Nach Triumph gegen Kölner Haie

Ingolstadt feiert Sensation: "Sperrt Kinder weg"

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Ingolstadts Trainer Niklas Sundblad (l.) und sein "Co" Petri Liimatainen bejubeln den Titel-Gewinn.

Köln - Der ERC Ingolstadt ist erstmals deutscher Eishockey-Meister. Der Triumph der Oberbayern auf Kölner Eis verhagelte Haie-Coach Uwe Krupp nachhaltig die Laune.

Die einzige Champagner-Flasche auf dem Eis war gerade leer, da gab Patrick Köppchen den Startschuss für den Ingolstädter Feiermarathon. „Ich kann nur allen Bar-Besitzern sagen: Lasst die Türen offen, sperrt die kleinen Kinder weg, lasst uns alle gemeinsam feiern“, sagte der Verteidiger des Eishockey-Überraschungsmeisters, der als wertvollster Spieler der Play-offs ausgezeichnet worden war.

Der Ankündigung ließen die ERC-Himmelsstürmer Taten folgen. Nach den ersten Schlucken auf dem Eis und in der Kabine der Kölnarena hoben Köppchen und Co. nach dem 2:0-Triumph im siebten und entscheidenden Finale ab. Im Privatjet ging es noch in der Nacht zurück nach Ingolstadt, wo die Oberbayern bis Mittwochmittag durchfeierten.

Beim Verlierer Uwe Krupp war der Frust so groß, dass er schon vor der Meisterehrung in den Katakomben verschwunden war. „Diese Niederlage tut weh, das ist ein hartes Ding“, sagte der ehemalige Bundestrainer, der schon im Vorjahr mit den Haien im Finale gescheitert war: „Das muss ich erstmal verdauen.“

Der überglückliche Köppchen hatte indes mit der Goldmedaille der Deutschen Eishockey Liga (DEL) um den Hals und der MVP-Auszeichnung in der Tasche zunächst noch gar nicht realisiert, was er mit dem krassen Außenseiter geleistet hatte. „Es ist einfach unreal, traumhaft, unfassbar“, sagte der 33-Jährige nach der größten Überraschung in 34 Jahren Play-offs.

"Eine unglaubliche Geschichte"

Dass die „Schanzer Panther“ vom neunten Tabellenplatz zu ihrem ersten Titel gestürmt waren, sei „eine unglaubliche Geschichte, die hätten auch Stephen King oder wie sie alle heißen nicht besser schreiben können“. Ende Januar nach der Flucht des Sportdirektors Jim Boni, einem Fanboykott und einer Pleitenserie noch am Boden zerstört, hatten sich die Ingolstädter aufgerappelt und in den Play-offs einen unvergleichlichen Siegeszug vollbracht.

„Der Tiefpunkt war, als die Fans sich von uns abgewandt haben“, erinnerte sich Köppchen, „es gibt Mannschaften, die daran zerbrechen, und Mannschaften mit Charakter, so wie wir, die sich daran aufrichten.“ Noch unglaublicher als das Ingolstädter Eishockey-Märchen mit dem Happy End im 21. Play-off-Spiel war jedoch die Geschichte des gebürtigen Berliners.

Mit 14 Scorerpunkten, sechs davon in der Finalserie, und einer Plus-Minus-Bilanz von +16, der besten seit Erhebung dieser Statistik, drückte Köppchen der Meisterrunde seinen Stempel auf. Ein Spieler, der es in seiner 14-jährigen Profikarriere maximal auf 28 Punkte in einer ganzen Saison gebracht hatte. Jetzt winkt sogar nach zwölf Jahren die zweite WM-Teilnahme.

Perfektes Vereinsjubiläum

Dass er und seine Teamkollegen in den längsten Play-offs der deutschen Eishockey-Geschichte immer stärker wurden, lag vor allem an Trainer Niklas Sundblad. Der Schwede, im Vorjahr noch als Krupps Assistent an der Haie-Bande, ließ so intensiv trainieren, dass die Ingolstädter zum Ende der Vorrunde stehend k.o. waren. „Das habe ich noch nie erlebt“, gab Stürmer Thomas Greilinger zu, „aber es hat gefruchtet.“

Selbst ein 0:2-Rückstand zum Auftakt der Finalserie warf die Oberbayern nicht um. Die Ingolstädter Stehaufmännchen kämpften sich zurück und machten den ersten Titelgewinn pünktlich zum 50-jährigen Vereinsjubiläum perfekt. Das entscheidende erste Tor (37.) beim Showdown vor 18.666 Zuschauern in Köln erzielte ausgerechnet Christoph Gawlik, der nach eigenen Worten „eine Kack-Saison“ hinter sich hatte.

Nach der Meisterfeier droht in Ingolstadt aber der Kater. Play-off-Topscorer Travis Turnbull verlässt den Klub wohl ebenso wie die Verteidiger Tim Conboy und Jakub Ficenec. Kapitän Tyler Bouck beendet seine Karriere. Und Sundblads Zukunft ist offen. „Ich weiß es nicht, ich habe noch keinen neuen Vertrag“, sagte der Schwede. Angeblich buhlt der finanzkräftige bayerische Rivale Red Bull München um den 41-Jährigen.

sid

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