Kreuzer: "Keine Jobgarantie"

Hamburg: Heftige Kritik an Fink

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Gehen sie bald getrennte Wege? HSV-Sportchef Oliver Kreuzer und Coach Thorstem Fink.

Hamburg - Keine Philosophie, kaum Punkte, kein System: Trainer Thorsten Fink gerät beim Hamburger SV immer stärker unter Druck. Besonders eine Sache stört den Sportchef.

Und während der Gegenwind für den früheren Bayern-Profi an der Elbe von Tag zu Tag heftiger bläst, schwindet nach dem kapitalen Fehlstart des selbst ernannten Europacup-Anwärters allmählich auch die Geduld des Vorstands.

„Ich habe grundsätzlich immer einen langen Atem. Im Vorstand erwarten wir aber schon, dass gewisse Dinge umgesetzt werden. In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt - die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen“, sagte Vorstandschef Carl Jarchow dem SID am Montag und nahm Fink ausdrücklich in die Verantwortung: „Das ist sein Job.“ Das Team müsse jetzt schleunigst anfangen zu punkten.

15 Gegentreffer in fünf Spielen - das 2:6 am Samstag in Dortmund war nach dem 1:5 im eigenen Stadion gegen 1899 Hoffenheim bereits die zweite Klatsche für den Bundesliga-Dino in der noch jungen Saison. In der momentanen Verfassung droht dem HSV sogar der Abstiegskampf.

„Teams wie Werder Bremen oder Eintracht Braunschweig, die mit Sicherheit unsere Kragenweite sein müssten, haben es uns vorgemacht und in Dortmund weit weniger Gegentreffer bekommen“, sagte Jarchow zerknirscht. Aufsteiger Braunschweig kassierte beim Vizemeister zwei, Bremen lediglich einen Treffer.

Nach fünf Spielen fehlt dem Hamburger Spiel eine klare Linie, ein Korsett, an dem sich die Spieler orientieren können. Mit seinen taktischen Varianten scheint Fink, der gegen Dortmund bereits mit dem vierten Systemwechsel im fünften Spiel überraschte, seine Profis zu überfordern. Gerade einmal 20 Minuten waren bei der Borussia gespielt, bis Fink von der unorthodoxen Dreier-Kette wieder auf das gewohnte System mit vier Verteidigern umstellte. „Vielleicht war es ein kleines Risiko, mit Dreier-Kette zu spielen“, analysierte Sportchef Oliver Kreuzer mit finsterer Miene.

Kreuzer kritisierte den Chefcoach am Montag für dessen häufige Reisen zur Familie nach München und gab ihm keine Jobgarantie für die nächsten Wochen. „Das Thema Trainer stellt sich für mich Stand heute nicht“, sagte Kreuzer am Montag. Zugleich schränkte er ein: „Was weiß ich, was morgen ist?“ Der Flug von Fink zu seiner Familie in München nur einen Tag nach der 2:6-Niederlage bei Borussia Dortmund sei nicht gut gewählt gewesen, sagte Kreuzer.

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Die Mannschaft absolvierte am Sonntagmorgen einen Waldlauf ohne den Coach. „Zugegebenermaßen ist das etwas unglücklich, die Entscheidung getroffen zu haben, zur Familie zu fliegen“, meinte der Sportdirektor. Mit Blick auf das wichtige Nordderby am Samstag gegen Werder Bremen wollte er nicht von „einem Schicksalsspiel“ sprechen: „Thorsten weiß, dass das Derby für uns alle ein brisantes Spiel ist. Schicksal ist etwas anderes.“

Die Einschläge kommen für Fink immer dichter, denn die teilweise unterirdischen Bundesliga-Auftritte der Hamburger sind nicht die einzigen Dinge, die in der Hansestadt übel aufstoßen. Und dann war da ja noch die Posse um die aussortierten Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne, die die Position des Trainers nicht unbedingt gestärkt hat. Der Begnadigung der beiden Innenverteidiger durch Fink folgte am Wochenende das Machtwort von Kreuzer („Beide machen kein Spiel mehr“).

Und so dürfte das Nordderby am kommenden Samstag gegen Werder Bremen für Fink zu einem richtungweisenden Spiel werden. „Eines steht fest: Es ist für uns alle ein ganz wichtiges Spiel“, sagte Jarchow. Noch deutlicher drückt es Kapitän Rafael van der Vaart aus .„Gegen Werder geht es um alles“, sagte der niederländische Nationalspieler. Wohl auch um die Frage, ob Fink nach fast zwei Jahren in Hamburg noch eine Zukunft hat.

dpa/SID

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