Britta Steffen : Weltrekord im Wunder-Anzug

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Britta Steffen in ihrem Wunderanzug: Macht schnell und sieht auch noch hübsch aus.

Berlin - Die Freude über den Weltrekord und die Erfüllung ihres “zweiten Lebenstraums“ wollte sich bei Olympiasiegerin Britta Steffen nur gebremst einstellen.

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Dabei waren die nackten Zahlen doch so beeindruckend: Im Vorlauf über 100 Meter Freistil in 52,85 Sekunden die alte Bestmarke der Australierin Lisbeth Tricket um 3/100 verbessert, im wenig rekordverdächtigen Ambiente einer deutschen Meisterschaft an einem Mittwochmorgen in Berlin den eigenen Europarekord um 2/10 und ganz nebenbei die strenge Norm des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) für die WM in Rom um 1,19 Sekunden unterboten. Doch Britta Steffen wusste nur zu gut, dass dieser Rekord ein Paradebeispiel für das derzeitige Hauptproblem ihrer Sportart ist. “Dieser Anzug ist nächstes Jahr nicht mehr erlaubt, was auch gut ist, weil diese Materialschlacht den Schwimmsport kaputt macht“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin über 50 und 100 Meter Freistil.

Erst vor einer Woche war sie das neue Modell “Hydrofoil“ (“Wasserfreundlich“) ihres Ausrüsters adidas das erste Mal im Training geschwommen. “Ich habe gedacht, das kann nicht sein“, schilderte sie ihren ersten Eindruck des “Weltraum-Anzugs“. Im Vorlauf um halb zehn morgens verausgabte sich die 25-Jährige noch nicht einmal - und schwamm doch diese Zeit. “Ich bin verwundert und bestürzt, dass mein Schwimmgefühl mich so getäuscht hat“, schilderte sie ihre eigene Überraschung, schätzte aber realistisch ein: “Ich bin nicht so euphorisch, weil noch viele Weltrekorde fallen werden.“ Vielleicht sogar im DM-Endlauf am Samstag.

Dass nach dem Olympiasieg ihr zweiter Lebenstraum, unter 53 Sekunden zu schwimmen, so schnell erfüllt werden würde, damit hätte Britta Steffen auch mit der neuen “Wunder-Waffe“ nicht gerechnet. “Das ist das krasseste Teil, was ich je getragen habe. Du liegst auf dem Wasser, stirbst nicht auf den letzten Metern, du hast keine Schmerzen“, sagte sie und konnte sich keinen Reim auf die Erfolgsformel machen: “Selbst Wissenschaftler wissen nicht, woran es liegt.“

Der Weltverband FINA hatte erst zu Wochenbeginn die meisten der umstrittenen “Wunder-Anzüge“ genehmigt, darunter die Neu-Entwicklung von Steffens Sponsor, den auch Rückenspezialist Helge Meeuw (Frankfurt/Main) schwimmt. Ironie der Geschichte: Der Sportartikel- Hersteller hatte erst Ende 2008 den Ausrüstervertrag mit dem DSV nach andauernder Kritik vieler Schwimmer am angeblich nicht konkurrenzfähigen Material fristlos gekündigt. Erst von 2010 an will die FINA strengere Regeln für die Anzüge erlassen, die allein im vergangenen Jahr 108 Weltrekorde ermöglicht und die Grundfesten der olympischen Kernsportart erschüttert hatten.

Der wenig konsequente Kurs, nun doch fast alle umstrittenen Anzüge zuzulassen, hatte der FINA harte Kritik von Trainern und Athleten eingebracht. Britta Steffen wird als einzige deutsche Weltrekord- Inhaberin übrigens keinen Eingang in Rekordlisten der “L'Équipe“ finden. Die französische Sportzeitung gab bekannt, sie werde erst von 2010 an wieder über Rekorde berichten, wenn eindeutige Anzug-Regeln erlassen würden.

dpa

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