Der schweigende Brand

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Heiner Brand hält sich bedeckt

Rostock - Seit Wochen wollen es alle wissen: Geht Heiner Brand oder bleibt er Handball-Bundestrainer?. In die Karten lässt er sich nicht blicken. Zu gegebener Zeit werde er sich äußern. Doch es ist eine Tendenz zu erkennen.

Heiner Brand ist genervt, zumindest leicht. Auch wenn “Mr. Handball“ gemäß seiner guten Kinderstube die Contenance bewahrt, ist offensichtlich: Den ständigen Fragen nach seiner Zukunft als Männer-Bundestrainer würde der 58-Jährige am liebsten aus dem Weg gehen. Doch Brand stellt sich. Mit einer Portion Ironie und dem Wissen, er alleine entscheidet über seinen weiteren Weg. “Ich bin topfit. Ich habe viel trainiert, bin geistig auf der Höhe. Es ist also alles ok“, antwortete Brand am Samstag auf die Frage nach seinem persönlichen Wohlbefinden. Weitere Nachfragen unerwünscht.

Das war alles, was sich Brand in der Causa “Bleibt er oder geht er“ entlocken ließ: “Mehr will ich nicht sagen.“ Aber wenn man den Weltmeister-Coach beobachtet, scheint es nur eine Interpretation seiner Körpersprache zu geben: Bald ist Schluss, die Ära Brand auf der Bank der Nationalmannschaft nach über 13 Jahren Geschichte. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Bundestrainer am Sonntag beim 32:30 (17:17)-Testspielsieg gegen Norwegen in Schwerin und tags zuvor in Rostock (33:25) von den Fans einmal mehr am lautstärksten gefeiert wurde.

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“Schön, wenn die Zuschauer das so sehen. Das freut mich“, erklärte Brand, der eine zeitnahe Bekanntgabe seiner Entscheidung ankündigte. “Vielleicht passiert es schon im Mai“, sagte der Gummersbacher, der im Januar nach dem WM-Debakel mit Platz elf eigentlich schon vor dem Absprung stand. Doch angesichts der wichtigen Entscheidungsspiele in der EM-Qualifikation entschied er sich gegen seinen sofortigen Abschied und macht erstmal bis 30. Juni weiter.

Dass in der Presse jede Woche ein anderer als sein möglicher Nachfolger gehandelt wird, tangiert Brand nur wenig. Auch über die nach der unter seiner Ägide schlechtesten Platzierung (WM-Platz elf) ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe “Nationalmannschaft“ verlor er kein Wort. Nur so viel: “Ich werde jetzt nicht über Inhalte oder Ziele dieser Task Force reden. Zu gegebener Zeit werde ich mich äußern und dann auch zu den vielen Problemen im deutschen Handball.“

Der Bundestrainer hat seinen Fokus auf die entscheidenden Spiele in der EM-Qualifikation am 8. Juni gegen Österreich und vier Tage später gegen Lettland gerichtet. Drei Punkte reichen, um sich für die EM 2012 in Serbien qualifizieren. Das muss klappen, denn die EM ist die letzte Chance auf ein Olympia-Ticket für 2012. Ein Verpassen der Qualifikation für die kontinentalen Titelkämpfe würde den Weltmeister von 2007 endgültig ins Handball-Niemandsland katapultieren.

Dass bei den Tests gegen Norwegen in Pascal Hens, Sebastian Preiß, Christian Sprenger, Uwe Gensheimer, Holger Glandorf und Michael Kraus gleich sein ganzer Stamm-Sechser fehlte, machte Brand nicht glücklich (“Ich bin sicher nicht erfreut, dass so viele fehlen“). Aber wichtige Erkenntnisse gewann er dennoch. “Es macht Spaß, nachrückende Leute zu sehen, die mit Stolz und Leidenschaft dabei sind. Das kann auch ein Fingerzeig für die Zukunft sein“, meinte Brand. “Einige der Spieler werden auch gegen Österreich dabei sein. Von daher machen die Spiele Sinn. Und dort kann es uns auch passieren, dass wir Leistungsträger ersetzen müssen.“

dpa

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