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DOSB erstatte Anzeige

Fall Sachenbacher-Stehle wird zum Krimi

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Evi Sachenbacher-Stehle hatte eine positive Dopingprobe

Sotschi - Der Doping-Fall Sachenbacher-Stehle ist nicht vorbei Die Staatsanwaltschaft veranlasst Durchsuchungen, der DOSB erstattet Anzeige gegen unbekannt. Die Fragen: Gibt es Hintermänner?

Strafanzeige gegen unbekannt, Hausdurchsuchungen, verdächtige Teebeutel und ein mysteriöser Mentaltrainer: Die Doping-Affäre von Evi-Sachenbacher-Stehle bei den Winterspielen wird zum Fall für die Justiz. Während die von den Sotschi-Spielen ausgeschlossene Biathletin in der Heimat von ihrem Mann und Manager betreut wird und sich bereits einen Rechtsbeistand genommen hat, stellte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Sonntag Strafanzeige gegen unbekannt.

„Mit diesem Schritt gehen wir konsequent den in unserem Anti-Doping-Management vorgezeichneten Weg“, sagte Chef de Mission Michael Vesper. „Damit wollen wir sicherstellen, dass das gesamte Umfeld ausgeleuchtet wird und die Hintermänner erwischt und vor Gericht gestellt werden.“

Sachenbacher-Stehle war der Einnahme eines im Wettkampf verbotenen Stimulanzmittels überführt und am Freitag auf die Heimreise geschickt worden. „Es soll ein spezifisches Stimulans sein, dass durch Nahrungsergänzungsmittel oder wie auch immer in den Körper gelangt ist“, erklärte Vesper.

Der DOSB werde der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft alle ihm vorliegenden Informationen zur Verfügung stellen, hieß es in der Mitteilung. Die bayerische Behörde hatte bereits den Bundesstützpunkt der Athletin in Ruhpolding und zwei private Unterkünfte durchsucht.

„Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und in Ruhe besprechen, wie es mit ihr weitergeht“, sagte Stefan Schwarzbach, Sprecher des Deutschen Skiverbandes. „Die Hauptaufklärungsarbeit muss die Evi leisten.“ Der Verband werde Sachenbacher-Stehle soweit es ginge unterstützen.

Über eine Sperre der ehemaligen Langläuferin entscheidet der Biathlon-Weltverband. „Aber letztendlich ist nicht nur das Strafmaß der IBU entscheidend, sondern auch die Untersuchungsergebnisse von LKA, von WADA und von allen anderen Behörden, die sich mit dem Fall beschäftigen“, erklärte Schwarzbach.

Wenn die Nachforschungen ergeben, dass bei ihr keine Absicht zum Doping vorlag, könnte dies zu einer Minderung der Höchststrafe von zwei Jahren Sperre führen oder sie sogar mit einer Abmahnung davonkommen lassen. „Es wird nichts an der Bewertung und dem Eindruck zu dem Thema ändern“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Fest steht: Die Nahrungsergänzungsmittel von Sachenbacher-Stehle stammten nicht vom deutschen Team. „Es war ihre private, persönliche Entscheidung. Sie hat gesagt, dass sie mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet, von dem sie die Produkte bekommen hat“, sagte Vesper. Möglicherweise könnte das verbotene Mittel namens Methylhexanamin auch in einem Gute-Laune-Tee gewesen sein, wie die „Bild“-Zeitung berichtete.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
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Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
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Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
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Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
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Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
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Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
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Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
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Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
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400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Bei den Nahrungsergänzungsmitteln soll es sich um vier bis sieben Produkte gehandelt haben, von denen einige im Institut für Biochemie in Köln auf verbotene Substanzen überprüft wurden. „Hat sie bewusst gedopt? Das glaube ich sicherlich nicht“, sagte Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Labors, dem Fernsehsender Phoenix. Diese Stimulanzien könnten so gut nachgewiesen werden, „wer da heute noch mit arbeitet, der weiß: Da werde ich mit hundertprozentiger Sicherheit überführt werden“. Das wäre Doping für Nichtkenner.

„Es ist die große Frage, ob es Dummheit oder Naivität war. Das müssen die Untersuchungen zeigen“, sagte Vesper. Auch Skiverbands-Präsident Franz Steinle vermutet eher „Blauäugigkeit“ als „vorsätzlichen Betrug“. Im ZDF stellte er aber auch klar: „Das ist ein Dopingvergehen.“

Bei den Hausdurchsuchungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einem der Gebäude Nahrungsergänzungsmittel gefunden worden. Es ist noch unklar, ob sie in einem Zusammenhang mit dem Dopingfall Sachenbacher-Stehle stehen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Sportlerin richten. Ermittelt wird wegen unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport.

Neben der deutschen Athletin wurden noch vier weitere Winterspiele-Teilnehmer des Dopings überführt. Dabei sorgt acht Jahre nach dem Skandal von Turin Österreich wieder für Doping-Schlagzeilen. Skilangläufer und Medaillenhoffnung Johannes Dürr wurde positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet. Zuvor waren Eishockey-Spieler Vitalijs Pavlovs (Lettland), der Bobfahrer William Frullani (Italien) und die Skilangläuferin Marina Lisogor (Ukraine) überführt worden.

dpa

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