Europameisterschaft in Schweden

DFB-Frauen nehmen sich nach Fehlstart viel vor

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Am Sonntag soll gegen Island ein Sieg her

Växjö/Schweden - Die deutschen Fußballerinnen sind schwach in die EM gestartet. Nach dem 0:0 gegen die Niederlande haben sich die DFB-Frauen viel vorgenommen und müssen am Sonntag gegen Island gewinnen.

Den Erdbeer-Schoko-Kuchen für Geburtstagskind Simone Laudehr verputzten die deutschen Fußballerinnen am Freitag zügig, doch an ihrem Fehlstart in die EM-Endrunde haben die Titelverteidigerinnen noch bis zum Sonntag zu knabbern. „Wir müssen die Spielerinnen jetzt aufbauen und mutig machen, das ist unsere Hauptaufgabe“, sagte Silvia Neid. Nach dem 0: 0 gegen die Niederlande haben die Bundestrainerin und der angereiste Mentalcoach Markus Hornig aber kaum Zeit, die schwache Vorstellung aufzuarbeiten. Schon am Sonntag gegen Island (20.30 Uhr/ZDF und Eurosport) stehen die Deutschen unter Zugzwang.

Gegen die Niederländerinnen hielt die runderneuerte Mannschaft, die bei ohne sechs verletzte oder kranke Stammkräfte auskommen muss, dem Druck nicht stand. Das stark verjüngte Team (23,5 Jahre im Durchschnitt) spielte vor 8861 Zuschauern im südschwedischen Växjö und sechs Millionen TV-Zuschauern in der Heimat, als würde jede Spielerin einen mit Steinen beladenen Rucksack mit sich herumschleppen. Die Deutschen agierten verkrampft, zweikampfschwach und ohne Ideen - auch der aufmunternde Anruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel wenige Stunden vor Anpfiff hatte nichts geholfen.

Am Ende stand ein Unentschieden, das sogar schmeichelhaft war. Damit ging die deutsche Auswahl zum ersten Mal seit 16 Jahren und nach 19 Siegen in Folge nicht als Gewinner nach einem EM-Spiel vom Platz. Immerhin hielt eine andere Serie: Die Deutschen, die noch nie zum EM-Auftakt verloren haben, sind seit über 20 Jahren und nunmehr 27 EM-Partien ungeschlagen. Dennoch hat der zweimalige Weltmeister, der seine erste Endrundenpartie seit dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM vor zwei Jahren absolvierte, in dieser Form keine Chance auf den sechsten EM-Triumph in Folge und den achten insgesamt.

Dzsenifer Marozsan beim Spiel gegen die Holländerinnen

Das wissen auch die Spielerinnen, die sich gleich nach dem Abpfiff und auch am Freitag selbstkritisch zeigten - obwohl Neid der italienischen Schiedsrichterin Silvia Spinelli wegen mindestens zweier verweigerter Elfmeter zu Recht eine Mitschuld gab. „Wir haben nicht die richtigen Mittel gefunden, ängstlich gespielt“, sagte Spielführerin und Torhüterin Nadine Angerer, die ihr Team mit drei guten Paraden vor einer Niederlage bewahrt hatte. Auch Torjägerin Celia Okoyino da Mbabi gestand ein, dass „wir nicht das umsetzen konnten, was wir uns vorgenommen hatten“.

Den Grund dafür hatte Okoyino da Mbabi auch parat. „Für viele Spielerinnen war die Drucksituation neu, aber sie haben das Potenzial“, sagte die Stürmerin. Ähnlich sah es Angerer. „Für viele war es das erste Turnierspiel. Sowas kann lähmen.“ Lena Goeßling untermauerte diese Einschätzung. „Die EM ist doch etwas anderes als ein Testspiel. Wir waren nervös, haben falsche Entscheidungen getroffen“, sagte die Mittelfeldspielerin. Annike Krahn sieht die Routiniers nun in der Pflicht: „Wir Älteren sind gefordert. Ich bleibe aber optimistisch. Die Jungen können es und werden ihr Potenzial noch zeigen.“

Trotz der ehrlichen Worte begingen die Spielerinnen und die Trainerin, die nur noch neun Europameisterinnen von 2009 und zehn Teilnehmerinnen der WM 2011 im Kader hat, bei der Analyse der Partie gegen den EM-Halbfinalisten von 2009 dennoch einen Fehler. Alle betonten, dass aufgrund des 1:1 (1:0) zwischen Norwegen und Island in der anderen Partie noch nichts in der Gruppe B passiert sei. Dabei vergaßen Neid und ihre Schützlinge allerdings, dass sehr wohl etwas passiert war: Die Euphorie um die Auswahl nach dem 4:2 im letzten EM-Test gegen Weltmeister Japan war mit einem Schlag verflogen und wird so schnell auch nicht zurückkehren.

Nach dem Spiel gegen Island in Växjö treffen die Deutschen, die im Fall des Titelgewinns die EM-Rekordprämie in Höhe von 22.500 Euro pro Spielerin kassieren, im letzten Vorrundenspiel am Mittwoch in Kalmar auf den zweimaligen Europameister Norwegen (18.00 Uhr/ARD und Eurosport). Da auch die beiden besten Drittplatzierten der drei Vorrundengruppen weiterkommen, könnte bereits ein Sieg aus den beiden Partien für den Viertelfinal-Einzug genügen.

SID

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