnung davonkommen. „Es wird nichts an der Bewertung und dem Eindruck zu dem Thema ändern“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Der Fall Katrin Krabbe (1992): Die deutsche Sprinterin Katrin Krabbe, Weltmeisterin 1991 über 100 und 200 m, fällt wie Trainingspartnerin Grit Breuer bei einer Urinprobe mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol auf. Beide werden bis 1995 gesperrt. Während Breuer in die Weltspitze zurückfindet, scheitert Krabbes Comeback-Versuch. © dpa
Der Fall Ben Johnson (1988): Die Mutter aller Doping-Skandale. Bei den Olympischen Spielen in Seoul siegt der kanadische Sprintstar Ben Johnson im 100-m-Finale in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden. In Johnsons Urinprobe wird das Steroid Stanozolol nachgewiesen, der Skandalsprinter verliert Gold und Rekord. © dpa-mzv
Der Fall Diego Maradona (1994): Bei der Fußball-WM in den USA wird Argentiniens Superstar Diego Maradona positiv auf Ephedrin getestet und ausgeschlossen. Schon drei Jahre zuvor war Maradona mit Kokain erwischt worden, sein Niedergang begann. © dpa
Der Fall Balco (2003): Im Zuge der Balco-Affäre wird in den USA ein Doping-Netzwerk ausgehoben, zahlreiche Topstars wie Baseball-Ass Barry Bonds und die Sprintstars Marion Jones und Tim Montgomery werden schwer belastet. Jones, die 2000 in Sydney dreimal Olympia-Gold gewonnen hatte, landet wegen Falschaussage im Gefängnis. © dpa
Der Fall Kenteris/Thanou (2004): Die griechischen Sprinter Konstantinos Kenteris, 200-m-Olympiasieger von 2000, und Ekaterini Thanou entziehen sich bei den Spielen in ihrer Heimat Athen unter dem Vorwand eines angeblichen Motorrad-Unfalls einem Dopingtest. Beide werden zwar nicht suspendiert, verzichten aber auf einen Start. Nach langem Hickhack werden beide für zwei Jahre gesperrt und später wegen Meineids zu 31 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. © dpa/dpaweb-mm
Der Fall Fuentes (2006): Einen Tag vor dem Start der Tour de France werden die Favoriten Jan Ullrich (T-Mobile) und Ivan Basso (CSC) von ihren Teams ausgeschlossen. Ihnen wird vorgeworfen, in den Skandal um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verwickelt gewesen zu sein. Dieser soll ein weltweites Dopingnetzwerk organisiert gehabt haben. Im Rahmen einer Razzia waren am 23. Mai 2006 große Mengen an Blutbeuteln beschlagnahmt worden. Ullrich wird erst im Februar 2012 für zwei Jahre gesperrt und verliert alle Ergebnisse seit dem 1. Mai 2005, im Juni 2013 gibt er Blutdoping zu. Auch Leichtathleten und Fußballer werden mit dem Netzwerk in Verbindung gebracht. © dpa
Der Fall Claudia Pechstein (2009): Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein wird vom Weltverband ISU wegen Indizien, die auf Blutdoping hindeuten, für zwei Jahre gesperrt. Pechstein wehrt sich, es folgt ein langes juristisches Tauziehen. Obwohl Zweifel an ihrer Schuld bestehen, bleibt sie gesperrt. Im Februar 2011 gibt sie ihr Comeback. © dpa
Der Fall Alberto Contador (2010): Tour-Sieger Alberto Contador wird am zweiten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt (21. Juli) positiv auf Clenbuterol getestet. Der Radsport-Weltverband UCI spricht eine vorläufige Sperre gegen den Spanier aus, will dem Fall aufgrund der geringen Konzentration des Kälbermastmittels aber nachgehen. Im Februar 2012 spricht der CAS nach einer langen Hängepartie ein Urteil, sperrt Contador und erkennt ihm alle Titel seit der positiven Probe ab. Der Luxemburger Andy Schleck wird am 29. Mai 2012 nachträglich zum Tour-Sieger 2010 gekürt. © AP
Der Fall Lance Armstrong (2012) Am 22. Oktober 2012 erkennt der Radsport-Weltverband UCI Lance Armstrong die Tour-Titel von 1999 bis 2005 ab. Armstrong hatte über Jahre hinweg systematisch betrogen und ein Doping-Netzwerk aufgebaut, ehemalige Kollegen und Weggefährten belasteten ihn schwer. Nach jahrelangem Leugnen bricht der Texaner am 15. Januar 2013 in einem Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey sein Schweigen und verliert seine sieben Tour-Siege. © dpa
Die Fälle Gay, Powell, Carter und Simpson (2013) Schwarzer Sonntag der Leichtathletik: Tyson Gay (USA), zweitschnellster Sprinter der Geschichte (9,69 Sekunden) gibt am 14. Juli bekannt, dass er bei einer Trainingskontrolle positiv getestet worden sei. Gay beantragt die Öffnung der B-Probe, erklärt aber seinen Verzicht auf die WM. Am gleichen Tag wird bekannt, dass auch Jamaikas Ex-Weltrekordler Asafa Powell sowie seine Landsleute Nesta Carter und Sherone Simpson positiv getestet wurden. © AFP
Der Fall Dieter Baumann (1999): Die Zahnpasta-Affäre. Dieter Baumann, 5000-m-Olympiasieger von 1992, wird positiv auf Nandrolon getestet. Der Deutsche Leichtathletik-Verband spricht Baumann frei, da der Wirkstoff auch in seiner Zahnpasta-Tube nachgewiesen werden konnte, ein schuldhaftes Vergehen damit infrage stand. Der Weltverband IAAF sperrte Baumann dennoch für zwei Jahre. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Der Fall Johann Mühlegg (2002): Bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City werden sieben Athleten positiv auf Epo getestet. Prominentester Sünder ist der Allgäuer Langläufer Johann Mühlegg, der für Spanien Gold über 10, 30 und 50 km gewonnen hatte. Mühlegg verliert sämtliche Medaillen, wird für zwei Jahre gesperrt und beendet seine Karriere. © picture-alliance / dpa/dpaweb

„Natürlich ist das immer enttäuschend, wenn wir Leute fassen“, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Der deutsche Fall zeige aber einmal mehr: „Betrug ist nicht möglich.“ Außer der deutschen Biathletin sind noch zwei weitere Olympia-Starter des Dopings überführt worden: die ukrainische Skilangläuferin Marina Lisogor und der italienische Bobfahrer William Frullani.

dpa

Kommentare