Nach Einzug ins DFB-Pokal-Finale

Gereizte Stimmung in der Kuscheloase des FC Bayern

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Der FC Bayern zog nach einem 5:1-Sieg gegen Kaiserslautern ins Finale des DFB-Pokals ein.

München - Der FC Bayern hat durch einen klaren Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern das Endspiel im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund erreicht. Doch die Stimmung bei den Münchnern ist angespannt.

Eine gute Stunde nachdem er am Spielfeldrand auf den Alarmknopf gedrückt hatte, wollte Matthias Sammer lieber nichts mehr zur „Kuscheloase“ sagen. Der Sportvorstand des FC Bayern hastete im Erdgeschoss der Münchner Arena einem sicheren Ausgang entgegen, sein blauer Rollkoffer ratterte über den Boden. Noch immer schien Sammer erregt, das 5:1 (2:0) gegen Zweitligist 1. FC Kaiserslautern, das den Triple-Verteidiger ins Finale um den DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund brachte, war für ihn zu viel des Schlechten.

„Wir sind glücklich, dass wir im Finale sind, aber nicht glücklich, wie wir im Moment spielen, wie wir uns präsentieren“, sagte Sammer unmittelbar nach Schlusspfiff bei Sky, um dann leicht aufgewühlt und deutlich in der Sache eine kleine Brandrede zu halten. „Wir müssen uns fragen, ob wir noch zwei Titel haben wollen, oder einfach nur mal schauen“, sagte er - eine klare Antwort lieferte er gleich dazu: „Wir brennen nicht. Für die Aufgaben, die auf uns warten, reicht das nicht.“ Will heißen: Für Real Madrid reicht das nicht.

In der Tat: Das 5:1 täuscht darüber hinweg, dass es bei den Bayern wohl ein paar Brandherde gibt. Auf dem Spielfeld ist nur der Rauch zu sehen, den sie verursachen, aber das ist für Sammer, den sie mal „Feuerkopf“ getauft haben, schlimm genug. Bis zum vorzeitigen Gewinn der deutschen Meisterschaft sei der FC Bayern „unantastbar“ gewesen, sagte er, Nun aber sei einiges verloren gegangen: Das „Miteinander“ fehle, ebenso der Mut, einander die Wahrheit zu sagen, „wir gehen zu lieb und nett in einer Kuscheloase mit uns um“, monierte Sammer.

Rummenigge widerspricht Sammer

Also, eine „Wohlfühloase“ sei der FC Bayern nun nicht, versicherte Karl-Heinz Rummenigge, aber auch der Vorstandsvorsitzende, erkennbar um Gelassenheit bemüht, sieht die Lage wie Sammer: Es ist Gefahr im Verzug. „Wir haben 5:1 gewonnen, das Ergebnis ist gut, aber um ins Finale nach Lissabon zu kommen, werden wir uns steigern müssen in der nächsten Woche in Madrid.“ Das Endspiel der Champions League am 24. Mai in Lissabon ist das Ziel, der Weg dorthin führt zunächst am Mittwoch über Madrid - und das Unbehagen in München wächst.

„Man macht sich schon seine Gedanken“, gestand Thomas Müller. Trainer Pep Guardiola, erzählte Dante, „hat uns schon die Wahrheit gesagt“, gerade nach dem 0:3 gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag. Laut Adi Preißler und Arjen Robben liegt die Wahrheit aber auf'm Platz: „Wir wissen, was wir drauf haben“, versicherte Robben, „aber wir müssen es auch zeigen. Man kann nicht nachlassen. Wir müssen immer Vollgas geben.“ Dann sagte er noch den schönen Satz: „In jedem Spiel musst du alles geben - mit ganzer Leidenschaft.“

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In den vergangenen Spielen in der Bundesliga haben die Bayern nicht mehr alles gegeben, und Leidenschaft war auch nicht durchgängig zu erkennen. Löbliche Ausnahme derzeit: Robben. Sammer würde sagen: Er brennt. Gegen Lautern bereitete Robben die Treffer von Bastian Schweinsteiger (23.) und Toni Kroos (32.) vor, holte den Elfmeter heraus, den Müller verwandelte (50.). Dann durfte er vom Feld, nach dem Gegentreffer durch Simon Zoller (60.) erhöhten Mario Mandzukic (78.) und der für Robben eingewechselte Mario Götze (90.+1).

„Das Spiel war jetzt keine Glanzleistung“, bestätigte Müller. Ja, sagte er, die Spieler wüssten „schon Bescheid“, was da alles schief laufe gerade, aber: „Es ist nicht so einfach, den Hebel umzulegen.“ Doch, das sei einfach, glaubt Mannschaftskapitän Philipp Lahm: „Ich mache mir keine Sorgen, weil die Mannschaft immer gezeigt hat, dass sie sich in den entscheidende Spielen steigern kann.“ Und was ist nun mit der Kuscheloase? Wenn Sammer das so sehe, „dann wird es so sein“, antwortete Lahm. Er klang genervt.

SID

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