Beinschuss-Interview der Woche

Kreisvorsitzende Gardill: „Jedem alles recht machen, können wir leider nicht“

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Kreisvorsitzende Carmen Gardill

Kreis Inn/Salzach - Die Ereignisse überschlugen sich in den letzten Tagen und Wochen. Immer mehr Spiele im Kreis Inn/Salzach fielen aus, immer mehr Vereine gingen aus eigenen Stücken aufgrund der steigenden Corona-Zahlen frühzeitig in die Winterpause. beinschuss.de hat mit Kreisvorsitzende Carmen Gardill gesprochen.

Die Corona-Zahlen und damit die 7-Tage-Inzidenzwerte steigen in der Region von Tag zu Tag. Dies wirkt sich auf den Amateurfußball im Kreis Inn/Salzach aus. Im Berchtesgadener Land können die Vereine aufgrund des seit vergangener Woche geltenden regionalen Lockdowns, gilt bis zum 2. November, nicht mehr trainieren und auch nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Zudem haben sich bereits zahlreiche Klubs aus der Region dazu entschlossen, freiwillig in die Winterpause zu gehen, weil ihnen und den Spielern die Unsicherheiten zu groß sind.


Unterdessen will der BFV keine Generalabsage und wird damit vorerst am Spielbetrieb festhalten. Doch wie lange die Politik dafür noch grünes Licht erteilt, steht in den Sternen. Am Mittwoch, den 28. Oktober, konferieren Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten. Dabei könnten schärfere Corona-Maßnahmen in Kraft treten - auch für den Amateurfußball.


„Der Kreis Inn/Salzach wird sich nach den Vorgaben der Politik richten“

beinschuss.de hat mit Kreisvorsitzende Carmen Gardill über die aktuelle Corona-Lage und über die Aussetzung des Ligapokals gesprochen. Zudem bezieht sie Stellung zu Vereinen, die in diesem Jahr nicht mehr spielen wollen und erklärt, wie viel Arbeit sie und ihre Kollegen zuletzt hatten.

Hallo Frau Gardill, wie bewerten Sie die aktuellen Corona-Lage mit Blick auf den Spielbetrieb?
Carmen Gardill: Die Zahlen der Inzidenzwerte im Kreis Inn/Salzach sprechen für sich. Die Gesundheit von uns allen hat oberste Priorität. Natürlich würden wir uns als Verantwortliche des Spielbetriebs wünschen, dass die angesetzten Nachholspiele in diesem Jahr noch stattfinden können. Aber nicht um jeden Preis. Durch häufige Spielabsagen, Corona-Infizierte, mögliche Infizierte, Quarantäne-Verordnungen war ein „normaler“ Spielbetrieb in den letzten Tagen nur bedingt möglich. Wie auch in der Gesellschaft müssen wir damit leben, dass der Saisonverlauf ein etwas anderer ist, als das was wir gewohnt waren. Wir alle müssen damit leben, uns immer wieder auf die aktuellen Geschehnisse neu einzustellen und Lösungen zu finden.
Der Ligapokal wurde bereits ausgesetzt. Wann soll über den weiteren Verlauf dieses Wettbewerbs entschieden werden?
Gardill: Der Kreisspielausschuss wird auf jeden Fall im Frühjahr vor Beginn des Spielbetriebs, eine Entscheidung treffen, um den Vereinen Planungssicherheit zu geben.
Wird der Spielbetrieb im Jugendbereich wie bisher weiterlaufen oder könnte es hier zu einer Pause kommen?
Gardill: Auch der Spielbetrieb der Jugend läuft in diesen Zeiten nicht „normal“. Es liegen im kompletten Kreis Inn-Salzach Inzidenzzahlen von über 50 vor. Ob die Vereine spielen wollen, obliegt alleine ihnen. Nach §94 der Spielordnung haben sie die Möglichkeit der kostenfreien Spielverlegung ohne Zustimmung des Gegners. Außerdem bleibt abzuwarten, ob aufgrund der stark steigenden Inzidenzwerte ein Lock-Down der Politik angeordnet wird.
Wie ist aus Ihrer Sicht die Meinung des Großteil der Vereine im Kreis Inn/Salzach? Will die Mehrheit weiterspielen oder nicht?
Gardill: Die letzten Tage haben gezeigt, dass viele Vereine die Verantwortung für Ihre Spieler und Mitarbeiter nicht mehr tragen können. Dazu kommt noch, dass viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern empfehlen, sich der Gefahr durch eine Infizierung im Fußballspielbetrieb bzw. Umfeld, oder einer möglichen Quarantäne nicht auszusetzen. Allerdings gibt es auch Vereine, die nicht verstehen, wenn der Gegner das Spiel aufgrund Corona absagt.
Der BFV-Vorstand entschied, den Spielbetrieb weiter fortzuführen. Gab es in zuletzt im Kreis Inn/Salzach die Überlegung, die Saison für 2020 wieder zu pausieren?
Gardill: Der Kreis Inn/Salzach wird sich nach den Vorgaben der Politik richten. Solange gespielt werden darf und die Vereine die angesetzten Spieltermine wahrnehmen wollen, werden wir den Spielbetrieb aufrecht erhalten.
Immer mehr Vereine verabschieden sich frühzeitig in die Winterpause. Wie gehen Sie damit um und können Sie die Klubs verstehen? Macht es angesichts dessen noch Sinn weiter zu spielen?
Gardill: Wie schon erwähnt, gibt es Vereine, die ihre Spiele noch bestreiten wollen. Wir als Kreisfunktionäre können aber sehr wohl verstehen, aus schon erwähnten Gründen, dass die Bereitschaft in den Vereinen im Moment stark abgenommen hat. Eine der Gründe, warum wir den Ligapokal ausgesetzt haben.
Hand aufs Herz: Wie viel Arbeit hatten Sie persönlich und ihre Spielleiter-Kollegen in den letzten Wochen und Monaten?
Gardill: Die Arbeit unserer ehrenamtlichen Spielleiter und Schiedsrichter-Einteiler ist an die Grenze des Belastbaren gekommen. So viel Spielverlegung und -Absagen wurden noch nie bearbeitet, wie in dieser Saison. Viele Fragen zum Spielbetrieb, Hygienemaßnahmen aber auch Ängste wegen der Spielfortsetzung wurden an uns herangetragen. Jedem alles recht machen, können wir leider nicht! Aber auch unsere Vereine haben durch die Hygiene-Maßnahmen einen erhöhten Zeit- und Arbeitsaufwand zu bewältigen, damit überhaupt ein Spielbetrieb mit Zuschauern stattfinden kann. Allen möchte ich hiermit meinen Dank aussprechen! Nur gemeinsam, Vereine und wir Kreisfunktionäre, müssen in diesen schwierigen Zeiten zusammen halten, damit unser Ziel die Meister in 2021 zu küren, gelingt!
Vielen Dank für das Interview

ma

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