DTB-Team vor Pleite: 0:2 in Frankreich

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Kohlschreiber

Toulon - Das dezimierte deutsche Davis-Cup-Team ist an Frankreichs Mittelmeerküste nur einen Schritt vom schnellen Untergang entfernt.

Nach dem ernüchternden 0:2-Zwischenstand könnte bereits an diesem Samstag (15.00 Uhr/DSF) das Doppel die Erstrundenpleite in Toulon und den Sturz in die Abstiegsrunde besiegeln. Erst kassierte der im Vorjahr ungeschlagene Punktegarant Philipp Kohlschreiber am Freitag eine 1:6, 4:6, 6:7 (5:7)-Niederlage gegen Gael Monfils. Danach verlor Rückkehrer Benjamin Becker 3:6, 2:6, 7:6 (7:2), 3:6 gegen Jo-Wilfried Tsonga und blieb auch in seinem dritten Einzel ohne Sieg. “Ich habe ein bisschen zu passiv agiert“, sagte der unterlegene Becker und lobte die Aufschlagstärke von Tsonga. Die Flinte ins Korn wollte Becker dennoch nicht werfen: “Es ist noch nichts verloren, es stehen noch drei Spiele aus.“

Die Statistik spricht aber gegen die Deutschen: Erst einmal - und zwar vor 50 Jahren - gewann ein deutsches Tennis-Team nach einem 0:2 noch im Davis Cup. Beim bislang letzten Vergleich gegen die Franzosen 2006 in Halle stand die 2:3-Niederlage schon nach dem Doppel fest - damals waren noch die in diesem Jahr fehlenden Thomas Haas und Nicolas Kiefer dabei. “Das ist eine große Enttäuschung. Natürlich wollte ich den ersten Punkt holen. Aber ich habe zu viele 'big points' verloren. Und ich habe eigentlich ohne Aufschlag gespielt. Die Chancen waren trotzdem da“, sagte Kohlschreiber nach seiner erst vierten Pleite im elften Davis-Cup-Einzel.

Entscheidung auf Sonntag vertagen

Der Augsburger und Doppel-Spezialist Christopher Kas müssen nun gegen Michael Llodra und Julien Benneteau gewinnen, um die Entscheidung im Palais des Sports neben dem großen französischen Marinestützpunkt auf Sonntag zu vertagen. Doch das dürfte schwer werden: Linkshänder Llodra war 2003 Australian-Open-Sieger im Doppel, gewann vor kurzem beim ATP-Turnier in Marseille den Einzel-Titel im Finale gegen Benneteau und siegte danach mit ihm auch im Doppel. In Kohlschreibers Match gegen Monfils, das nach einer Gedenkminute für die Erdbebenopfer in Chile und die Orkan-Toten in Frankreich begann, entschied der Aufschlag. Monfils machte 27 Punkte mehr, 23 davon unmittelbar durch sein Service. “Ich hatte fast gar keine leichten, keine freien Punkte und musste um jeden Ball kämpfen. Das hat ihm Auftrieb gegeben“, sagte Kohlschreiber. Die Nummer 30 der Welt stand von Beginn an unter Druck.

Der 1,93 Meter lange und sehr athletische Monfils spielte Volldampf-Tennis, das nur zu Beginn des zweiten Satzes unterbrochen wurde, als der Weltranglisten-15. bei zwei Hecht-Volleys nacheinander jeweils hart auf dem Platz landete. Vor den 4000 französischen Fans, von denen einige ein deutsches Spruchband mit den Worten “Wir sind da“ aufgehängt hatten, schnupperte Kohlschreiber an einer 4:0-Führung, vergab den Vorsprung aber. Im dritten Durchgang holte er ein 2:4 auf, bescherte Monfils im Tiebreak mit einer verschlagenen Vorhand aber dessen ersten Sieg im zweiten Cup-Einsatz. “Ich hatte das Gefühl, dass er am Ende ein bisschen müde war“, sagte Monfils.

Auch Becker lief gegen den Weltranglisten-Elften Tsonga sofort einem Rückstand hinterher. Der 28 Jahre alte Saarländer, der sich zuletzt wieder bis auf Rang 39 vorspielte, sah beim 1:3 im dritten Satz schon wie der klare Verlierer aus, kniete sich aber noch einmal voll hinein und erzwang in einem starken Tiebreak einen vierten Satz. Dort steigerte sich Tsonga wieder, ging 3:0 in Führung und baute seine Siegesserie im Davis Cup aus: Der 24-Jährige blieb auch im siebten Match ungeschlagen.

dpa

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