Hoeneß wütend über Löwen-Klage: "1860 verarscht uns"

München - Hat der FC Bayern beim Kauf der Arena-Anteile 2006 die wirtschaftliche Notlage der Löwen ausgenutzt? Die neuen 1860-Klage erhitzt in München die Gemüter.

Wurden die Sechziger beim Kaufpreis (elf Millionen Euro) und den Rahmenbedingungen „über den Tisch gezogen“, wie es die 1860-Anwälte formulieren? War der Verkauf also nicht rechtmäßig? Die tz berichtet :

Die am Mittwoch beim Auftakt des „Catering-Prozesses“ vor dem Landgericht bekannt gewordene Klage der Löwen gegen den FC Bayern erhitzt die Gemüter. Das wurde am Donnerstag auch bei Uli Hoeneß deutlich. „1860 ist uns von der Stadt aufs Auge gedrückt worden, das war nicht unser Wunschpartner“, sagte der Bayern-Präsident bei einer Diskussionsrunde in Nürnberg. „Ich war der Meinung, wenn jemand im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte einen Vertrag unterschreibt, dass er sich daran erinnert.“ Und dann gab’s von Hoeneß noch eine Breitseite in Richtung der Löwen: „Die haben uns auf Knien gebeten: Nehmt unsere Anteile! Und es gab Leute, die haben gesagt: Lass die doch absaufen! Wir haben sie nicht absaufen lassen – und jetzt werden wir verarscht.“

Beim FC Bayern glaubt man, dass 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers mit der Klage nur von eigenen Problemen ablenken wolle. Das Ganze sei ein juristischer Winkelzug, um Bayern an den Tisch zu bringen. 1860-Anwalt Michael Priebe streitet diesen „Vorwurf“ gar nicht ab: Die Klage diene „als Hebel, um die Gegenseite zu Verhandlungen zu bringen“. In der Sache gebe es trotzdem keinen Zweifel. Die 1860-Anteile seien beim Verkauf im Jahr 2006 rund 20 Millionen Euro – also fast das Doppelte des Preises – wert gewesen, auch der Verzicht auf eine Partizipation an den Logeneinnahmen von jährlich 14 Millionen Euro sei nicht hinnehmbar. Ein Vorwurf an Dr. Stefan Ziffzer? Der Ex- 1860-Geschäftsführer hatte dem Verkauf 2006 zugestimmt. Auf tz-Anfrage wollte sich Ziffzer am Donnerstag nicht äußern, er habe in der Vergangenheit oft genug betont, keine Alternative gehabt zu haben.

Ziffzers (Nach)-Nachfolger Manfred Stoffers will daran nicht rütteln. „Ich mache Herrn Ziffzer dahingehend keinen Vorwurf. Wenn du in einer Notsituation bist, suchst du jeden Strohhalm.“ Zu den Vorwürfen der Undankbarkeit sagt Stoffers: „Dankbarkeit ist keine Kategorie des Geschäftslebens. Hilfe muss nachhaltig sein, um wirken zu können.“ Zudem habe der FC Bayern „für zu wenig Geld sehr viel bekommen“. Es sei im Moment auch gar nicht die Frage, ob 1860 die ­Stadionanteile zurückwolle, bei der Klage sei es zuvörderst darum gegangen, die Verjährungsfrist nicht verstreichen zu lassen. „Ich will mir nicht vorwerfen lassen, dass ich nichts gegen den Vertrag unternommen hätte.“ Ein Kontrakt, der 1860 verbluten lasse. Stoffers: „Bei einem Aorta-Bruch fragt der Arzt auch nicht, wie haben Sie das denn gemacht? Da geht’s darum, zu handeln, darum, Leben zu retten!“

lk, ta

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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