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Doping-Sumpf

Angeblich zehn russische Olympia-Medaillengewinner überführt

Anna Tschitscherowa soll ebenfalls positiv getestet worden sein. Sie gewann in Peking Bronze im Hochsprung.
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Anna Tschitscherowa soll ebenfalls positiv getestet worden sein. Sie gewann in Peking Bronze im Hochsprung.

Moskau - Der russische Sport steckt tief im Doping-Sumpf. 14 Sportler sind bei den Nachkontrollen zu Olympia 2008 positiv getestet worden - darunter offenbar zehn Medaillengewinner.

14 überführte Sportler bei Olympia in Peking, höchstwahrscheinlich zehn erschwindelte Medaillen: Zweieinhalb Monate vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro nimmt der Doping-Skandal im russischen Sport kein Ende. Hinter dem Start der Großmacht bei den Spielen in Rio stehen immer größere Fragezeichen.

Wie das nationale olympische Komitee Russlands (ROC) am Dienstagnachmittag bekannt gab, stammen 14 der insgesamt 31 bei Nachtests der Olympischen Spiele in Peking überführten Sportler aus Russland. Darunter sollen sich nach russischen Medieninformationen insgesamt zehn Medaillengewinner befinden, vor allem aus der Leichtathletik.

Am Abend veröffentlichte der Fernsehsender TV Match eine Liste der angeblich überführten Sportler - mit prominenten Namen. Unter den dort genannten befinden sich unter anderem Hochsprung-Star Anna Tschitscherowa, Olympiasiegerin von London und Dritte von Peking. Ebenfalls genannt wurden die 4x100m-Staffelolympiasiegerin Julia Tschermoschanskaja oder die spätere Speerwurf-Weltmeisterin Marija Abakumowa, die in Peking Silber vor Christina Obergföll gewann. Auch zwei Medaillengewinner im Gewichtheben und Ruderer Alexander Kornilow sollen zu den überführten Athleten zählen. Offiziell bestätigt wurden die Namen nicht.

Für Russland sind die Ergebnisse der Nachtests ein weiterer Rückschlag im Kampf um die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio (5. bis 21. August). Nach dem Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes RUSAF aus dem Weltverband IAAF wegen massiver Doping-Vergehen und der Anschuldigungen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit angeblich mindestens 15 gedopten russischen Medaillengewinnern mehren sich derzeit die Stimmen, die ein Aus des gesamten russischen Teams für in Rio fordern.

IOC-Präsident Thomas Bach hatte in der vergangenen Woche ein komplettes Startverbot Russlands in Rio nicht kategorisch ausgeschlossen. Derzeit untersucht die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA die vom damaligen Leiter des Anti-Doping-Labors in Sotschi, Gregori Rodtschenkow, erhobenen Vorwürfe eines staatlichen Doping-Systems. Chef-Ermittler ist Richard McLaren, der bereits Teil der unabhängigen WADA-Kommission war, die organisiertes Doping in der russischen Leichtathletik aufdeckte. Ergebnisse soll es im Juli geben.

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Der Fall Katrin Krabbe (1992): Die deutsche Sprinterin Katrin Krabbe, Weltmeisterin 1991 über 100 und 200 m, fällt wie Trainingspartnerin Grit Breuer bei einer Urinprobe mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol auf. Beide werden bis 1995 gesperrt. Während Breuer in die Weltspitze zurückfindet, scheitert Krabbes Comeback-Versuch. © dpa
Der Fall Ben Johnson (1988): Die Mutter aller Doping-Skandale. Bei den Olympischen Spielen in Seoul siegt der kanadische Sprintstar Ben Johnson im 100-m-Finale in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden. In Johnsons Urinprobe wird das Steroid Stanozolol nachgewiesen, der Skandalsprinter verliert Gold und Rekord. © dpa-mzv
Der Fall Diego Maradona (1994): Bei der Fußball-WM in den USA wird Argentiniens Superstar Diego Maradona positiv auf Ephedrin getestet und ausgeschlossen. Schon drei Jahre zuvor war Maradona mit Kokain erwischt worden, sein Niedergang begann. © dpa
Der Fall Balco (2003): Im Zuge der Balco-Affäre wird in den USA ein Doping-Netzwerk ausgehoben, zahlreiche Topstars wie Baseball-Ass Barry Bonds und die Sprintstars Marion Jones und Tim Montgomery werden schwer belastet. Jones, die 2000 in Sydney dreimal Olympia-Gold gewonnen hatte, landet wegen Falschaussage im Gefängnis. © dpa
Der Fall Kenteris/Thanou (2004): Die griechischen Sprinter Konstantinos Kenteris, 200-m-Olympiasieger von 2000, und Ekaterini Thanou entziehen sich bei den Spielen in ihrer Heimat Athen unter dem Vorwand eines angeblichen Motorrad-Unfalls einem Dopingtest. Beide werden zwar nicht suspendiert, verzichten aber auf einen Start. Nach langem Hickhack werden beide für zwei Jahre gesperrt und später wegen Meineids zu 31 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. © dpa/dpaweb-mm
Der Fall Fuentes (2006): Einen Tag vor dem Start der Tour de France werden die Favoriten Jan Ullrich (T-Mobile) und Ivan Basso (CSC) von ihren Teams ausgeschlossen. Ihnen wird vorgeworfen, in den Skandal um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verwickelt gewesen zu sein. Dieser soll ein weltweites Dopingnetzwerk organisiert gehabt haben. Im Rahmen einer Razzia waren am 23. Mai 2006 große Mengen an Blutbeuteln beschlagnahmt worden. Ullrich wird erst im Februar 2012 für zwei Jahre gesperrt und verliert alle Ergebnisse seit dem 1. Mai 2005, im Juni 2013 gibt er Blutdoping zu. Auch Leichtathleten und Fußballer werden mit dem Netzwerk in Verbindung gebracht. © dpa
Der Fall Claudia Pechstein (2009): Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein wird vom Weltverband ISU wegen Indizien, die auf Blutdoping hindeuten, für zwei Jahre gesperrt. Pechstein wehrt sich, es folgt ein langes juristisches Tauziehen. Obwohl Zweifel an ihrer Schuld bestehen, bleibt sie gesperrt. Im Februar 2011 gibt sie ihr Comeback. © dpa
Der Fall Alberto Contador (2010): Tour-Sieger Alberto Contador wird am zweiten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt (21. Juli) positiv auf Clenbuterol getestet. Der Radsport-Weltverband UCI spricht eine vorläufige Sperre gegen den Spanier aus, will dem Fall aufgrund der geringen Konzentration des Kälbermastmittels aber nachgehen. Im Februar 2012 spricht der CAS nach einer langen Hängepartie ein Urteil, sperrt Contador und erkennt ihm alle Titel seit der positiven Probe ab. Der Luxemburger Andy Schleck wird am 29. Mai 2012 nachträglich zum Tour-Sieger 2010 gekürt. © AP
Der Fall Lance Armstrong (2012) Am 22. Oktober 2012 erkennt der Radsport-Weltverband UCI Lance Armstrong die Tour-Titel von 1999 bis 2005 ab. Armstrong hatte über Jahre hinweg systematisch betrogen und ein Doping-Netzwerk aufgebaut, ehemalige Kollegen und Weggefährten belasteten ihn schwer. Nach jahrelangem Leugnen bricht der Texaner am 15. Januar 2013 in einem Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey sein Schweigen und verliert seine sieben Tour-Siege. © dpa
Die Fälle Gay, Powell, Carter und Simpson (2013) Schwarzer Sonntag der Leichtathletik: Tyson Gay (USA), zweitschnellster Sprinter der Geschichte (9,69 Sekunden) gibt am 14. Juli bekannt, dass er bei einer Trainingskontrolle positiv getestet worden sei. Gay beantragt die Öffnung der B-Probe, erklärt aber seinen Verzicht auf die WM. Am gleichen Tag wird bekannt, dass auch Jamaikas Ex-Weltrekordler Asafa Powell sowie seine Landsleute Nesta Carter und Sherone Simpson positiv getestet wurden. © AFP
Der Fall Dieter Baumann (1999): Die Zahnpasta-Affäre. Dieter Baumann, 5000-m-Olympiasieger von 1992, wird positiv auf Nandrolon getestet. Der Deutsche Leichtathletik-Verband spricht Baumann frei, da der Wirkstoff auch in seiner Zahnpasta-Tube nachgewiesen werden konnte, ein schuldhaftes Vergehen damit infrage stand. Der Weltverband IAAF sperrte Baumann dennoch für zwei Jahre. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Der Fall Johann Mühlegg (2002): Bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City werden sieben Athleten positiv auf Epo getestet. Prominentester Sünder ist der Allgäuer Langläufer Johann Mühlegg, der für Spanien Gold über 10, 30 und 50 km gewonnen hatte. Mühlegg verliert sämtliche Medaillen, wird für zwei Jahre gesperrt und beendet seine Karriere. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Die RUSAF kündigte am Dienstag zudem an, all seinen Sportlern mit Dopingvergangenheit die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro verwehren. "Jeder potenzielle Olympiastarter, dem in den vergangenen Jahren die Einnahme von Doping nachgewiesen wurde, kann nicht Teil der russischen Olympiamannschaft sein", hieß es in einem Statement.

Bereits am Mittag hatte die Nachrichtenagentur TASS vom Dopingvorwurf gegen Tschitscherowa berichtet. "Anna hat vor drei Tagen die Nachricht erhalten, dass eine Probe von Peking positiv war", wurde ihr Trainer Jewgeni Sagorulko am Dienstag von der TASS zitiert: "Im Moment ist dies noch nicht offiziell bestätigt worden, aber wir sind uns der Tatsache bewusst und müssen damit umgehen." Tschitscherowa bestätigte bei TV Match den Erhalt der Nachricht, stellte jedoch klar: "Vor der Analyse der B-Probe kann niemand sagen, dass ich gedopt habe."

Tschitscherowa ist eine der herausragenden Leichtathletinnen Russlands. Bei den Spielen in Peking gewann sie die Bronzemedaille, vier Jahre später holte sie Gold in London. Seit 2007 kam sie bei jeder Weltmeisterschaft auf das Podest, 2011 wurde sie Weltmeisterin - nur ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes. 2009 in Berlin gewann sie WM-Silber - vor der deutschen Hochspringerin Ariane Friedrich.

Voraussichtlich am 17. Juni entscheidet die IAAF in Wien über einen Olympia-Start der russischen Leichtathleten. Eine Wiederaufnahme scheint nach den immer wiederkehrenden Doping-Berichten allerdings inzwischen immer unwahrscheinlicher.

In dieser Woche will das IOC zudem die Ergebnisse 250 weiterer Nachtests der Olympischen Spiele in London bekannt geben. Mit ersten Sperren wird nach Öffnung der B-Proben Anfang Juni gerechnet. In der ersten Welle der neuen Analysen waren 454 Proben aus Peking untersucht worden. Fokus lag dabei auf Athleten, die noch in Rio an den Start gehen könnten.

sid

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