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NHL-Spieler im OVB-Exklusiv-Interview

Ex-Starbulls-Spieler Lukas Reichel verrät: Diese Träume gingen in Chicago in Erfüllung

Ein gut gelaunter Lukas Reichel beim Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.
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Ein gut gelaunter Lukas Reichel beim Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Rosenheim, Berlin, Chicago – die Karriere von Lukas Reichel kann als Vorbild für viele junge Eishockeyspieler dienen. Nun spricht der Rosenheimer über seine erste Saison in Nordamerika und auch wie Familienfeiern bei der Reichel-Familie aussehen.

Raubling – Mittlerweile ist Lukas Reichel wieder über den großen Teich geflogen. In Chicago bereitet sich der 20-Jährige auf seine zweite Spielzeit in Nordamerika vor.

Im Starbulls-Nachwuchs groß geworden

In seiner ersten Saison kam der in Nürnberg geborene und im Nachwuchs der Starbulls Rosenheim groß gewordene Eishockey-Nationalspieler auf elf Spiele für die Chicago Blackhawks in der National Hockey League (NHL), zudem wurde er bester Skorer im Farmteam der Blackhawks, den Rockford IceHogs in der American Hockey League (AHL). Reichel entstammt einer Eishockey-Familie: Vater Martin, Nachwuchstrainer bei den Starbulls, war deutscher Nationalspieler, Onkel Robert Weltmeister, Bruder Thomas spielt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für Wolfsburg und Cousin Kristian ebenfalls in Nordamerika in der NHL und AHL.

Die OVB-Sportredaktion hat Lukas Reichel auf einen Kaffee beim Dinzler am Hochstrass in Raubling getroffen. Dabei hat er noch einmal die vergangene Saison Revue passieren lassen und erklärt seine Vorhaben für die neue Spielzeit.

Lukas Reichel hatte Spaß im Training mit der Starbulls U15. Hinten links Vater Martin Reichel.

Wie bereiten Sie sich auf die NHL-Saison vor?

Lukas Reichel: Das ging eigentlich ganz schnell nach der letzten Saison los. Ich habe nach der Weltmeisterschaft zwei Wochen Pause gemacht und war mit meiner Familie in Italien im Urlaub. Dann beginnt man zuhause wieder mit dem Training und geht auch langsam aufs Eis. Ich war für vier Wochen in Chicago und habe dort trainiert, weil es mit der Eisfläche halt besser ist und der Kraftraum ist auch schon in der Halle. Jetzt war ich noch einmal hier, um Freunde und Familie zu sehen.

Sie haben ja eine Weltreise hinter sich. Aus Amerika zur WM, dann nach Italien, zu Besuch nach Berlin, Chicago, wieder nach Rosenheim und dann nach Chicago!

Reichel: Ich mag das. Urlaub musste sein, runterschalten, die Zeit mit der Familie, die Sonne genießen. Und in Berlin habe ich die früheren Kollegen und Freunde besucht.

Hat sich denn was verändert an Daheim?

Reichel: Das ist ja das Schöne: Es bleibt immer gleich. Ich muss sagen, dass ich das bayerische Essen schon vermisst habe.

Gibts denn ein Lieblingsessen?

Reichel: Schweinsbraten oder Schnitzel mit Pommes – die Klassiker halt!

Ihr Fitnesstrainer in Chicago hatte zu Beginn Ihre Essgewohnheiten bemängelt. Er nannte sie „nicht schrecklich, aber auch nicht gut“!

Reichel: Ich hatte mir eigentlich nie groß Gedanken gemacht, was ich esse, sondern habe das gegessen, worauf ich Lust hatte. Da drüben haben wir aber so viele Leute, die dir helfen, unter anderem auch Ernährungsexperten, die dir dann sagen, was gut ist und was nicht. In den USA ist das Essen auch anders und da wurde mir sehr geholfen. Ich hatte ja davor auch nie gekocht, will das aber jetzt anfangen und mich einfach gesünder ernähren.

„Für mich gelten die Klassiker“

Sie sind ja da in einem Zwiespalt. Einerseits müssen Sie Gewicht aufbauen, andererseits sollen Sie sich gesund ernähren!

Reichel: Für mich gelten die Klassiker, viel Gemüse und Fleisch, vor allem Hähnchen. Nach dem Training nimmst du halt einen Proteinshake, das habe ich früher auch nicht gemacht. Ich habe drüben auch selbst gemerkt, dass das Training anders war – mehr auf den Spieler fokussiert. Auch deshalb habe ich jetzt an Gewicht zugelegt, was ich ja auch gebraucht habe.

Die sieben Kilo mehr mussten einfach sein?

Reichel: Ja, weil ich einfach vom Körper her noch nicht so weit wie die anderen war. Das habe ich auch gemerkt, als ich die elf Spiele in Chicago gemacht habe. Da wusste ich dann auch selbst, woran ich arbeiten musste. Ich wollte zulegen, wollte aber auch nicht meine Schnelligkeit verlieren, weil das ja auch eine meiner Stärken ist. Wenn ich mich jetzt auf dem Eis fühle, dann fühlt sich das gut an.

Sie haben elf Spiele in der NHL gemacht. Wie zufrieden sind Sie damit?

Reichel: Schon zufrieden. Aber ich setze mir immer hohe Ziele, bin so ein Typ, der sich die unerreichbaren Sachen vornimmt. Eigentlich wollte ich das ganze Jahr oben sein, aber das war jetzt im Grunde nicht schlimm, weil ich in Rockford in der AHL viel Eiszeit bekommen, Powerplay und alles gespielt habe – das hat mir sehr geholfen. Auch mit dem kleineren Eis hatte ich anfangs Probleme, weil es einfach ein anderes Eishockey ist. Da musste ich mich erst anpassen. Nach zehn, 15 Spielen ging das eigentlich. Als ich dann das erste Mal im United Center auf dem Eis stand war das natürlich ein Riesenerlebnis und eine coole Sache.

Sie hatten in den letzten Jahren so viele Höhepunkte. Deutscher Schülermeister, der Sprung nach Berlin, Meister in der DEL, der Draft durch Chicago, Nationalmannschaft, WM und das erste Spiel in der NHL. Lässt sich das in einer Reihenfolge einordnen?

Reichel: Egal, wo ich spiele. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben. Das entwickelt sich dann so. Natürlich war es mein Traum, in der NHL zu spielen und Chicago war immer mein Lieblingsteam – eigentlich nur wegen Patrick Kane. Nun dort auf dem Eis zu stehen, da wurde schon ein Traum wahr.

Konnten sie das auch mal sacken lassen? Oder schauen Sie immer wieder nach vorne?

Reichel: Das ist schon so. Es war schon immer mein Ziel, ein NHL-Spiel zu machen. Aber dann waren die Gedanken, dass ich mehr will und dort bleiben möchte. So geht das eigentlich immer weiter. Und es ist auch wichtig, dass man nicht zufrieden ist, sondern sich immer weiter Ziele setzt und neue Herausforderungen.

Wenn man dann mal oben spielt und wieder in die AHL zurück muss, dann ist man ja auch mal enttäuscht. Wie haben Sie das für sich verarbeitet?

Reichel: Ich habe mir immer gedacht, dass ich noch jung bin und viel Zeit habe. Chicago hat mir das auch gesagt, als sie mich wieder runtergeschickt haben, dass sie mit mir nichts überstürzen wollen, weil sie davor viele Draft-Picks oben verheizt haben. Da wollen sie keinen Fehler machen und mir einfach Eiszeit in der AHL geben. Ich finde, das machen sie richtig gut. Klar war ich traurig, dass ich wieder in die AHL musste, im Grunde hilft mir die viele Eiszeit dort, um mich besser zu entwickeln.

Chicago hat einen Plan mit Ihnen. Aber wie sieht Ihrer für die zweite Saison aus?

Reichel: Ich habe hart trainiert und will das ganze Jahr oben bleiben. Wenn man die Mannschaft so anschaut, dann haben wir viele junge Spieler. Chicago macht den Umbruch, hat neue Manager und neue Coaches. Die werden viele junge Spieler spielen lassen.

„Als Team gut entwickelt“

Hat es für Sie eine Bedeutung, dass sie als Topscorer der AHL-Mannschaft kommen?

Reichel: Ich habe einfach mein Bestes gegeben. Klar ist das eine schöne Sache, aber ich glaube, dass wir uns auch als Team in Rockford gut entwickelt haben. Wir haben gut harmoniert und wurden von Spiel zu Spiel besser. Wir konnten stolz darauf sein, wie wir am Ende aus der Saison gegangen sind.

Es gibt ja viele Storys aus der AHL mit langen und anstrengenden Busfahrten. Ist das so? Und erdet das einen?

Reichel: AHL ist so wie in der Nachwuchszeit. Du fährst viel Bus, hast viele Spiele. In Berlin sind wir oft für ein Spiel geflogen, das war schon professioneller. Wenn das in der AHL nicht so ist, dann hast du den Ansporn und die Motivation, dass du ins NHL-Team kommst.

Es wird in Amerika immer mehr Deutsch gesprochen. Wie ist der Kontakt untereinander?

Reichel: Es hat mich sehr gefreut, dass Kai Wissmann das Angebot von Boston bekommen. Er ist mein bester Freund aus der Berliner Zeit. Mit Tim Stützle, JJ Peterka und Moritz Seider halten wir alle Kontakt. Das ist auch für die Nationalmannschaft gut, dass wir dann harmonieren und das auf dem Eis auch zeigen.

Von den drei aus dem für Deutschland unglaublichen Draft 2020 war Tim Stützle von Beginn an in der NHL. Neidisch?

Reichel: Klar wäre ich auch gerne von Anfang an in Chicago dabei gewesen. Aber Tim war seit der Jugendzeit ein richtig guter Kumpel, wir waren auch in der Nationalmannschaft immer Zimmerkollegen. Ich freue mich für ihn. Natürlich war das auch mein Ziel, aber es geht auch nicht immer bergauf.

Grubauer „ein richtig cooler Typ“

Jetzt haben Sie die jungen Spieler alle aufgezählt. Wie ist der Kontakt zu Philipp Grubauer?

Reichel: Es war tatsächlich erst jetzt bei der WM, wo ich das erste Mal so richtig mit dem Grubi gequatscht habe. Davor hatten wir nie so den Kontakt. Aber da habe ich gleich direkt gemerkt: „Rosenheimer Bua“! Er ist einfach ein richtig cooler Typ. Nach der WM haben wir uns dann öfter auf einen Kaffee getroffen. Als Rosenheimer Nachwuchsspieler war der Grubi schon immer so ein Vorbild. Da, wo er war, wollte ich auch hin!

Grubauer ist mit 16 rüber, sie sind mit 16 von Rosenheim nach Berlin. Wie ist das, als junger Bursche von den Eltern weg?

Reichel: Ich war schon immer ein Familienmensch, deshalb war das für mich anfangs schon schwer. Es kommt aber immer auf die Person an. Aber dann lernt man schnell die neuen Kollegen und neue Freunde kennen, dann geht das schon wieder. Es hat auch geholfen, dass mein Bruder Thomas mit dabei war.

Gruppenbild der Starbulls U15 mit Lukas Reichel, der aus dem Rosenheimer Nachwuchs kommt und jetzt in der NHL für die Chicago Blackhawks spielt.

Hätten Sie sich auch vorstellen können, mit 16 gleich nach Amerika zu gehen?

Reichel: Das war auch eine Überlegung, weil viele Teams angefragt haben und ich im Junior-Draft mit dabei war. Aber dann kam Berlin und das Konzept, wie sie mich fördern wollten, war sehr interessant. Stützle ist in Mannheim geblieben, Peterka nach München gegangen – dann habe ich mir gedacht, dass ich auch in Deutschland bleibe. Und das war eigentlich die beste Entscheidung.

Sie leben in einer Eishockey-Familie. Wird da immer wieder mal geflachst untereinander?

Reichel: Unter Brüdern gibt es auf alle Fälle die Späßchen. Ansonsten ist es da eher ruhig.

Aber Sie sind ja auch höher als der Papa und der Onkel gedraftet worden!

Reichel: Mein Papa sagt mir dann immer, dass er in der „Hall of fame“ in der DEL ist – und da bin ich dann still...

Und beim Onkel?

Reichel: Der hat schon 700 oder 800 Spiele in der NHL gemacht (mit Play-offs exakt 900, d. Red.), da sind dann alle still... (lacht)

Wie ist es so bei Familientreffen?

Reichel: Ganz normal, wie bei anderen Familien auch – nur dass halt bei uns viel über Eishockey geredet wird. Wir waren früher oft zu Besuch in Tschechien und haben dort ein paar Tage verbracht. Das war schon ganz cool. In den letzten Jahren war das schwieriger.

Was ist das Wichtigste, was ihnen der Papa oder der Onkel mit auf den Weg gegeben haben?

Reichel: Mein Papa war immer der Motivator für mich. Wenn es nicht lief, dann war er immer da und hat mich motiviert. Früher hatte ich den Kopf unten, wenn es mal nicht so lief, und war auf alles sauer. Er war früher wohl auch so und hat da seine Erfahrungen mit eingebracht. Und durch diese Gespräche habe ich sehr viel von ihm gelernt.

Wie ist der Kontakt zu Cousin Kristian? Haben Sie gegeneinander gespielt?

Reichel: Ja, wir haben in der AHL gegeneinander gespielt, er spielt für Manitoba. Das war schon ganz cool.

Wer hat gewonnen?

Reichel: Die haben zweimal gewonnen, wir einmal. Es war cool, mit ihm auf dem Eis zu stehen.

„Eishockey macht mehr Spaß“

Sie haben im Nachwuchs auch Fußball gespielt. Hätte der Papa auch die Fußballkarriere so unterstützt?

Reichel: Ich weiß es nicht. Ich war ganz gut, war Stürmer in Neubeuern und hatte auch Anfragen von 1860 Rosenheim. Mit 13, 14 musste ich mich eigentlich dann entscheiden. Da habe ich kurz überlegt und gemerkt, dass mir Eishockey mehr Spaß macht – es war die richtige Entscheidung, glaube ich. (lacht)

Sie spielen mit ihrem Kindheitsidol Patrick Kane in einer Reihe. Wie ist das denn?

Reichel: Richtig cool! Man schaut dann auch genau, was der in der Kabine macht, wie der trainiert – und das ist für mich schon ein Riesending! Ich kann von ihm noch so viel lernen. Er hilft uns auch mit Tipps, ist ein richtig guter Kapitän – egal, wer du bist. Er versucht, jeden besser zu machen.

Versprüht er eine besondere Aura?

Reichel: Das würde ich nicht sagen, er ist als Typ ganz ruhig. Aber wenn er auf dem Eis steht, die Scheibe kriegt und sein Ding macht, dann denkt man schon: Wow, geil!

Lob von Lukas Reichel für eine gute Aktion im Training.

Sie müssen viele Ergebnisse aus Deutschland abrufen, wenn sie in Chicago sind. Angefangen von den Eisbären Berlin, den Starbulls, dem Bruder und den Teams vom Papa. Wie bekommen Sie alles mit?

Reichel: Heutzutage ist es mit den sozialen Medien leicht. Über Instagram kriege ich immer die Ergebnisse, dazu rufe ich meinen Bruder oder meinen Dad an, wie es lief. Da kriege ich auf dem Handy schon alles mit.

Trauen Sie den Starbulls den DEL2-Aufstieg zu?

Reichel: Ich glaube schon. Über die Spezl bekomme ich viel mit. Warum nicht?

Sie haben bislang einen Punkt in der NHL erzielt. Wissen Sie noch, wie das abgelaufen ist?

Reichel: Das war gegen Nashville. Ich bin von rechts gekommen, habe einen Pass auf die Rückhand bekommen, bin ins Drittel gelaufen und habe einen Turn gemacht. Dann war McCabe links oben frei und der hat dann einen schönen Pass zu Kubalik vors Tor gespielt. Das war ein schönes Erlebnis, aber ich hatte mich geärgert, weil ich die Spiele davor schon viele Chancen hatte. Auch im Spiel gegen Los Angeles. Da waren meine Eltern im Stadion und ich hätte einen Hattrick schießen können, aber es ging einfach nichts rein. Dann wurde es auch mal Zeit mit dem ersten Punkt. Jetzt ist es Zeit, mein erstes Tor zu schießen.

Wie wäre es denn mit ersten Tor gegen Philipp Grubauer?

Reichel: Das wäre cool. Gegen Grubi habe ich ja schon gespielt, ich habe geschossen und er ihn gehalten. Dann bin ich zu ihm hingefahren und habe gefragt: „Kannst Du den nicht mal reinlassen, ich brauche mein erstes Tor?“ Und er hat nur gemeint: „Na, des kon i jetz ned macha“. Dann hat er gleich noch einen Shutout gegen uns gemacht!

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