DTB-Team im Davis-Cup ausgeschieden

+
Verlor das entscheidende Einzel: Andreas Beck.

Marbella - Die deutsche Tennis-Nationalmannschaft ist im Davis-Cup-Viertelfinale wie im Vorjahr an Spanien gescheitert.

Das deutsche Davis-Cup-Team ist trotz heftiger Gegenwehr wieder von Spanien auf die Hörner genommen worden und hat ein Halbfinale bei Außenseiter Israel verpasst. In der glühend heißen Stierkampfarena von Marbella stieß der Cup-Verteidiger die Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) mit einer 2:3-Niederlage wie im Vorjahr im Viertelfinale aus dem Wettbewerb. Erst das 4:6, 4:6, 4:6 von Neuling Andreas Beck gegen Juan Carlos Ferrero besiegelte zum Abschluss am Sonntag das Aus. Die Deutschen verpassten die Revanche für das 1:4 von Bremen und den ersten Sieg in Spanien seit 1980.


“Wenn man sich so stark präsentiert, tut es weh, so zu verlieren. Es hat ein Stück Fortune gefehlt, die Sensation zu schaffen“, sagte DTB-Teamchef Patrik Kühnen. “Wir waren nah dran“, meinte DTB-Präsident Georg von Waldenfels und sprach von einer “großen Vorstellung“. Er hatte sogar mit einem Sieg von Beck gerechnet, der äußerst geknickt war. “Die Enttäuschung ist schon sehr groß, vor allem bei mir. Das ist sehr bitter“, sagte Beck.

Philipp Kohlschreiber glich im ersten Einzel des Schlusstags mit einem dramatischen 6:4, 6:2, 1:6, 2:6, 8:6 gegen Fernando Verdasco zum zweiten Mal am Wochenende einen Rückstand aus. Am Freitag hatte die deutsche Nummer eins Tommy Robredo abgefertigt, der im entscheidenden Einzel für den einstigen Weltranglisten-Ersten Ferrero Platz machen musste. Der Wimbledon-Viertelfinalist war erst durch die Verletzung von David Ferrer ins Team der Gastgeber gerückt, denen auch der verletzte Rafael Nadal fehlte.


Beck erhielt wie schon am Freitag bei der Fünf-Satz-Niederlage gegen Verdasco das Vertrauen von Teamchef Kühnen, der unterstrich: “Es war ganz klar, dass wir so spielen.“ Der 23-jährige Stuttgarter brauchte diesmal keine Anlaufzeit, gab nach dem zweiten Break zum 4:5 aber den ersten Satz ab. In den folgenden Durchgängen lag der druckvoll, jedoch zu fehlerhaft spielende Linkshänder gegen den erfahrenen Ferrero 0:4 und 1:5 hinten und war trotz aller Bemühungen nach 2:26 Stunden letztlich ohne Chance auf den Sieg.

Kohlschreiber verwandelte nach fast vier Stunden den zweiten Matchball. “Es war saueng. Ein Sieg im fünften Satz ist immer ein geiler Sieg“, sagte die Nummer 29 er Welt, war aber auch selbstkritisch: “Die ganz Großen lassen so ein Spiel nicht mehr so eng werden.“ Unter der Mittagssonne wirkte Verdasco beim dritten Einsatz binnen drei Tagen zunächst müde, bekam dann aber die zweite Luft. Kohlschreiber fing sich jedoch. Der Augsburger vergab nach einem Break zum 5:3 noch den ersten Matchball, machte es dann mit einer krachenden Vorhand aber besser.

Nicht belohnt wurde der Mut von Kühnen, der in Mischa Zverev am Samstag im Doppel auch den zweiten Debütanten in die stimmungsvolle Arena von Marbellas Vorort Puerto Banús geschickt hatte. Zverev fand sich an der Seite von Nicolas Kiefer aber nie zurecht. “Nichts hat gestimmt“, bekannte der 21-jährige Hamburger nach dem 3:6, 6:7 (1:7), 7:6 (8:6), 3:6 gegen Verdasco und Feliciano Lopez. Beim World Team Cup in Düsseldorf hatte er mit dem Routinier an der Seite vor heimischem Publikum noch alle seine vier Partien gewonnen. Doch die keineswegs giftige Auswärtsatmosphäre vor 11 000 begeisterten Fans behagte Zverev nicht. “Es war nie ruhig bei den Aufschlägen. Es war laut, es war unangenehm“, berichtete der Linkshänder.

Thomas Haas unterstrich derweil, dass er sich nach zwei Jahren Auszeit eine Rückkehr ins Davis-Cup-Team vorstellen kann. “Ich habe das Thema noch nicht abgeschrieben. Aber ob und wann ich wieder Davis Cup spiele, kann ich noch nicht sagen“, erklärte der 31-Jährige in der “Welt am Sonntag“. Der Wimbledon-Halbfinalist ist auf Platz 19 wieder bester Deutscher in der Weltrangliste. Für das Viertelfinale hatte Haas frühzeitig mit der Begründung abgesagt, einen Einsatz auf dem ungeliebten roten Sand in Spanien tue er sich nicht an.

dpa

Kommentare