DEL 2

Eine Farce und ihre Folgen

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Rosenheim – Ein Eishockeyspiel geht eigentlich über 60 Minuten. Zwischen den Starbulls und dem SC Riessersee dauerte das Match aber keine drei Minuten – ein Skandal und seine Folgen:

Was sich am Freitagabend im Kathrein-Stadion zutrug, diskutiert mittlerweile ganz Eishockey-Deutschland. Denn es kam, wie es kommen musste bzw. eigentlich abzusehen war: Der SC Riessersee – nach den Ausfällen der vier lizenzierten Keeper ohne etatmäßigen Torsteher angereist – ging im Derby bei den Starbulls nach dem ersten Gegentor nach exakt 2:47 Minuten vom Eis und setzte das Spiel danach auch nicht mehr fort. Starbulls-Vorstand Willi Graue nahm die Situation folgendermaßen wahr: „Wir haben ein Tor geschossen, das 1:0. Danach fuhr der Torwart zur Spielerbank und zeigte auf seine Schulter und dann sind sie in die Kabine gegangen.“ Eigentlich hätten die Garmischer laut Regelwerk dann noch einen anderen Feldspieler ins Tor stellen müssen. Dazu sahen sie sich aber offenbar nicht in der Lage. „Das entscheidet Garmisch selbst. Wenn sie weiterspielen hätten wollen, dann hätte sich sicher einer umziehen können und ins Tor gehen können", so Graue weiter. So aber blieb Schiedsrichter Ralph Bidoul (Sonthofen) nicht anderes übrig, als die Begegnung abzubrechen.

Auch wenn es die SCR-Verantwortlichen um Geschäftsführer Ralph Bader und Trainer Toni Krinner mit Sicherheit nie zugeben würden, sich stattdessen auf die Schulterverletzung von Aushilfsgoalie Markus Eberhardt („Das muss unbedingt geröntgt werden“, so Krinner im Münchner Merkur) beriefen und sich damit auf der Seite der „Guten“ wähnen, war dieser Skandal doch aus ihrer Sicht genau das Richtige, um dem oberbayerischen Rivalen „eins reinzuwürgen“.

Denn die Starbulls hatten eine mögliche Spielverlegung aus den bekannten Gründen abgelehnt. Daraufhin wurden via Medien lauthals Beschwerden und Anschuldigungen ausgesprochen. Vom „Gipfel der Unsportlichkeit“, ja gar von Feindschaft, war von Garmischer Seite zu hören bzw. zu lesen. Festzuhalten bleibt somit, dass nicht nur das Verhältnis zwischen den beiden Klubs dauerhaft erheblich vergiftet sein dürfte, sondern auch das deutsche Eishockey durch diesen unrühmlichen Vorfall einen erheblichen Imageschaden erlitten hat.

Von den Folgen für die Starbulls, die sich eigentlich nur an das gültige Regelwerk gehalten haben, ganz zu schweigen. Vor allem finanziell dürfte dieser provozierte Skandal negative Folgen haben. Denn wenn die Garmischer gar nicht erst angetreten wären, hätten sie ein fünfstelliges „Ausfallhonorar“ an die Starbulls entrichten müssen. Die drei (verlorenen) Punkte und die 5:0-Tore, die die Rosenheimer vermutlich am Montag endgültig vom Sportgericht zugesprochen bekommen werden, hatten sie ja ohnehin einkalkuliert – egal ob durch Nicht-Erscheinen oder so wie gestern eben geschehen. Doch da die Riesserseer ja für knapp drei Minuten das Eis betreten hatten, droht ihnen jetzt „nur“ eine Geldstrafe wegen des provozierten Spielabbruchs. Dass die Garmischer gar nicht ernsthaft gewillt waren, das Spiel zu Ende zu spielen, konnte ein Zuschauer mit ein wenig Sachverstand schon beim Aufwärmen erkennen. Ein paar Schüsschen hier, ein paar dort – mit einer professionellen Spielvorbereitung hatte das nichts zu tun.

Starbulls vs. SC Riessersee

Auch was sich im Gästeblock abspielte, war eines Eishockey-Derbys unwürdig. Garmischer Anhänger hatten mehrfach Kanonenschläge und andere pyrotechnische Gegenstände gezündet - mindestens einer war sogar Richtung Starbulls-Spielerbank geflogen - und verschwanden, Hassparolen grölend, erst nach rund einer halben Stunde aus dem Stadion. Auch draußen gab es dann offenbar auch noch einige kleinere Scharmützel, an denen aber auch vermutlich Rosenheimer Zuschauer nicht unbeteiligt gewesen sein sollen. So soll der Garmischer Mannschaftsbus wiederholt mit Bierbechern beworfen worden sein. Eine Polizeieskorte begleitete den Bus daraufhin zur Autobahn.

Und der „Oberhammer“, der aber auch vorherzusehen war, folgt zum Schluss: Wie direkt nach dem Abbruch bekannt wurde, werden die Garmischer am Sonntag selbstverständlich ihr Heimspiel gegen Kaufbeuren bestreiten. Denn da wird einer der beiden zuletzt kranken Torhüter – Korbinian Sertl oder Daniel Schmidt – auf das Eis zurückkehren. „Vielleicht mag der Begriff „fit“ nicht ganz den üblichen Normen entsprechen, aber es geht“, erklärte Bader dem Münchner Merkur.

mw

Quelle: rosenheim24.de

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