"Bayern hätten es irgendwie verdient"

Löw neutral: Geheimes Jubeln in Miami

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Bundestrainer Joachim Löw müht sich vor dem Champions-League-Finale um Neutralität

Miami - Joachim Löw stimmt seinen Trainingsplan darauf ab: Auch die deutschen Nationalspieler und der Bundestrainer fiebern in 7000 Kilometer Entfernung beim großen Finale von London mit.

Das größte Finale im deutschen Vereinsfußball schauen die 19 verbliebenen Nationalspieler ganz unter sich. Gäste sind am Samstag aus nachvollziehbaren Gründen unerwünscht, wenn die bei der US-Reise weilenden DFB-Spieler im Mannschaftsraum des noblen St. Regis Hotels Bel Harbour in Miami gebannt auf die Videoleinwand schauen. Denn emotionale Befangenheit wird sich bei vielen von ihnen nicht vermeiden lassen.

Öffentlich beteuern alle ihre Neutralität. Doch dass bei aller Professionalität fast jeder von ihnen sich insgeheim auf eine Seite schlägt, ist nur allzu menschlich. So wird Lukas Podolski seinem Ex-Klub Bayern München die Daumen drücken, die Ur-Schalker Julian Draxler und Benedikt Höwedes werden es kaum mit dem Erzrivalen Borussia Dortmund halten, manch anderer hat in einem der beiden Teams einen Freund oder ehemaligen Mitspieler, dem er die Daumen drückt.

So oder so: Sie alle fiebern mit. An Training rund um das Spiel um 14.45 Uhr Ortszeit ist bei der Nationalelf nicht zu denken. Die eigene Vorbereitung auf die Spiele gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (2. Juni) muss ausnahmsweise hintanstehen. „Das Spiel wird auch bei uns natürlich in den Mittelpunkt rücken“, sagt Bundestrainer Joachim Löw.

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Alle wirklich Neutralen müssten dabei im Sinne des deutschen Fußballs und der bevorstehenden WM im nächsten Jahr in Brasilien eigentlich den Bayern den Sieg wünschen. Dies behauptet zumindest Nationaltorhüter Rene Adler - aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. „Es wäre gut für den deutschen Fußball, wenn Bayern nicht auch noch das dritte Finale verlieren würde“, sagt der Hamburger, obwohl er die Dortmunder „mit ihrem offenen Visier sehr gerne spielen sieht“.

Doch Adler sorgt sich um seine Kollegen, denn wichtige Führungsspieler der Nationalelf wie Kapitän Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger haben schon an den Endspiel-Niederlagen von 2010 und 2012 zu knabbern, vor allem der im Vorjahr im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea. „Ich war in München live dabei. Und das tat mir als Zuschauer schon in der Seele weh“, sagt Adler: „Ich kann mir vorstellen, wie bitter und traurig diese Niederlage gewesen sein muss. Deshalb hoffe ich als Kumpel und Mitspieler, dass das nicht noch einmal passiert.“

Aus emotionaler Sicht nicht ganz unparteiisch ist derweil Podolski, der selbst drei Jahre in München spielte. „Mein Herz hängt natürlich noch an den Bayern. Ich habe noch viele Freunde dort“, sagt der Stürmer des FC Arsenal, der vor allem mit Franck Ribery freundschaftlich verbunden ist.

Auch Löws Assistent Hansi Flick hat eine bayerische Vergangenheit, er spielte von 1985 bis 1990 für den Rekordmeister. „Ich bin aber absolut neutral. Das habe ich sofort beim Unterschreiben meines Vertrages mitbekommen“, versichert der 48-Jährigen mit einem Augenzwinkern. Schließlich stellen beide Teams zahlreiche Nationalspieler, „das sind alles Spieler von uns“, sagt Flick und erinnert an sein verlorenes Landesmeister-Finale 1987 mit den Bayern gegen den FC Porto: „Ich habe selbst schon mal solch ein Spiel bestritten und habe es leider verloren. Deshalb kann ich sagen: Es ist eine einmalige Sache, ein solches Spiel bestreiten zu dürfen. Und ich drücke beiden Mannschaften die Daumen. `

Völlig unvorbelastet werden allenfalls die Neulinge im Kader zuschauen können. `Ich persönlich hatte noch nicht so viele Mitspieler aus einem dieser Vereine“, sagt Max Kruse schmunzelnd. Der Stürmer spielte in der abgelaufenen Saison für den SC Freiburg, im Jahr davor sogar für den FC St. Pauli in der 2. Liga.

Der Gewinner sei so oder so der deutsche Fußball. Das beteuern alle, von Löw über Flick und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff bis hin zu den Spielern. „So eine Konstellation ist etwas ganz Besonderes“, sagt Löw: „Das ist toll für den deutschen Fußball und nutzt auch uns bei der Nationalmannschaft.“

Der Bundestrainer hatte den kurzzeitigen Gedanken an einen Abstecher nach London direkt wieder verworfen. „Ich finde es ein bisschen schade, dass ich es nicht vor Ort anschauen kann“, sagt er: „Aber es war logisch, dass ich bei meinen Jungs vor Ort bleibe.“

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dpa/sid

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