Dustin Brown - Der etwas andere Tennisprofi

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Dustin Brown ist momentan auf dem 123. Platz der Weltrangliste.

München - Als Kind lebte Dustin Brown in Jamaika mit seinem Vater. Als ihm dort die Gegner ausgingen, fand er seinen Weg nach Deutschland zurück. Hier besiegte er zuletzt Schweiz-Ass Sanislas Wawrinka.

Die Fans von Dustin Brown finden ihn überall. Selbst am Hinterausgang des Pressezentrums auf der Anlage des MTTC Iphitos lauern sie dem deutschen Tennisprofi mit jamaikanischem Vater auf. “Cool, dass du gewonnen hast“, rufen drei jüngere Frauen mit Zahnspangen dem Mann mit den langen Rastazöpfen zu, zupfen ihm an der Schulter und bitten ihn um eine Signatur ihres T-Shirts.

Der überraschende Dreisatzsieg von Brown beim ATP-Turnier in München in der ersten Runde gegen den Schweizer Stanislas Wawrinka war nicht irgendein Erfolg für den Tennisprofi aus Winsen an der Aller - “es war mein bisher bestes Ergebnis“, sagt Brown selbst.

Mit elf Jahren mit dem Vater nach Jamaika

Der 26-Jährige blickt auf eine ungewöhnliche Vita als professioneller Tennisspieler zurück. Mit elf Jahren verließ er seine Heimat in Niedersachsen gemeinsam mit seinem Vater in Richtung Jamaika, wo er auch zur Schule ging und seinen Collegeabschluss machte. Obwohl niemand in seiner Familie jemals zum Tennisschläger gegriffen hatte, begann er auf der karibischen Insel das Spiel zwischen den neun weißen Linien zu erlernen. Er machte das sogar so gut, dass ihm auf Jamaika irgendwann die Gegner und die Turniere ausgingen, die ihn in der Weltrangliste hätten nach oben bringen können.

Er siedelte daraufhin wieder nach Deutschland um. Zunächst ohne festen Wohnsitz, aber mit einem Wohnmobil, das ihm seine Eltern geschenkt hatten. Mit dem VW-Bus tingelte er dann von Turnier zu Turnier, weil er sich die Flüge und die Unterkünfte nicht leisten konnte. Zunächst auf der untersten Ebene der Tennistour, bei den sogenannten Future-Wettbewerben. Die großen Grand-Slam-Turniere waren in weiter Ferne. Das große Tennis verfolgte er lediglich am Bildschirm. Niemand hatte Dustin Brown zugetraut, dass er eines Tages mal im Hauptfeld von Wimbledon stehen könnte - außer seine Mama. “Sie hat immer an mich geglaubt und gesagt, dass ich es schaffen werde“, sagt Brown. Er nennt sie seine Mentaltrainerin, weil sie ihn und seine Marotten am besten kenne.

Es klingt nach einem modernen Märchen, aber Brown schaffte es tatsächlich im vergangenen Jahr ins Hauptfeld von Wimbledon, wo er dann in vier Sätzen dem späteren Sieger im Doppel, Jürgen Melzer, unterlag. “Die Top-Spieler wissen inzwischen, dass ich auf diesem Niveau spielen kann“, sagt Brown und fügt mit einem Lächeln hinzu: “Nur ist nicht immer sicher, ob ich das am Tag meiner Partie dann auch abrufen kann.“

Hotelbetten statt Wohnmobil

Gegen den Weltranglisten-14. Wawrinka konnte er es, er spielte auf höchstem Niveau. “Ich bin in den entscheidenden Situationen ruhig geblieben und habe mein Spiel durchgezogen“, sagt Brown. Seine Spielweise unorthodox zu nennen, wäre noch untertrieben. Der Rechtshänder, der schon für ein Hip-Hop-Modelabel gemodelt hat, hebt sich von den übrigen Profis auf der Tour ab, die vor allem an der Grundlinie stehen und von ihrer Wucht leben. Sie ähneln sich in ihrer Spielweise. Brown spielt anders, er folgt seinen oft wilden Schlägen häufig ans Netz. “Deshalb kann es auch mal vorkommen, dass ein Ball von mir an den Zaun fliegt“, sagt Brown.

Er ist wie eine Wundertüte für die Gegner, sie wissen nicht, was als nächstes kommt. Weil früher oft auch ein Stoppball auf der eigenen Seite landete, machte er sich Gedanken, was der Gegner wohl von ihm halten würde. “Heute ist mir das egal, ich spiele mein Ding und gehe meinen Weg“, sagt Brown, der seit vergangenem Jahr von einem Jugendfreund als Trainer betreut wird. Dieser andere Weg führte ihn Anfang des Jahres bis auf Platz 89 der Weltrangliste. Er stand plötzlich direkt in den Hauptfeldern auf der großen Tour, flog zu den Turnieren und schlief nicht mehr im Wohnmobil, sondern in Hotelbetten. “Der Komfort ist da schon spitze.“

Auch in München gefällt ihm das Ambiente und die Annehmlichkeiten, die ihm vor seiner zweiten Begegnung am Donnerstag gegen Radek Stepanek zuteil werden. Der Hauptsponsor hat jedem Spieler für die Woche ein Auto geliehen. Brown würde aber noch viel mehr freuen, wenn das Wetter sonnig bleibt, damit die Plätze schnell und hart sind. Das kommt seinem Spiel entgegen. Denn viele Matches hat er in diesem Jahr noch nicht gewonnen, was ihn in der Weltrangliste auf Rang 123 abrutschen ließ. “Aber der Sieg gegen Wawrinka zeigt mir, dass ich die besten schlagen kann.“

Auch seine Fans registrieren seine Auftritte aufmerksam, beim Training schauen fast schon so viele zu wie bei Tommy Haas. Sie wissen ganz genau, wo sich Dustin Brown gerade auf der Anlage aufhält.

dapd

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