Deutsche Handballer schlaflos in Schweden

Michael Kraus (l.) wurde nach der Niederlage gegen Spanien von Bundestrainer Heiner Brand kritisiert
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Michael Kraus (l.) wurde nach der Niederlage gegen Spanien von Bundestrainer Heiner Brand kritisiert

Kristianstad - Die Enttäuschung über die unnötige Niederlage bei der WM in Schweden gegen Spanien hatten die deutschen Handballer auch am Tag danach noch nicht verdaut. Jetzt wartet Frankreich.

Nach einer fast schlaflosen Nacht träumen die deutschen Handballer vom Überraschungscoup. Auch am Tag nach der unnötigen Niederlage gegen Spanien waren der Ärger und die Enttäuschung im deutschen Lager bei der WM in Schweden immer noch groß, doch im Spiel gegen den Top-Favoriten Frankreich am Mittwoch (18.15 Uhr/ARD) will sich die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand den Frust von der Seele werfen.


Im Blickpunkt steht dabei Michael Kraus. Der Spielmacher hat noch nicht seine Form gefunden und musste von Brand nach dem unnötigen 24:26 gegen die Spanier Kritik einstecken. „Es müssen gewisse taktische Vorgaben eingehalten werden. Wir haben die Angriffe zu schnell abgeschlossen“, sagte Brand. Seine Vorwürfe bezog der Bundestrainer auf die gesamte Angriffsleistung, doch in erster Linie war er mit dem großen Hoffnungsträger Kraus unzufrieden: „Er muss zu sich selbst finden. Es ist wichtig, dass er die notwendige Konzentration findet und ins Spiel mitnehmen kann.

In den Vorbereitungsspielen glänzte Kraus als Torschütze und Vorbereiter. Doch nach den ersten drei WM-Spielen gesteht der Schlüsselspieler vom HSV Hamburg ein, dass er noch nicht ins Turnier gefunden habe. Gleichzeitig beklagt Kraus aber auch mangelnde Unterstützung. „Ich bin ein Typ, der vom Selbstbewusstsein lebt. Ich hatte schon gedacht, dass ich im ersten Spiel gegen Ägypten anfange. Danach war ich schon enttäuscht“, sagte der Weltmeister von 2007.


Es war aber nicht nur Kraus, der im Angriff gegen Spanien die erhoffte Leistung vermissen ließ und sich technische Fehler und unnötige Ballverluste erlaubte. Nach einer Drei-Tore-Führung (48.) hatte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) den Favoriten am Rande einer Niederlage, ehe acht Minuten ohne Torerfolg zur Niederlage führten und den vorzeitigen Einzug in die WM-Hauptrunde verhinderten.

„Da wünscht man sich, dass jemand das Herz in beide Hände nimmt und das Ding auf die Kiste knallt“, sagte der überragende Hamburger Torhüter Johannes Bitter, der die Iberer mit seinen Paraden zur Verzweiflung getrieben hatte. Bitter war danach ebenso enttäuscht wie seine Kollegen. Einige verschwanden wortlos auf ihre Zimmer, andere suchten noch die Gespräche mit ihren Kollegen. „Es hat sehr lange gedauert, bis ich einschlafen konnte“, sagte Kapitän Pascal Hens. Seinen Mitspielern erging es nicht anders.

Am spielfreien Dienstag stand dann eine lockere Trainingseinheit mit Fußball (Kraus: „Um bessere Laune zu bekommen“) und ein intensives Videostudium (Brand: „Das konnte ich ihnen nicht ersparen“) auf dem Programm.

Gegen Titelverteidiger Frankreich soll nun eine Überraschung gelingen, damit man im Falle einer Qualifikation für die Hauptrunde nicht mit 0:4 Punkten in die zweite Turnierphase geht. „Der Bundestrainer hat die richtigen Worte gefunden. Wir dürfen nicht wieder die gleichen Fehler machen. An einem guten Tag können wir Frankreich schlagen“, sagte Bitter.

Die Franzosen sind seit Jahren das Maß aller Dinge und haben die Qualifikation für die Hauptrunde bereits in der Tasche. „Für uns ist es ein weiteres Schlüsselspiel“, sagte der Kieler Rechtsaußen Christian Sprenger, der über muskuläre Probleme klagt. Daher wird Brand wahrscheinlich Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen nachnominieren.

Bei Olympiasieger Frankreich ist der Respekt vor der kampfstarken DHB-Auswahl aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit groß. „Deutschland ist stärker als im vergangenen Jahr. Ich erwarte ein enges Spiel“, sagte Torhüter Thierry Omeyer vom THW Kiel.

sid

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