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Hilfe für Problemfälle: Deisler, Coutinho, Ronaldinho

Die Ängste des Profifußballers: Ruhpoldinger Professor stellt sein Projekt Real Madrid und FC Barcelona vor

Am Strand von Barcelona: Professor Benedikt Amann mit Sohn Otto.
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Am Strand von Barcelona: Professor Benedikt Amann mit Sohn Otto.

Der Ruhpoldinger Benedikt Amann lebt seit 16 Jahren in Barcelona und ist dort leitender Oberarzt an einem Klinikum. Sein Projekt über die Seele und Ängste eines Profifußballers soll im Herbst bei Top-Klubs wie dem FC Barcelona, Real und Atlético Madrid vorgestellt werden.

Barcelona/Ruhpolding – Er ist in Ruhpolding aufgewachsen, dort zur Schule gegangen, dann Chiemgau-Gymnasium, Kloster Schäftlarn, schließlich Medizinstudium an der LMU in München: Benedikt Amann. Der 52-Jährige lebt seit 16 Jahren in Barcelona und ist leitender Oberarzt an einem Klinikum.

Zusammen mit Ricard Valdés, dem Bruder des ehemaligen Torwarts des FC Barcelona, Victor Valdés, arbeitet er an einem globalen Programm, bei dem es um die Seele und Ängste des Profifußballers geht. Im Herbst soll dies den spanischen Erst- und Zweitligisten, also auch FC Barcelona, Real und Atlético Madrid, vorgestellt werden. Wird es angenommen, könnte das für sein Werk ein Durchbruch auch in Deutschland und in ganz Europa werden.

„Um die Gescheiterten und Erkrankten wird sich nicht gekümmert“

Einsatz für Deutschland: Benedikt Amann im Trikot der deutschen Ärzte-Nationalmannschaft.

Wie er sein Projekt, an dem der Chiemgauer seit fast zehn Jahren arbeitet, nennen wird, kann aus legalen Gründen noch nicht veröffentlicht werden. Seit seinem Medizin-Studium Ende der 1980er-Jahre beschäftigt ihn die Psychologie und hier, weil er selbst Spieler war, besonders die im Profifußball. „Es werden horrende Ablösesummen bezahlt, aber ob ein Spieler den psychischen Druck aushält oder in das Mannschaftsgefüge passt, ist oftmals völlig unklar.

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Auch um die Gescheiterten, Gestrandeten und Erkrankten kümmert sich kaum jemand, hier muss künftig investiert werden“, sagt Amann, der seit seiner Facharzt-Ausbildung immer schon Forschungen angestellt und Publikationen erstellt hat. „Es spielen sich oft Dramen bei den jungen Spielern und deren Familien ab, wenn die Profikarriere nicht klappt, oder während der Karriere plötzlich der Knick da ist oder eine schwere Verletzung passiert“, erklärt der Ruhpoldinger.

Es gibt einige Beispiele im Profifußball

Und der Professor für Psychiatrie nennt prominente Beispiele: Philippe Coutinho. Der Brasilianer sei ein Held gewesen. Er habe so ziemlich alles gewonnen, mit Brasilien die U20-WM und die Copa America, mit Inter Mailand den italienischen Supercup und den Pokal, später mit Barcelona zweimal die Meisterschaft und mit Bayern das Triple. In Liverpool sei er fünf Jahre lang ein Held gewesen. 140 Millionen habe die Ablöse für ihn betragen. Er sei daran wohl gescheitert, bringe seit drei Jahren kein Bein mehr auf den Boden.

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Oder Sebastian Deisler. Der 41-Jährige sei an der 50-Millionen-Ablöse, die Bayern an Hertha einst überwiesen habe, zu Grunde gegangen. Verletzungen, Erkrankungen und Depressionen hätten ihn so weit zurückgeworfen, dass er daran zerbrochen sei. Oder Ousmane Dembele. Für den französischen Weltmeister habe Barcelona 135 Millionen Ablöse an Dortmund bezahlt. Sein Marktwert sei um zwei Drittel gefallen, er bringe keine Leistung mehr, rutschte gerade noch so ins französische EM-Aufgebot, nie wurde ein psychologisches Interview durchgeführt.

Und das mit 24, eigentlich im besten Fußballalter. Oder Ronaldinho. Der Brasilianer sei Weltfußballer gewesen, bei Barcelona nach vielen Verletzungen, Disziplinlosigkeiten und Fitnessproblemen aber aussortiert worden. „Ich könnte noch Dutzende Fälle aufzählen an prominenten Spielern, aber es gibt Hunderte, über die öffentlich gar nicht gesprochen wird“, weiß Amann.

„Hier liegt noch vieles im Argen“

Und hier setzt sein Programm an. In seinem Klinikum, dem Hospital del Mar in Barcelona, hat er eine eigene Forschungsabteilung. Hier arbeitet er viele Schicksale auf, blickt ganz tief in die Materie, nennt es „Psychologisches Trauma“. Zuviel will er nicht verraten, stellt aber die Frage, warum Vereine Millionen für Ablösen, Spielerberater, Agenten, Fitnessabteilungen und Marketing ausgeben, den Bereich der Psychologie aber immer nur nebenher mitlaufen lassen. „Hier liegt noch vieles im Argen“, behauptet der Ruhpoldinger.

Er spreche aus Erfahrung, behandle in seiner Privatpraxis nicht nur Sportler, sondern auch Opernsänger und andere Kulturschaffende in Barcelona. Und fast immer geht es darum: „Wie können negative Ereignisse verarbeitet werden, damit diese die Leistungsfähigkeit in der Gegenwart nicht blockieren?“

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„Und wer hilft denen?

Benedikt Amann, Sohn des bekannten Ruhpoldinger Kinderarztes Dr. Lorenz Amann, wird den Profivereinen das Gesamtprogramm anbieten. Sie müssten sich mit professioneller Hilfe um die posttraumatischen Belastungen, auch Depression, Angststörungen oder Alkoholmissbrauch der Spieler kümmern. Das beginne im jugendlichen Alter. „Wie viele Eltern setzen alles auf eine Karte, damit ihr Kind eine Profikarriere schafft?

Sie geben ihre vertraute Umgebung auf, teils ihren Job, begeben sich voll in die Hände von Beratern und Vereinsvertretern und müssen am Ende erleben, dass es nicht gereicht hat - und wer hilft denen?“, frägt der Ruhpoldinger, der auch Alternativen aufzeigen will, wie diesen Familien zu helfen sei. Gleiches gelte für die Karriere nach der Karriere. „So viele fallen dann in ein tiefes Loch“, ergänzt Amann.

Der SV Ruhpolding als Herzensverein

Er selbst sei nur ein bescheidener C- und B-Klassenfußballer gewesen. Jahrelang habe er beim SV Ruhpolding, seinem Herzensverein, gespielt, als Linksfuß immer auf der linken Seite, mal hinten, mal vorne. Aber er schaffte es immerhin in die deutsche Ärzte-Nationalmannschaft. Dass im Vereinsheim des SV Ruhpolding heute noch ein Barcelona-Trikot mit Unterschriften aller Barça-Stars wie Lionel Messi oder Ronaldinho hängt, hat der Verein ihm zu verdanken. Als er sich nämlich vor 16 Jahren entschloss, seinen Lebensmittelpunkt aus München nach Barcelona zu verlegen, riss der Kontakt in den Chiemgau nie ab. 2008 besuchten ihn die Ruhpoldinger Fußballer dann in Barcelona. Da überreichte er das begehrte Trikot.

In die katalanische Metropole war Benedikt Amann durch die Liebe gekommen. Bei einem Kongress über die bipolare Störung, also die manisch-depressive Erkrankung, hatte er seine spätere Frau Carla, die aus Andorra stammt und schon seit 25 Jahren in Katalonien lebt, kennengelernt. Er zog 2005 nach Barcelona, obwohl er zu diesem Zeitpunkt in München einen sicheren Job in der Universitätsklinik hatte und kein Wort spanisch konnte. Aber der Ruhpoldinger lernte schnell, hat eine leitende Position in der dortigen Universitätsklinik mit eigenem Forschungslabor. Und die Familie? Sie ist fünfköpfig, Sohn Otto ist neun, Rita sieben und Lisa fünf. Die Kinder wachsen dreisprachig auf: Katalanisch, spanisch und bairisch.

Amann verfolgt die Entwicklung seines Sohnes so gut wie möglich

Der Ruhpoldinger Benedikt Amann beim Fußballtraining mit Sohn Otto.

Beim ersten Kontakt mit unserer Zeitung stand Benedikt Amann gerade auf dem Fußballplatz in Barcelona. Nein, nicht im großen Camp Nou inmitten der katalanischen Millionenstadt, dort wo Messi und Co. auf Torjagd gehen, sondern auf einem kleinen Platz 500 Meter Luftlinie vom berühmten Stadium entfernt.

Im Tor: Otto Amann und dahinter Vater Benedikt. Natürlich verfolgt er die Entwicklung seines Sprosses so nah und gut es geht. Profifußballer? „Das denke ich eher nicht, er macht das als Torwart sehr gut, hat aber viele Interessen; wenn er es wirklich probieren wollte, würde ich ihn natürlich unterstützen“, sagt Benedikt Amann. Die entsprechende psychologische Betreuung hätte er schon mal im eigenen Haus. Und das kann sehr viel wert sein.

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