Stadionverbot: FCB-Fan zieht vor Gericht

+
Berüchtigte Fan-Gruppierung: Anhänger der „Schickeria“ sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen.

München - Einmal Randale, zwei Jahre kein Spiel live sehen: Mit einem Stadionverbot für einen FC-Bayern-Fan wird sich nun auch das Bundesverfassungsgericht befassen.

Der 25. März 2006 hätte ein schöner Tag werden können – für einen 16 Jahre jungen Anhänger des FC Bayern wurde er zum Desaster. Der Münchner war mit dem Fan-Bus zum Auswärtsspiel nach Duisburg gefahren und hatte seinen Verein mit 3:1 siegen sehen. Was danach passierte, ist, wie so oft in solchen Fällen, nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren.

Fest steht: Etwa 100 Fans der berüchtigten Ultra-Gruppierung „Schickeria“ wollen den Bayern-Sieg begießen und dafür mit der S-Bahn nach Bochum fahren, darunter auch der 16 Jahre junge Mann, der unbedingt anonym bleiben will. Um zur S-Bahn zu kommen, müssen die Bayern-Anhänger am Block der Duisburger vorbei. Vor der Kurve kommt es zunächst zu kleineren Scharmützeln. Es wird gepöbelt, so wie das unter Fußball-Fans schon mal üblich ist. Doch dann stürmen Bayern-Anhänger die MSV-Arena und prügeln auf gegnerische Fans ein. Auf dem Parkplatz wird eine Person krankenhausreif geschlagen. Die Polizei reagiert auf ihre Weise und kesselt rund 60 Bayern-Fans ein, sie nimmt Personalien auf und leitet Ermittlungsverfahren ein – auch gegen den 16-Jährigen.

Drei Wochen später flattert seinen Eltern ein Schreiben des MSV Duisburg ins Haus. Darin wird der junge Mann beschuldigt, Teil der Gruppe zu sein, die das Stadion gestürmt und andere Personen unvermittelt geschlagen habe. Der Verein verhängt ein bundesweites Stadionverbot gegen ihn – gemäß den Richtlinien des Deutschen Fußballbundes (DFB). Zwei Jahre lang darf er kein Spiel sehen. Dabei habe er sich „in keiner Weise“ an den Krawallen beteiligt, sagt sein Anwalt Marco Noli. Er habe sie nur „beiläufig aus der Distanz wahrgenommen“.

Am 27. Oktober 2006 stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen ihn ein – das Stadionverbot aber bleibt bestehen. Der junge Mann, dem der Leiter des Münchner Fanprojekts, Günter Krause, attestiert, „noch nicht negativ aufgefallen“ zu sein, klagt sich durch die Instanzen – ohne Erfolg. Auch vor dem Bundesgerichtshof scheitert er (wir berichteten). Das Urteil versetzt bundesweit viele Fans in Aufruhr: Nicht der Nachweis einer konkreten Straftat soll künftig als Grundlage für ein Stadionverbot dienen, sondern der bloße Verdacht, dass ein Anhänger künftig gewalttätig werden könnte – weil er eben einer potentiell gewalttätigen Gruppe angehört.

Nun will der heute 19 Jahre alte Azubi, finanziell unterstützt von der Initiative „Fanrechtefonds“, vor das Verfassungsgericht in Karlsruhe ziehen. Der renommierte Stuttgarter Rechtsanwalt Rüdiger Zuck bereitet gerade die Verfassungsbeschwerde vor. Bis zum 17. Dezember will er sie einreichen. „Ich glaube, dass das Stadionverbot nicht haltbar ist“, sagt er. „Jemand, der nur mit anderen zur S-Bahn geht, der kann nicht alleine deswegen ein bundesweiten Stadionverbot bekommen.“ Das sei „unverhältnismäßig.“

Nach Angaben des DFB sind derzeit etwa 2900 bis 3000 Personen mit einem Stadionverbot belegt. Die Verbote sollen die Gewalt rund um den Fußball eindämmen.

Quelle: Thierry Backes/tz-online

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: FC Bayern

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT