Doch noch Reform auf DFB-Bundestag: Vorerst vier Aufsteiger

Regionalliga: Irrer Last-Minute Kompromiss - Aufstieg durch Los!

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Jede Menge Zündstoff auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag: Die Verbände streiten weiter um eine endgültige Aufstiegsregelung in Sachen Regionalliga.
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Frankfurt am Main - Am späten Donnerstagabend wurde beim DFB-Bundestag in Frankfurt doch noch eine Einigung in Sachen Aufstiegsregelung für die Regionalliga aus dem Hut gezaubert. Es ist eine Notgeburt bis 2019. Und ein irrer Kompromiss – einer von vier Aufsteigern in die Dritte Liga wird jetzt ausgelost! Nach stundenlangen zum Teil kuriosen Verhandlungen einigten sich die Regional- und Landesverbände auf ein neues Aufstiegs-Modell in den Regionalligen für die nächsten beiden Spielzeiten. Die nun gefundene Lösung bringt einen Aufsteiger mehr als bisher – und ist dennoch ein eher „fauler Kompromiss“. Sie soll am Freitag durchgewunken werden.

Der Aufstieg aus der Regionalliga wird also doch noch reformiert. Nachdem bereits allerorten über das Scheitern einer möglichen Reform berichtet worden war, einigten sich die Landesverbände des organisierten deutschen Fußballs – offenbar auch unter dem großen öffentlichen Druck - am Donnerstag zu später Stunde auf eine Übergangslösung. Eine Blamage soll damit abgewendet werden - die erhoffte Dauerlösung aber wurde vertagt.

Direkter Aufstieg für Südwesten – weiterer Aufstiegsplatz rotiert

Nach ellenlangen heftigen Diskussionen haben die Fußball-Funktionäre aus den 21 Landesverbänden ein komplettes Scheitern der geplanten Regionalliga-Reform noch abgewendet. Wie der Deutsche Fußball-Bund am späten Abend offiziell mitteilte, einigten sich die Amateur-Vertreter zumindest für den Zeitraum von zwei Jahren auf eine neue Regelung für den Aufstieg in die 3.Liga.

Demnach soll es in den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 insgesamt vier - statt bisher drei - Aufsteiger aus den fünf Regionalligen geben. Dies soll beim Außerordentlichen DFB-Bundestag am Freitag in Frankfurt verabschiedet werden. Ein direktes Aufstiegsrecht soll demnach jeweils der Meister der Regionalliga Südwest erhalten. Der Meister der Regionalliga Nordost in der Spielzeit 2018/19 steigt ebenfalls direkt auf.

Irre anmutendes Lossystem – eine „gerechte Lösung“?

Das Recht auf den weiteren – und damit vierten - direkten Aufstiegsplatz wird tatsächlich ausgelost. Die verbliebenen beiden Meister, von denen lediglich noch einer aufsteigen kann, ermitteln dann in Playoff-Spielen den letzten Aufsteiger und ihre Regionalligen bekommen dafür das automatische Aufstiegsrecht in der folgenden Spielzeit. Erst wenn diese abgeschlossen ist, soll eine langfristig tragfähige und zukunftsträchtige Konsenslösung etabliert werden.

Kann so ernsthaft eine Lösung für die Aufstiegsfrage aussehen? Zwar gibt es damit einen Aufsteiger mehr als bisher für die Regionalligisten, eine Lösung mit Lossystem verwässert aber sportliche Kriterien völlig. „In einer komplexen Fragestellung, in der sehr viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden mussten, ist es uns gelungen, zumindest bis zum nächsten Ordentlichen DFB-Bundestag eine Übergangslösung zu finden, die eine deutliche Verbesserung der Ist-Situation darstellt und die von allen Regionalverbänden mitgetragen wird“, versucht sich der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) und DFB-Vize Rainer Koch zu erklären.

Gesichtswahrung in letzter Minute - am Nachmittag drohte das Scheitern

Am Nachmittag war in ranghohen DFB-Kreisen schon nicht mehr mit einer Kompromisslösung gerechnet worden - alle Zeichen deuteten auf ein blamables Scheitern der Fußball-Verbände in Sachen Einigung hin. Eine dauerhafte Neuregelung soll eine Expertenkommission unter der Leitung von DFB-Vize Peter Frymuth bis zum Bundestag 2019 erarbeiten.

Mit der Last-Minute-Rettung wurde auch ein befürchtetes ganz großes Tohuwabohu beim Bundestag verhindert. Die Debatte um den Aufstieg in die 3. Liga hatte zuletzt groteske Züge angenommen und den Dünkel um Proporz und Einfluss im deutschen Amateurfußball offenbart. Bei einem Gipfeltreffen mit den Landesverbänden hatte der vielkritisierte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Mittwochabend noch einmal vergeblich versucht, einen Kompromiss zu finden. Auch am Donnerstag zog sich die Debatte lange hin. Unmengen an Partikularinteressen wollten irgendwie befriedigt werden. Statt gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, musste jeder etwas bekommen.

Deutscher Fußball-Bund 2017/18 - eine einzige Baustelle

Der gesamte Ablauf dieses außerordentlichen Bundestages passte vor allem außerordentlich gut zu der schwierigen Verfassung, in dwelcher sich der Verband derzeit befindet. Überall gibt es Baustellen. Viel mehr als den Verantwortlichen lieb ist. Dazu gehören die chaotische Umsetzung des Videobeweises, der Streit im Schiedsrichter-Bereich, die Aufregung um den Grundlagenvertrag mit der DFL und die massiven Steuernachzahlungen im WM-Skandal.

Der Versuch, die Regionalligen zu reformieren, kommt jetzt noch dazu, denn auch dieser Prozess war bislang vor allem durch Auseinandersetzungen und Gefeilsche hinter den Kulissen geprägt. Auch hier hat sich die DFB-Spitze um Reinhard Grindel mit großem Eifer eingeschaltet, aber letztlich mit ihrer „Krisenintervention“ die Dinge – wenn überhaupt - nur mühsam in den Griff bekommen.

Das leicht beschreibbare – aber so scher aufzulösende - Problem der Regionalliga-Reform ist: Es standen gleich sieben verschiedene Modelle zur Diskussion! Ein achtes Modell erschien wesentlich leichter vorstellbar als eine Einigung. Aber bei jedem dieser Gedankenspiele müsste irgendein Landesverband Zugeständnisse machen, zu denen er nicht bereit ist. Vor allem die Vertreter der neuen Bundesländer beharren wie bisher auf einer eigenen Regionalliga, der Staffel Nordost – welche vor allem aufgrund der traditionsreichen früheren DDR-Ligen Eigenständigkeit für sich reklamiert.

Nordosten freut sich fürs Erste – gordischer Knoten bleibt

„Wir sind uns aufgrund der Mehrheitsverhältnisse bewusst, dass dieser Antrag ein großes Entgegenkommen der anderen Regionalverbände für den Nordosten darstellt. Wir freuen uns, dass wir am Ende unserer hartnäckigen Bemühungen um eine konstruktive Lösung in der kommenden Spielzeit über einen festen Aufstiegsplatz verfügen und werden unseren Beitrag leisten, bis 2019 eine neue, gemeinsame Regelung zu finden“, sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV), Rainer Milkoreit.

Am einfachsten wäre es, in Zukunft vier statt fünf Regionalligen zu betreiben und jeden Meister am Ende einer Saison direkt aufsteigen zu lassen. Doch dann wäre die Frage: Wo verlaufen die Grenzen? Je eine Staffel im Norden, Süden, Osten und Westen würde die besonders mitgliederstarken Regionen im Westen und Südwesten benachteiligen. Einen Teil der ostdeutschen Vereine in eine Nord-Staffel zu integrieren und den anderen Teil gegen bayerische Vereine antreten zu lassen - das wiederum würden die Nord-Ost-Vertreter nicht mitmachen. Der berühmte gordische Knoten scheint leichter zu zerschlagen zu sein.

Grindel wirbt für sein Modell – Entscheidung über DFB-Akademie

Grindel ist deshalb weiter für sein favorisiertes Modell: Danach soll es bei fünf Regionalligen bleiben, aber künftig vier statt bisher drei Aufsteiger geben. Der Meister des Westens und des Südwestens soll jedes Jahr direkt aufsteigen, der dritte feste Aufstiegsplatz nach einem Rotationsmodell - bei welchem sich ebenso äußerst dringlich die Frage nach der nicht zu erkennenden sportlichen Gerechtigkeit stellt - an den Erstplatzierten aus dem Norden, Nordosten oder Bayern gehen. Der vierte Aufsteiger müsste in zwei Playoff-Spielen zwischen den Meistern der übrig gebliebenen Ligen ermittelt werden.

Aber auch dafür gibt es weiterhin keine Mehrheit – lediglich einen Kompromiss auf Zeit. Aber der DFB-Bundestag kann sich so wieder jenem Thema widmen, welches einmal der eigentliche Grund für seine Einberufung war: die Abstimmung über die DFB-Akademie. Jahrelang hat der bisherige Rennbahnbetreiber dieses Prestigeprojekt verzögern können. Jetzt steht aus Sicht des DFB endlich die Entscheidung über den Bau des bis zu 150 Millionen Euro teuren Leistungs- und Verwaltungszentrums auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn an. Die DFB-Spitze rechnet fest mit einer überwältigenden Zustimmung.

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dpa / cs

Quelle: rosenheim24.de

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