LKA-Ermittlungen

Fall Evi: Durchsuchung und mysteriöser Mentalcoach

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Evi Sachenbacher-Stehle erlebt gerade einen Albtraum

Sotschi - Der Doping-Fall Sachenbacher-Stehle ist nicht zu Ende. Die Staatsanwaltschaft veranlasste Durchsuchungen. Die Fragen: Dopte sie wissentlich? Woher kommen die verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel?

Die Doping-Affäre um Evi Sachenbacher-Stehle ist jetzt auch ein Fall für die Justiz. Nach der Disqualifikation der deutschen Biathletin wegen Dopings bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi hat die Staatsanwaltschaft München I Ermittlungen gegen unbekannt eingeleitet und Durchsuchungen veranlasst. „Klar ist, dass das Umfeld der Athletin untersucht werden muss, wer das Zeug besorgt hat“, erklärte Chef de Mission Michael Vesper am Samstag. Auch der Deutsche Skiverband kündigte an, den Fall aufarbeiten zu wollen.

Ursache des positiven Tests der zweimaligen Olympiasiegerin im Langlauf war ein Stimulanzmittel, das in einem Nahrungsergänzungsmittel enthalten gewesen sein soll. Die Mittel von Sachenbacher-Stehle stammten nicht vom deutschen Team. „Es war ihre private, persönliche Entscheidung. Sie hat gesagt, dass sie mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet, von dem sie die Produkte bekommen hat“, berichtete Vesper.

Es soll sich um vier bis sieben Produkte gehandelt haben, von denen einige im Institut für Biochemie in Köln auf verbotene Substanzen überprüft wurden. „Hat sie bewusst gedopt? Das glaube ich sicherlich nicht“, sagte Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Labors, dem Fernsehsender Phoenix. Diese Stimulanzien könnten so gut nachgewiesen werden, „wer da heute noch mit arbeitet, der weiß: Da werde ich mit hundertprozentiger Sicherheit überführt werden“. Das wäre Doping für Nichtkenner.

„Es ist die große Frage, ob es Dummheit oder Naivität war. Das müssen die Untersuchungen zeigen“, sagte Vesper. Auch der Skiverbands-Präsident Franz Steinle vermutet eher „Blauäugigkeit“ als „vorsätzlichen Betrug“. Im ZDF  stellte er aber auch klar: „Das ist ein Dopingvergehen.“

Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte am Freitag den Bundesleistungsstützpunkt der Athletin in Ruhpolding sowie zwei private Gebäude durchsuchen lassen. In einem der Gebäude seien Nahrungsergänzungsmittel gefunden worden, teilte ein Sprecher Staatsanwaltschaft mit. Es sei noch unklar, ob sie in einem Zusammenhang mit dem Dopingfall Sachenbacher-Stehle stehen. Der Sprecher betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Sportlerin richten. Ermittelt wird wegen unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport.

„Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzten und in Ruhe besprechen, wie es mit ihr weitergeht“, sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. „Das wird sicherlich eine gewisse Zeit dauern. Die Hauptaufklärungsarbeit muss die Evi leisten.“ Seinen Angaben zufolge ist Sachenbacher-Stehle nach ihrem Olympia-Aus wieder zu Hause angekommen. „Sie wird von ihrem Mann und Manager soweit betreut. Sie hat sich auch einen Rechtsbeistand genommen“, sagte Schwarzbach.

Man werde Sachenbacher-Stehle als Verband soweit es ginge unterstützen. Das zeige sich auch daran, dass man bereits mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeite. Die Durchsuchung des Stützpunkts in Ruhpolding sei in solch einem Fall ein nicht unübliches Vorgehen. „Wir, beziehungsweise der Stützpunktleiter in Ruhpolding, war entsprechend kooperativ. Es lief alles geregelt, ganz ruhig und freundlich ab“, sagte Schwarzbach.

Über eine Sperre von Sachenbacher-Stehle entscheidet der Biathlon-Weltverband. „Aber letztendlich ist nicht nur das Strafmaß der IBU entscheidend, sondern auch die Untersuchungsergebnisse von LKA, von WADA und von allen anderen Behörden, die sich mit dem Fall beschäftigen“, erklärte Schwarzbach.

In den nächsten Tagen soll geklärt werden, woher der Wirkstoff kam und wie er in ihren Körper gelangt ist. Beantwortet werden sollten auch die Fragen, ob und welche verunreinigten Nahrungsmittel die Ursache waren, von wem Sachenbacher-Stehle sie erhalten habe und ob sie getestet worden seien.

Wenn die Nachforschungen ergeben, dass bei ihr keine Absicht zum Doping vorlag, könnte dies zu einer Minderung der Höchststrafe von zwei Jahren Sperre führen oder sie sogar mit einer Abmahnung davonkommen. „Es wird nichts an der Bewertung und dem Eindruck zu dem Thema ändern“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

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„Natürlich ist das immer enttäuschend, wenn wir Leute fassen“, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Der deutsche Fall zeige aber einmal mehr: „Betrug ist nicht möglich.“ Außer der deutschen Biathletin sind noch zwei weitere Olympia-Starter des Dopings überführt worden: die ukrainische Skilangläuferin Marina Lisogor und der italienische Bobfahrer William Frullani.

dpa

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