Eishockey

Rosenheimer Team stellte viele neue Bestmarken auf

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Dylan Stanley obenauf: Der Kanadier lieferte etliche neue Bestmarken ab.

Nicht am Aschermittwoch, wie es in dem bekannten Faschingsschlager heißt, war alles vorbei, nein, am Ostermontag endete die Oberliga-Saison 2008/09 der Starbulls Rosenheim, bei der der erneut unbefriedigende Abschluss darüber hinweg täuscht, dass diese fünfte Spielzeit die mit Abstand beste in dieser Spielklasse war.

Aber es besteht die Gefahr, dass der letzte Eindruck im Gedächtnis haften bleibt, und der straft die vorangegangenen Erfolge Lügen. Geradezu "aus der Halle geschossen" hatten Stanley & Co. den Play-off-Gegner, den ESV Kaufbeuren, in den ersten vier Saisonspielen: 5:1, 5:1, 7:4 und 7:5, ein Albtraum für den Joker-Goalie Leo Conti. Aber als es in die entscheidende Phase der Vorrunde ging, bekamen plötzlich die Allgäuer mit zwei 5:2-Siegen Oberwasser, und dieser Trend setzte sich fast ungebremst ins Play-off fort. Bereits der 4:2-Sieg im Auftaktspiel in Rosenheim erwies sich letztlich als Vorentscheidung, weil es den Starbulls trotz des Klassespiels am Karsamstag (übrigens der erste Sieg in einem Aufstiegs-Play-off in der Oberliga nach je drei Niederlagen gegen München 2005 und Landsberg 2006) nicht mehr gelang, das "Momentum" zurückzuerobern.


Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Alles überspannend erscheint die Tatsache, dass sich die Fieberkurven der beiden Kontrahenten ziemlich gegenläufig entwickelten. Kaufbeuren startete ganz schwach, sah bis zum Jahreswechsel sogar die Play-off-Teilnahme in Gefahr, um im neuen Jahr immer stärker durchzustarten, bis man sogar den Starbulls um Rang zwei Konkurrenz machen konnte und im Monat März gleichauf mit Füssen das punktstärkste Team der Liga stellte. Die Starbulls dagegen starteten so, dass man schon fast von einem Start-Ziel-Sieg träumen konnte (neun Siege zum Auftakt, nur zwei Niederlagen in den ersten 15 Matches), doch ab etwa Mitte Januar geriet mehr und mehr Sand ins Getriebe, und selbst nachdem sie nach einem Tiefpunkt (nur 56,7 Prozent der möglichen Punkte im fünften Zehn-Spiele-Segment Ende Januar/Anfang Februar) zum Schluss der Vorrunde noch einmal punktemäßig zulegten (neun Siege in den letzten zehn Spielen) hatten die Fans und vielleicht auch die Spieler selbst beileibe nicht mehr das Gefühl, wirklich die Besten zu sein, wie das zu Saisonbeginn (völlig zurecht) der Fall war.

Überzeugte durch Herz, Fleiß und Kampfgeist: Robin Hanselko, hier mit einem Check gegen Kaufbeurens Selea.

Ohne einzelne Facetten oder gar Spieler (oder Trainer) als Sündenböcke herauszupicken: Schon zu Zeiten der überlegenen Tabellenführung war es unverkennbar, dass die Starbulls fast ein "One-Line-Team" waren. 402 der 694 Scorerpunkte, das sind 57,9 Prozent (!), gingen auf das Konto des nominell zweiten Blocks Bergmann, Fairbarn, Wenzel, Stanley und Newhook! Dies wurde auch im Play-off deutlich. Außer Anton Saal, dessen zwei fast identische "Tore des puren Willens" zurecht für Begeisterung sorgten, und Matthias Harts Powerplay-Treffer beim 4:2-Sieg trafen nur Stanley, Newhook & Bergmann. Leer ging auch Ryan Fairbarn aus, dessen Formkurve seit der Wahl zum besten Verteidiger der Liga ohnehin kontinuierlich nach unten zeigte. Nur fünf verschiedene Torschützen auf Rosenheimer Seite standen deren neun bei Kaufbeuren gegenüber - in der Spitze waren die Starbulls gleichwertig, in der Breite entscheidend unterlegen! Zwei der entscheidenden Stürmer im Siegerteam repräsentieren den Trend: Jordan Webb und Kevin Saurette gelang in den ersten Spielen gegen Rosenheim (fast) gar nichts, im Play-off zählten sie dagegen zu den Vätern der Siege.


Aber kommen wir noch einmal auf die Vorrunde zurück, und da konnte man als Fan wirklich nicht klagen. Abgesehen von Platz zwei im Süden (ein fünfter Rang in der Jungfernsaison 2004/05 war bis dato die höchste Platzierung) erwiesen sich die Starbulls praktisch in allen Belangen als verbessert, nicht nur gegenüber den letzten beiden arg enttäuschenden Jahren. 72 Prozent aller Punkte blieben auf dem Pluskonto, zuhause waren es gar 80,6 Prozent, und auch auswärts erwies sich das Steer-Team mit 63,4 Prozent als zweitbeste Mannschaft.

Dylan Stanley und Ron Newhook, zweifellos die aufregendsten und offensiv besten Spieler der Rosenheimer Oberliga-Historie (nur ein gesunder und topfitter Ryan Smith könnte da wohl mithalten), schrieben die Rekordbücher neu. Stanleys 48 Tore, 75 Assists und 123 Scorerpunkte pulverisierten die alten Bestleistungen von Andi Schneider (29 Tore) und Duncan Dalmao (53 Assists bezihungsweise 60 Punkte) geradezu. Newhook liegt in allen drei Rubriken nur knapp dahinter. Auch die Verteidiger Fairbarn (77 Punkte) und Matthias Bergmann (66) toppten Dalmaos Ausbeute aus dem Vorjahr um Längen. Bergmann stellte mit fünf Assists beim 8:4 gegen Rostock auch einen neuen Rosenheimer Rekord auf. Außerdem setzte Stanley mit mehreren Scoring-Serien neue Maßstäbe. In den ersten 22 Saisonspielen ging er nie leer aus und übertraf Jeremy Stasiuks Serie gleich um neun Spiele. Auch hält er die Rekordstrecken von sechs Begegnungen mit Toren sowie zwölf Begegnungen mit Assists. Newhook beschäftigte sich mehr mit Einzelspiel-Rekorden. Nicht weniger als viermal gelangen ihm fünf Scorerpunkte in einem Match; auch das bedeutet Highscore.

Kein Wunder, dass da ganz nebenbei auch diverse Mannschaftsrekorde neu aufgestellt oder eingestellt wurden. Neun Siege beziehungsweise vier Auswärtssiege zu Beginn der Saison egalisierten die alten Bestleistungen, neun Heimsiege in Folge untertrafen die alte Rekordserie von sieben Spielen aus der Saison 2004/05 noch. 4,1 Tore im Schnitt geschossen, nur 2,9 zugelassen, auch dies sind Bestleistungen (bisher: 3,5 geschossen 2005/06, ebenfalls 2,9 zugelassen 2004/05). Dies sind nur die auffälligsten Errungenschaften; würde man ins Detail gehen, fände man zweifellos noch weitere. Negative Rekorde gab es aus statistischer Sicht praktisch keine; dennoch bleibt, wie erwähnt, nach dem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Play-off doch ein unguter Eindruck im Gedächtnis haften. Schade eigentlich… em

Quelle: rosenheim24.de

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