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Das offene Fußballtraining im Rosenheimer Westen

“Hier ist jeder willkommen”: Özgür Yildirim über seine Herzensangelegenheit

Özgür Yildirim während eines Trainings.
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Özgür Yildirim während eines Trainings.

Seit zwei Jahren gibt es im Rosenheimer Westen ein offenes Fußballtraining für Kinder in der Endorfer Au und in der Finsterwalderstraße. Dabei darf jeder mitmachen, unabhängig vom Talent, Alter oder Herkunft. beinschuss.de sprach mit Trainer Özgür Yildrim in der Serie „Menschen hinter den Kulissen“ über die Anfänge des Projekts, die Ziele und seine Sicht auf den Vereinsfußball.

Rosenheim - Der Fußball ist für alle da, er ist eine universelle Sprache und verbindet über Grenzen hinweg. Dieses Konzept setzt Özgür Yildirim in seinem offenen Training im Rosenheim Westen nun seit mehreren Jahren erfolgreich um. Dort bringt er Kinder, die in den Vereinen durchs Raster gefallen sind, zusammen.

Rosenheim: Ein persönliches Erlebnis gab den Startschuss für das Projekt

Ausschlaggebend für die Idee war dabei ein sehr persönliches Erlebnis in seiner Familie. „Ich habe dann einige Bekannte angerufen, bei denen ich wusste, dass es bei den Kindern in der Schule oder in einem Sportverein ähnliche Probleme gibt und so hat das ganze dann angefangen.“ Fußball war für Yildirim die Lösung für die Probleme der Kinder. So konnten sie sich austoben und gleichzeitig auch noch Teamfähigkeit lernen. Auch das Erleben eines richtigen Gemeinschaftsgefühls sollte ihnen über diese schwierige Zeit hinweghelfen.

Erst waren es nur wenige Kinder, die Yildirim auf den Sportplätzen in der Endorfer Au, wo er auch selbst wohnt, und in der Finsterwalderstraße kostenlos trainierte, doch das Projekt sprach sich herum und es wurden immer mehr.

Schnell wurde dann auch der Jugendhilfeträger „Startklar Rosenheim-Ebersberg“ auf den Trainer aufmerksam und bot Hilfe an. „Als ich das erste Mal gefragt wurde, was ich denn für das Training bräuchte, meinte ich: Zehn Bälle, mehr nicht. So viele werden schon nicht kommen. Aber nach ein paar Wochen hab ich dann nochmal angerufen und meinte, ich bräuchte nochmal zehn, es sind inzwischen über 20 Kinder. “

Für den Trainer eine Herzensaufgabe

Yildirim pendelt dabei zwischen den beiden Sportplätzen. Erst trainiert er in der Endorfer Au, dann in der Finsterwalderstraße. Aber auch außerhalb der eigentlichen Trainingszeiten ist er für seine Schützlinge jederzeit zu erreichen. „Es kann schon mal vorkommen, dass mich am Samstag um 8 Uhr ein Kind anruft und fragt, ob ich nicht herunterkommen kann, um zu trainieren. Da schaut mich meine Frau auch schon mal böse an, aber ich kann da nicht nein sagen.“

Für den Trainer ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Diese Kinder lernen dabei so viel, sie können sich auspowern und haben Spaß. Hier können sie fernab von jeglichem Erfolgsdruck Fußball spielen, was ja leider in den Vereinen oft nicht möglich ist.“

Dieser Wettbewerbsgedanke ist es auch, der Yildirim am meisten stört. „Zu mir kommen so viele Kinder, die in den Vereinen nie die Chance bekommen haben, zu spielen, weil es den Trainern nur ums gewinnen ging. Meiner Meinung nach sollte es im Fußball in dem Alter aber eigentlich hauptsächlich um den Spaß am Spiel gehen. Es sollte jedem Spaß machen und nicht nur ein paar wenigen. Deshalb kann zu mir jeder kommen, egal woher man kommt oder wie gut man spielt, hier ist jeder willkommen.“

Vorbilder wichtig

Selbst hatte er das Fußballspielen in Hof in Oberfranken gelernt. „Wir waren im meinem Viertel sehr viele Kinder und haben eigentlich alle Fußball gespielt. Am Nachmittag haben wir auf der Straße oder dem Bolzplatz gekickt, am Abend haben wir dann noch im Verein gespielt. So haben wir alle Teamfähigkeit, Fair Play und Gemeinschaftssinn gelernt und sind als Gruppe zusammengewachsen.“

Dieses Gemeinschaftsgefühl will Yildirim auch den Kindern in seinem Training vermitteln. „Die Kinder sollen hier lernen, sich gegenseitig zu helfen. Es gibt schon einige, die vorangehen und andere an die Hand nehmen und anleiten. Die sind dann die guten Vorbilder für die anderen, die dann nachziehen.“ Erste Erfolge zeigten sich bereits. Vier Kinder aus seiner Gruppe wurden schon für ihr vorbildliches Verhalten mit den Trikots ihrer Lieblingsvereine belohnt.

Unterstützung von verschiedenen Seiten

Unterstützung für sein Projekt bekam Yildirim von mehreren Seiten. So stellte die Stadt Rosenheim der Gruppe eine Halle zur Verfügung. Doch auch weiterhin ist jede Hilfe willkommen.

Besonders die Verbesserung der Sportanlagen wäre für die Gruppe eine große Hilfe. „In der Finsterwalderstraße wurden inzwischen die Fangnetze um das Feld erhöht, das hilft uns sehr. In der Endorfer Au sieht das ein bisschen anders aus. Da fliegen dann ständig die Bälle ins Gebüsch und gehen kaputt, ein Ball ist auch schon in der Mangfall gelandet. Da wäre es schon schön, wenn da was gemacht werden würde.“

Als großes Ziel hofft er darauf, seine Kinder irgendwann wieder in Vereine integrieren zu können. „Es wäre natürlich schön, wenn wir den ein oder anderen wieder an eine Mannschaft heranführen können. Aber bis es soweit ist, sind sie hier gut aufgehoben.“

tb

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