Guardiola probiert seine erste Mass

Bayern: Mit Platz eins im Gepäck aufs Oktoberfest

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Bayern-Trainer Pep Guardiola fühlte sich bei seinem ersten Wiesn-Besuch sichtlich wohl

Leverkusen - Auf Platz eins schmeckt die Mass gleich doppelt gut: Nach dem etwas unglücklichen Unentschieden in Leverkusen machen die Bayern das Beste daraus und gehen gemeinsam aufs Oktoberfest.

Vor dem Marsch auf's Oktoberfest dirigierte Pep Guardiola sein Münchner Ensemble der Fußball-Virtuosen zur Unvollendeten von Leverkusen. Immer wieder benutzte der Bayern-Trainer, in einen elegant-grauen Anzug gekleidet, seine Arme wie einen Taktstock. Und nach getaner Arbeit zeigte sich der Spanier trotz eines unglaublichen 1:1 (1:1)-Unentschiedens und schier unzähliger vergebener Torchancen „sehr, sehr stolz“ über die Leistung seiner Elf. Immerhin: Pünktlich zu Guardiolas Wiesn-Debüt steht der Triplegewinner erstmals in dieser Bundesliga-Spielzeit ganz oben.

Auf dem Oktoberfest stieß der Starcoach dann am Sonntag als Spitzenreiter mit einer Maß Bier zusammen mit den Bossen an. Guardiola trug Lederhose, ein dunkelbraun kariertes Hemd und einen Trachtenhut. Er durfte es sich ebenso wie die Spieler mit ihren Ehefrauen beim traditionellen Besuch in Käfers Wiesn-Schänke schmecken lassen. „Feuer frei. Wir haben ja erst in zwei Wochen das nächste Spiel. Da können wir die Maß genießen“, hatte Karl-Heinz Rummenigge bereits am Samstagabend die Marschroute für den vorgegeben.

Ob Guardiola am Sonntag beim Volksfest schon das ärgerliche Remis verdaut hatte? Nach dem Schlusspfiff in Leverkusen hatte seine Körpersprache den freundlichen Worten widersprochen. Mit verschränkten Armen, so, als wäre er unzufrieden und wolle das seinem Team auf diese Weise zeigen, stand er gegen Ende der 90 Minuten in der Coachingzone. Nach dem Abpfiff saß er noch geraume Zeit allein auf der Bank, vielleicht darüber sinnierend, dass es nach exzellent zelebrierten ersten 45 Minuten doch leise Miss-Töne gab: Bei 27:5 Torschüssen hätte der Champions-League-Sieger die BayArena als Gewinner verlassen müssen.

Der überragende Franck Ribéry sprach es klar an: „Da muss es 3:1 oder 4:1 stehen“, kommentierte der Franzose den Auftritt vor der Pause. Vorstandschef Rummenigge pflichtete bei: „Spielerisch war das Weltklasse. Fußballerisch sind wir auf einem unheimlich hohen Niveau.“ Eines aber musste auch der einstige Stürmer ungern konstatieren: Seine Bayern hätten „die Scheibe nicht gemacht“.

Es gab nur dieses eine Manko beim Rekord-Titelträger, der im 33. Bundesligaspiel nacheinander unbesiegt blieb. Sie agierten phasenweise herausragend, trafen aber außer dem früheren Leverkusener Toni Kroos (30. Minute) nicht in das Netz. „Wir haben es versäumt, mehr Tore zu machen“, räumte Kapitän Philipp Lahm ein. Das Resultat stehe „in keinem Verhältnis zum Spiel“, meinte Kroos: „Das 1:1 sind zwei verlorene Punkte.“

Das war auch Guardiola bewusst, der eines betonte: „Das Wichtigste ist: Wir sind Erster in der Tabelle.“ Das war auch vor einem Jahr nach dem achten Spieltag so, damals noch mit Jupp Heynckes. Ein Unterschied ist signifikant. Seinerzeit waren die Bayern mit 26:2 Toren top, aktuell sind es lediglich 15:3.

„Wir haben sehr gute Stürmer“, ließ Guardiola trotzdem wissen. Jetzt strebt er danach, aus „sehr gut“ auch in diesem Bereich ein „überragend“ zu machen. Thomas Müller blutete das Herz, wie der Nationalspieler im ZDF angesichts der vergebenen Topchancen wissen ließ. „Das tut sehr weh“, kommentierte Müller das Nicht-Verwerten sogenannter Hundertprozentiger.

„Wir werden versuchen, diese Details zu verbessern“, kündigte Guardiola für die Zeit der Länderspielpause an. Am 19. Oktober gastiert Mainz 05 in München. Bis dahin würde der Bayern-Coach vermutlich gerne intensives Torschusstraining anordnen. Doch von den 14 in Leverkusen eingesetzten Akteuren sind 13 bei ihren Nationalteams im Einsatz. Immerhin waren in Leverkusen alle anderen Werte überragend: 70:30 Prozent Aktionen am Ball, 59:41 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 88 Prozent Passgenauigkeit, 14:2 Ecken und 27:3 Flanken aus dem Spiel sprachen von höchster Bayern-Überlegenheit. Und trotzdem blieb die „Performance“ (Guardiola) zumindest in Leverkusen unvollendet.

dpa

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