Doping: Eishockey-Profi Florian Busch lange gesperrt

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Florian Busch in Aktion.

Berlin - Schock für Eishockey-Profi Florian Busch: Mit einer Sperre bis Februar 2011 soll der Ex-Nationalspieler nun doch noch heftig für seine verweigerte Dopingprobe vom März 2008 büßen.

Das gab der Internationale Sportschiedsgerichtshof CAS am Dienstag bekannt und erklärte dabei ausdrücklich, dass der Stürmer von Meister Eisbären Berlin auch nicht in der DEL spielen darf. Dies allerdings dürfte noch zu weiteren juristischen Auseinandersetzungen führen.

“Dass diese Strafe so hart ausfällt, hat in ganz Eishockey- Deutschland niemand geahnt“, kommentierte Erich Kühnhackl, der Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Die Eishockey- Legende zeigte sich entsetzt: “Das ist unglaublich, dass man einen jungen Nationalspieler, der noch alles vor sich hat, so drastisch bestraft.“ Busch verpasst durch die Sperre im kommenden Jahr sowohl die Olympischen Winterspiele in Vancouver als auch die Heim- Weltmeisterschaft in Deutschland. DEB-Chef Uwe Harnos meinte zum Urteil: “Das ist mit Kopfschütteln zu kommentieren.“

Auch wenn die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) eine vom nationalen Verband unabhängige Organisation sei, solle der Spieler komplett für alle Eishockey-Wettbewerbe gesperrt sein, heißt es in einem der beiden 30-seitigen Urteile. Offen ist, ob Busch nun zivilrechtliche Schritte anstrebt. Weder der 24-Jährige noch sein Anwalt Klaus Sturm waren zunächst für Stellungnahmen zu erreichen.

“Der Sachverhalt der Verweigerung stand fest. Das ist die Regelsperre von zwei Jahren - das hat ja auch das DOSB-Schiedsgericht festgestellt“, sagte Ulrike Spitz, die Sprecherin der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. Dagegen meinte Harnos mit Blick auf die Sperre: “Ich glaube nicht, dass Florian Busch und Klaus Sturm sich damit zufriedengeben.“ Die DEL wollte den CAS-Spruch zunächst analysieren und äußerte sich am Dienstag noch nicht. Eisbären-Manager Peter John Lee reagierte eher zurückhaltend: “Das ist ein komplizierter juristischer Prozess. Wir müssen genau lesen, was das alles für uns bedeutet.“

Jurist Harnos zeigte indes großes Unverständnis über das Urteil der drei Richter in Lausanne. Auch der zweite Rechtsbeistand von Busch, der ebenfalls als CAS-Richter tätige Georg Engelbrecht, verstehe die Welt nicht mehr, berichtete Harnos. Das Gericht hatte sich seit der Anhörung am 22. April 2009 zwei Monate Zeit für die Urteilsfindung in dem zweiteiligen Verfahren gelassen hatten.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) klagte dabei gegen das Urteil eines Adhoc-Schiedsgerichtes des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Busch, andererseits gegen den Eishockey-Weltverband (IIHF). Das DOSB-Gericht, in dem auch die WADA vertreten war, hatte aus formalen Gründen das erste Urteil des unabhängigen DEB-Gremiums bestätigt. Dieses Gericht hatte Busch verwarnt sowie 5000 Euro Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit auferlegt. Weil der DEB zum Zeitpunkt des Urteils im April 2008 noch nicht den Code der NADA anerkannt hatte, bleibt das Urteil seines Gerichtes vor dem DOSB-Gericht Bestand und war auch aus CAS-Sicht nicht mehr anfechtbar.

Busch nahm anschließend an der WM 2008 in Kanada teil, dort bestätigte der Eishockey-Weltverband seine Spielberechtigung. Auch dagegen hatte die WADA geklagt und bekam nun Recht. Zwar hatte der Stürmer, der 2008 sogar das entscheidende Tor zum Meistertitel der Berliner schoss, seit der WM nicht mehr für die Auswahl gespielt. Doch weil er weiter in der DEL aktiv war, beginnt die Sperre mit dem Tag seiner CAS-Anhörung am 22. April. Von den verhängten zwei Jahren wurden zwei Monate abgezogen - einer für den Verzicht auf internationale Einsätze seit einem Jahr, ein zweiter für das Training mit Jugendspielern, das Busch leiten musste.

Am 6. März 2008 hatte er einem NADA-Kontrolleur eine Dopingprobe verweigert, nachdem dieser bei Busch an der Wohnungstür geklingelt hatte. Dabei kam es zu einem Streit. Busch bat später darum, die Probe nachholen zu dürfen und tat dies bei dem selben Kontrolleur. Er kam allerdings nicht mehr im Auftrag der NADA, sondern für den Deutschen Eishockey-Bund. Die Probe war negativ.

dpa

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