Amateurfußball droht Chaos

"Genickbruch für die Vereine" - EU will Kunstrasenplätze verbieten

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Droht den zahlreichen Kunstrasenplätzen in der Region das Aus?
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Fußballkreis Inn/Salzach - 1860 Rosenheim, SV Westerndorf, SB Chiemgau Traunstein...die Liste der Vereine im Kreis, die einen Kunstrasenplatz besitzen ist lang. Doch droht all diesen Anlagen bald die Schließung? Eine neue EU-Richtlinie soll der Grund dafür sein.

Schuld am Chaos, das dem Amateurfußball nun droht, ist das Mikroplastik, aus dem das Granulat besteht, das auf jedem der Kunstrasenplätze zu finden ist. Aufgrund einer neuen EU-Richtlinie, soll das entsprechende Granulat ab 2022 verboten werden, es wäre das Ende für zahlreichen Sportanlagen.

Laut Deutschem Fußball-Bund (DFB) bedroht die Richtlinie rund 5000 Fußballplätze in ganz Deutschland. Da das Granulat einer der größten Verursacher für Umweltbelastungen durch Mikroplastik ist, würden die Mitgliedstaaten verpflichtet, entsprechende Gesetze zu erlassen. In einem Brief an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte Sportminister Horst Seehofer für eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Kunstrasenplätze geworben.

"Genickbruch für viele Vereine"

Die Übergangsfrist fordert auch der DFB. Amateurvereine bundesweit befürchten, durch das drohende Verbot ihren Spielbetrieb nicht mehr aufrecht erhalten zu können. Denn die so notwendig werdenden Sanierungskosten für die Plätze, die je nach Umrüstmethode bis zu einer halben Million Euro betragen können, könnten sie sich nicht leisten.

Der ehemalige Fußballprofi Mike Rietpietsch (45), Miteigentümer einer Fußballschule, schlägt ebenfalls Alarm. "Wenn es wirklich darauf hinauslaufen sollte, dass es bald keine Kunstrasenplätze mehr gibt, wäre das für viele Vereine sicher der Genickbruch", sagte er.

Länder reagieren bereits

Reagiert haben unterdessen bereits mehrere Bundesländer. Sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz werden Kunstrasenplätze mit Granulat bereits nicht mehr gefördert. Das Sportministerium in Mainz regt laut SWR dazu an, statt auf Kunststoffgranulat, das immer wieder aufgefüllt werden muss, auf alternative Lösungen wie Sand, Kork, Hybridrasen oder Kunstrasen ohne Verfüllung zu setzen.

Die Stadt Stuttgart hat für die Sanierung von älteren Kunstrasenplätzen laut Stuttgarter Nachrichten bereits Mittel im Haushalt eingeplant. Bei der Interessensvertretung der Stuttgarter Sportvereine hofft man darauf, dass die Hersteller eine Alternative zu Granulat entwickeln. Sobald ein Platz saniert werde, könne das Granulat durch ein anderes Füllmaterial ersetzt werden.

Bei den meisten Vereinen wird man sich nun erst einmal zusammensetzen müssen um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Abzuwarten bleibt auch, wie die EU-Richtlinie dann in Deutschland im Detail umgesetzt wird. Der SB Chiemgau Traunstein muss sich - laut Pressesprecher Peter Mallmann - mit dem Thema nicht befassen, da der Kunstrasen am Jakob-Schaumaier-Sportpark nicht verfüllt ist.

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dg/mit Material des SID

Quelle: rosenheim24.de

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