5:2-Führung in Heilbronn verschenkt

Steer: "Elementare Fehler, zu passiv und zu naiv!"

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Eine Szene vom Hinspiel Anfang Januar.
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Heilbronn - 360 Kilometer sind es von Heilbronn nach Rosenheim. Auf dem spätabendlichen Heimweg stellten sich die mitgereisten Starbulls-Fans immer wieder eine Frage: Wie konnte ihre Mannschaft dieses Spiel nur vergeigen?

Dass es im Eishockey schnell gehen kann, weiß man. Doch das am Sonntagabend in der Kolbenschmidt-Arena Geschehene in Worte zu fassen, fällt schwer, extrem schwer. Bis knapp neun Minuten vor Schluss hatten die Rosenheimer Eishockeyspieler alles im Griff, führten 5:2, hatten Chancen auf ein sechstes, siebtes Tor und der Gegner lag bereits mausetot am Boden. Doch am Ende gewannen die Falken, mit Abstand Tabellenletzter in der DEL2, noch 6:5 (1:2, 1:3, 3:0, 1:0) nach Verlängerung und fügten den Starbulls damit die vierte Niederlage in Serie zu.

Die Gründe dafür seien „vielschichtig“, meinte Trainer Franz hinterher, ohne dabei näher ins Detail zu gehen. Den verbliebenen "Rumpfkader", die Grün-Weißen mussten auf insgesamt sieben Stammspieler (Strahkov, MacLeod, Stretch, Neuert, Veisert, Thalhammer, Gaschke) aus den verschiedensten Gründen verzichten, wollte der Coach jedoch nicht als Ausrede durchgehen lassen: „Die Ausfälle lasse ich nicht als Entschuldigung gelten. Am Ende sind elementare Fehler passiert! Wir waren da in allen Belangen zu passiv und zu naiv! Es gibt überhaupt keinen Zweifel: Dieses Spiel musst du gewinnen!“

Die Partie hatte zuvor aus Rosenheimer Sicht schon nicht gerade ideal begonnen: Heilbronn agierte bissig und nützte gleich die erste Chance zur Führung, als Marvin Krüger auf der linken Seite ins Drittel stürmte, nicht attackiert wurde und anschließend ansatzlos aus dem linken Bullykreis halbhoch ins lange Eck traf (9.). Nur 15 Sekunden später kam es noch dicker für die Oberbayern, als Max Renner energisch in einen Zweikampf mit Brad Schell ging. Am Foul an sich gab es nichts zu deuteln, doch das Resultat war für die beiden Kontrahenten bitter: Der Starbulls-Verteidiger handelte sich wegen angeblichen Kniechecks - von der Tribüne sah es wie ein „normales“ Beinstellen aus - eine Spieldauerstrafe ein. Schell musste hingegen verletzt vom Eis und wenig später kam aus der Kabine die schockierende Diagnose: Knöchelbruch, Operation und Saisonende!

Souverän Führung ausgebaut

Doch die Rosenheimer berappelten sich rasch und spielten ihre optischen Vorteile im zweiten Teil des ersten Drittels dann auch aus. Heilbronn war gerade wieder komplett, als Manuel Edfelder in Unterzahl hinter dem Tor die Scheibe eroberte und in den Slot zum heranstürmenden Stefan Loibl passte, der die Scheibe unhaltbar zum 1:1 unter die Latte schaufelte (13.). Und in der 18. Minute gingen die Rosenheimer verdient in Front: Nach gewonnenem Bully fackelte Fabian Zick nicht lange und setzte die Scheibe aus halbrechter Position halbhoch ins lange Eck - 1:2.

Im Mittelabschnitt blieb die Begegnung zunächst zerfahren. Doch nach dem Ausgleichstreffer von Carsten Gosdeck aus eigentlich unmöglichem Winkel - der Puck schlug über der Schulter von Timo Herden hoch im Tor ein (30.) - rückten die Special Teams der Starbulls wieder in den Mittelpunkt. Erst traf Peter Lindlbauer in doppelter Überzahl nach einem schönen Zuspiel ansatzlos ins rechte Eck (32.) und nur 38 Sekunden später klingelte es erneut im Kasten des Ex-Rosenheimers Hannibal Waitzmann, als Edfelder im Slot frei war und einen Abpraller verwandeln konnte (33.).

Anschließend agierte Heilbronn zwar noch einmal in Überzahl - das Tor machten aber wiederum die Starbulls. Kapitän Thomas Gödtel kam an der blauen Linie ins Straucheln, Simon Fischhaber schnappte sich den Puck, stürmte auf und davon und verwandelt eiskalt und flach ins rechte Eck (35.).

Was dann im Schlussabschnitt passierte, war aus Rosenheimer Sicht nur schwer oder gar nicht nachzuvollziehen. Zunächst hatten die Gäste alles unter Kontrolle. Es schien auch nicht zu schmerzen, dass die Schiris ein vermeintliches Tor von Stefan Loibl nicht gaben, weil die Partie bereits abgepfiffen war (48.). Das sah auch Steer so: „Das nicht gegebene Tor darf keine Rolle spielen. Eine routinierte Mannschaft spielt das dann trotzdem runter.“ In der 54. Minute nahm das Unheil jedoch seinen Lauf, als Gosdeck zum 3:5 einnetzte. Nur eine gute Zeigerumdrehung bekam Tom Fiedler nicht einmal Geleitschutz von der Rosenheimer Abwehr und traf per Rückhand zum 4:5-Anschluss (55.).

Nun überschlugen sich die Ereignisse

Nach einem klaren Foul entschieden die nicht immer sicheren Referees auf Penalty, den der Ex-Garmischer Markus Eberhardt Herden durch die Beine schob - 5:5, die Halle stand nun Kopf! Rosenheim, das das Eishockeyspielen eingestellt zu haben schien, hatte nun zu kämpfen, um sich überhaupt in die Verlängerung zu retten, wo David Hajek schließlich zum Matchwinner aufstieg. Es lief die 63. Minute, als er nicht attackiert wurde und von der blauen Linie per Schlagschuss maßgenau neben den Pfosten traf!

Heilbronns Trainer Fabian Dahlem, ein gebürtiger Rosenheimer, freute sich indes riesig über den nicht mehr für möglich gehaltenen Erfolg: „Der Ausfall von Schell war ein Schock für uns! Aber danach hat meine Mannschaft großen Charakter gezeigt und einen tollen Job gemacht!“

„Ich hatte mich im Vorfeld über die Heilbronner Spielweise genau informiert. Zunächst ist unser Plan aufgegangen. Wir haben zunächst eigentlich viele Scheiben aufs Tor gebracht und alles im Griff gehabt“, so Steer, der aber einfach nicht fassen konnte, was sich in der Schlussphase abspielte: „Da haben wir billige Tore gekriegt, die man so einfach nicht kriegen darf. Es waren dabei die erfahrensten Leute auf dem Eis, die das eigentlich hätten regeln müssen.“ Auch der Coach dürfte somit auf der langen Rückfahrt einiges zum Grübeln gehabt haben…

Das Spiel in der Statistik:

Heilbronner Falken - Starbulls Rosenheim 6:5 n.V. (1:2, 1:3, 3:0, 1:0)

Tore: 1:0 (9.) Marvin Krüger (Markus Eberhardt), 1:1 (13.) Stefan Loibl (Manuel Edfelder, Peter Lindlbauer - Unterzahl-Tor), 1:2 (18.) Fabian Zick (Peter Lindlbauer, Manuel Edfelder - Überzahl-Tor), 2:2 (30.) Carsten Gosdeck (Matthias Forster, Tom Fiedler), 2:3 (32.) Peter Lindlbauer (Stefan Loibl, Max Vollmayer - Überzahl-Tor 2), 2:4 (33.) Manuel Edfelder (Fabian Zick, Simon Fischhaber - Überzahl-Tor), 2:5 (35.) Simon Fischhaber (Peter Lindlbauer, Tyler McNeely - Unterzahl-Tor), 5:3 (54.) Carsten Gosdeck (Matthias Forster, Tom Fiedler), 5:4 (55.) Tom Fiedler (Matthias Forster), 5:5 (57.) Markus Eberhardt (Penaltyschuss), 6:5 (63.) David Hajek (Marvin Krüger, Richard Gelke - GWG).

Schiedsrichter: Alfred Hascher (Miesbach) und Martin Holzer (Garmisch-Partenkirchen).

Strafen: Heilbronn 16 - Rosenheim 9 plus Spieldauerstrafe gegen Max Renner.

Zuschauer: 1.328.

mw

Quelle: rosenheim24.de

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