Start nach WM in Russland

Die Nations League als Mysterium - Kommt die Mini-WM?

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Joachim Löw trifft mit dem DFB-Team in der Nations League möglicherweise auf Frankreich, England oder Italien. Foto: Frank Rumpenhorst

Kurz nach der Fußball-WM in Russland startet die neue Nations League. Schon kommende Woche erfahren Joachim Löws Weltmeister ihre Gegner. Doch viele Fragen sind noch offen - auch eine Global Nations League ist möglich. Die Kritik der Vereine ist deutlich.

Berlin (dpa) - Erst Europa-Schlager gegen Italien oder England - und dann eine Mini-WM mit Brasilien oder Argentinien? Wenn Joachim Löw kommende Woche die deutschen Gegner für die Premiere der Nations League erfährt, ist dies erst Auftakt für eine mögliche Länderspiel-Revolution.

Aus dem neuen Wettbewerb für europäische Nationalteams soll nach Wunsch der Europäischen Fußball-Union UEFA eine Mini-WM entstehen. Zuvor dürfte der Modus der Nationenliga aber spätestens bei der Auslosung am Mittwoch in Lausanne bei Fans für reichlich Fragezeichen sorgen: Wie läuft der Weg zum Titel? Welche Auswirkungen gibt es für die EM? Gibt es jetzt gar keine Freundschaftsspiele mehr? Und - was soll das Ganze eigentlich?

DER BEGINN

Die Nations League war neben der europaweiten EM 2020 mit 13 Gastgeberländern ein Lieblingsprojekt des inzwischen aus dem Fußball entfernten Michel Platini. "Die Freundschaftsspiele interessieren niemanden wirklich mehr, weder die Zuschauer noch die Journalisten oder Spieler", formulierte der damalige UEFA-Präsident im März 2014. Ein Trend, der sich inzwischen verschärft hat. Das Spiel Deutschlands gegen Frankreich vor zwei Monaten wollten in Köln gerade einmal noch 36 948 Besucher sehen. Das UEFA-Rezept gegen die Test-Tristesse: Mehr Pflichtspiele, die zu einem neuen Titel führen.

DER MODUS

Keine zwei Monate nach dem WM-Finale von Moskau startet die Nations League. Die 55 UEFA-Mitglieder wurden entsprechend ihrer Ranglistenposition in vier Ligen eingeteilt. In Liga A spielen die besten Teams, darunter auch Deutschland. Jede Liga ist noch einmal in vier Gruppen gesplittet. Mögliche Gegner für das Löw-Team sind Frankreich, England, Schweiz und Italien sowie Polen, Island, Kroatien und die Niederlande. Die vier Gruppensieger der Liga A spielen im Juni 2019 den Nations-League-Titel aus. Die Gruppensieger der übrigen Ligen küren ebenfalls noch ihren Besten und steigen in die nächsthöhere Liga auf, die schlechtesten Teams steigen ab.

DIE EM

Der neue Wettbewerb hat direkte Auswirkungen auf die EM 2020. Die Qualifikation beginnt nicht wie bislang kurz nach der WM, sondern erst im März 2019. Zudem ergibt sich das Ranking für die Auslosung der kommenden EM-Quali-Runde aus der Platzierung in der Nations League. Noch wichtiger: Die Sieger der vier Ligen erhalten einen Platz bei der EM in zwei Jahren. Dies könnte die Prozedur aber für den Zuschauer zum undurchsichtigem Mysterium machen. Sollte ein Ligasieger sein Ticket bereits direkt über die normale EM-Qualifikation gebucht haben, würde das nächstbeste, nicht-qualifizierte Team nachrücken. Sollten alle Teams aus einer Liga bei der EM dabei sein, geht der Platz in die Liga darunter.

SKURRILES

Bei bestimmten Konstellationen könnte es durch die Nations League sogar zu einer zweiten Auslosung für die EM nach der ersten Ziehung im Dezember 2019 kommen. Wenn beispielsweise zwei Teams, die EM-Gruppenspiele ausrichten, in den Quali-Playoffs aufeinander treffen, könnte es zu Komplikationen kommen, bestätigte die UEFA auf Anfrage. Passendes Datum für die Nach-Auslosung: 1. April 2020.

DIE ZUKUNFT

Die UEFA will die Nations League auf die ganze Welt ausweiten. Beim Treffen des FIFA-Councils soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Global Nations League verhandelt werden. Das Modell nach europäischem Wunsch: Neben drei Teams, die sich aus Europa qualifizieren, sollen sich auch die Gewinner der anderen fünf Konföderationen im November alle zwei Jahre messen. Den bisherigen Confed Cup soll es nicht mehr geben.

DIE KRITIKER

Besonders aus Deutschland gibt es weiter deutlichen Widerstand der Vereine. "Ich sehe die inflationäre Entwicklung von Wettbewerben der Nationalmannschaften grundsätzlich kritisch", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der Deutschen Presse-Agentur. "Wir brauchen nicht mehr Länderspiele, sondern weniger Länderspiele, denn die Spieler sind körperlich absolut am Limit. Wenn es keine Nations League geben würde, dann würde sie wohl auch niemand vermissen." Und auch Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc stimmt zu: "Ich empfinde das als ein weiteres Drehen an der Schraube, wo man zu dem Punkt kommt, ob es nicht doch zu viel wird. Ob die Belastung zu viel wird, ob es am Ende des Tages nicht eine Überfrachtung an Wettbewerben gibt."

DAS AUSLAND

Besonders die kleinen Nationen freuen sich über die Nations League, der UEFA-Beschluss fiel einstimmig. Doch neben Deutschland gibt es vor allem aus England wegen des Modus Kritik. "Das ist weniger ein Sportwettbewerb als ein beklopptes Abenteuer. Ein Versuch, etwas Leben in ein tot geweihtes Produkt einzuhauchen, in dem die künstliche Dramaturgie einer Fernsehshow übernommen wird", schrieb der englische "Independent". "Und diese schaut übrigens niemand mehr."

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