Direkt: "Wir haben alles gegeben und sind belohnt worden"

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Slobodan Jezildjic (li.) und Patrik Peltram

1860 Rosenheim ist am Ziel angekommen. Am vergangenen Samstag feierte der TSV den endgültigen Klassenerhalt in der Bayernliga Süd. Im Gespräch mit beinschuss.de lassen Trainer Patrik Peltram und sein Assistent Slobodan Jezildjic eine turbulente Saison revuepassieren.

Der TSV 1860 Rosenheim ist am Ziel angekommen. Nach dem Sieg bei der SpVgg Hankofen-Hailing feierten die Rothosen am vergangenen Samstag den endgültigen Klassenerhalt in der Bayernliga Süd. Anfang September vergangenen Jahres lag der TSV mit nur sechs Punkten abgeschlagen im Tabellenkeller, ehe der Verein entschied, Thomas Siegmund von seinen Aufgaben zu entbinden, Patrik Peltram zum Cheftrainer zu befördern und Slobodan Jezildjic (vorher TSV Gars) als Assistenztrainer zu verpflichten. Im Gespräch mit Chefredakteur Tobias Ruf lassen Peltram und Jezildjic eine turbulente Saison revuepassieren:

beinschuss.de: Slobodan, was waren die ersten Worte, die du am Samstag nach dem Schlusspfiff zu Patrik gesagt hast?

Slobodan Jezildjic: Es war einfach nur ein Jubelschrei. Wir waren sehr erleichtert, dass wir es endlich geschafft hatten.

Patrik, was ist in Dir vorgegangen?

Patrik Peltram: Ich kann mich Slobodan nur anschließen. Die Erleichterung war riesig. Wir wollten ein "Endspiel" gegen Unterhaching II am letzten Spieltag unbedingt vermeiden, das ist uns zum Glück auch gelungen. Der Weg bis dahin war weit und steinig, da fällt schon viel Druck ab. Wir haben alles für dieses Ziel gegeben und sind dafür belohnt worden.

Hast du Anfang September daran geglaubt, dass Ihr die Klasse auf direktem Wege halten werdet?

Peltram: Ehrlich gesagt, habe ich mich damit nicht beschäftigt. Wir hatten sechs Punkte auf dem Konto, damit hatten wir nichts zu verlieren. Es ging ja zunächst darum, dem ganzen Gerüst wieder ein stabiles Fundament zu geben. Damit sind wir gut gefahren, haben uns zunächst auf den Relegationsplatz vorgearbeitet und standen irgendwann auf einem Nichtabstiegsplatz. Dass du den am Ende des Tages auch halten willst, versteht sich natürlich von selbst.

Was hast du verändert?

Peltram: Das ganze Projekt bestand aus vielen kleinen Puzzleteilen. Ich habe fast alles verändert, dabei ging es zunächst um grundsätzliche Dinge. Wie gestalte ich die Trainingsarbeit? Wie führe ich die vielen jungen Spieler an das hohe Niveau in der Bayernliga heran? Wie stabilisieren wir die Abwehr? Wie nehmen wir den Druck aus der Mannschaft?

Wie nimmt man den Druck aus einer so jungen Mannschaft?

Peltram: Indem man den Jungs vermittelt, dass sie in einem Entwicklungsprozess stecken und durchaus auch Fehler machen dürfen. Diese Sicherheit hat die Mannschaft einfach gebraucht.

Slobodan, du bist von außen dazu gestoßen. Wie hast du die schwere Anfangsphase wahrgenommen?

Jezildjic: Auf diesem Niveau zu arbeiten, war für mich generell eine neue Erfahrung. Zugute kam uns, dass wir uns von früher schon kannten und ich genau wusste, wie Patrik arbeitet. Ich war fest davon überzeugt, dass Patriks Grundkonzept zum Erfolg führen wird. Das habe ich auch offensiv kommuniziert.

Wie genau?

Jezildjic: Ich habe bei meiner Vorstellung vor der Mannschaft von einer früheren Trainerstation erzählt. Damals habe ich ein Team übernommen, das nach der Hinrunde abgeschlagen war. Am Ende sind wir dann noch Fünfter geworden. Diese Botschaft wollte ich einfach vermitteln.

War der Derbysieg zum Rückrundenauftakt eine Art Knackpunkt?

Peltram: Sagen viele, dem stimme ich aber nicht zu. Nach dem Derby haben wir ja gegen Pipinsried verloren. Wenn man einen Knackpunkt ausmachen kann, dann war es das Spiel gegen Rain. Nach dem Derbysieg und der Niederlage in Pipinsried haben wir den jetzigen Meister mit 4:0 geschlagen, in Wolfratshausen nachgelegt und auch gegen Unterföhring gepunktet. Damals hat die Mannschaft gesehen, was sie zu leisten imstande ist.

Jezildjic: Für mich war das Rückspiel gegen Bad Kötzting eine Art Knackpunkt. Wir haben gegen einen unangenehmen Gegner und direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt eine ganz souveräne Vorstellung abgeliefert. Das hat mich einfach überzeugt, dass uns nicht mehr viel passieren kann.

Das klingt alles sehr entspannt und harmonisch. Ist es in der Kabine nie laut geworden?

Peltram: Doch, natürlich. Wenn man mit so vielen jungen Spielern arbeitet, müssen auch mal klare Worte fallen. Aber die Jungs wussten immer, dass wir Ihnen grundsätzlich vertrauen. Und wenn man sich einige Kandidaten im Team anschaut, hat uns diese Arbeitsweise letztlich auch Recht gegeben. Viele Spieler haben sich erstaunlich entwickelt, genau das wollten wir erreichen.

Jezildjic: Die Jungs sind teilweise übermotiviert ins Spiel gegangen. Dann hast du nach einer halben Stunde eine Gelbe Karte und gefährdest damit den restlichen Spielverlauf. Entsprechend haben wir reagiert und die jeweiligen Spieler auch mal vor der Halbzeit ausgewechselt. Daraus haben die Jungs gelernt.

Ist es zwischen den Trainern auch mal laut geworden?

Peltram: Natürlich gab es an einigen Punkten unterschiedliche Meinungen und die haben wir auch entsprechend kommuniziert. Aber unsere grundlegende Philosophie stimmt überein.

Habt Ihr vom Vorstand die entsprechende Rückendeckung erfahren?

Jezildjic: Absolut. Einen stärkeren Rückhalt kann ich mir nicht vorstellen und habe ich so auch noch nicht erfahren. Da kannst du dich als Trainerteam nur glücklich schätzen.

Peltram: Die Vertragsverlängerung in der Winterpause war ein eindeutiges Signal. Der Vorstand wäre mit uns auch in die Landesliga gegangen, das ist ein klares Bekenntnis zu uns und unserer Arbeit.

Apropos Winter. Mit Josip Tomic ist ein wichtiger Spieler im Winter zur Mannschaft gestoßen. Wie kam der Transfers zustande?

Jezildjic: Ich kenne Josips Eltern und wusste, dass er schon seit geraumer Zeit in den Süden der Republik ziehen wollte. Er hat im Bremer Raum Regionalliga gespielt, damit war klar, dass er über ein gewisses Niveau verfügt. Nach den ersten beiden Trainingseinheiten war klar, dass er uns verstärken wird.

Peltram: Er hat vom Spielertyp richtig gut in die Mannschaft gepasst. Zudem hat er sich von der ersten Minute an mit dem Verein identifiziert. Da haben wir gesehen, dass er unseren Weg mitgeht und charakterlich und spielerisch eine super Ergänzung ist.

Und dann habt Ihr Robert Mayer zurückgeholt. Wie kam es dazu?

Peltram: Dass Robert wieder im Tor stand, war eine logische Konsequenz. Nach Patrick Schorpps Unfall standen wir nur noch mit einem Torhüter da. Georg Moller hat seine Sache gut gemacht, aber mit nur einem Keeper kannst du nicht in die Rückrunde gehen. Und wenn man dann die Möglichkeit hat, einen Robert Mayer zurückzuholen, muss man diese Chance natürlich ergreifen. Und das man Robert nicht als Nummer 2 verpflichtet, ist auch klar.

Slobodan, wie hast du Robert Mayer erlebt?

Jezildjic: Im ersten Training hat er fünf Spieler zum Torschusstraining geholt. Nachdem keiner der Fünf getroffen hatte, hat er die über den ganzen Platz gejagt. Da dachte ich, das ist ein total Bekloppter. Und das ist er auch, aber durchweg im positiven Sinne. Robert ist auf und neben dem Platz eine absolute Führungsfigur, der sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat.

Wie geht es auf der Torhüterposition weiter?

Peltram: Robert beendet seine Karriere, Dominik Süßmaier kommt aus Buchbach. Georg Moller wird den Verein verlassen und in der Münchener Gegend nach einer neuen Aufgabe suchen. Auch Patrick Schorpp wird nicht zurückkehren. Daher sind wir auf der Suche nach einem weiteren Torwart.

Und die restliche Kaderplanung?

Peltram: Die meisten Spieler haben für die neue Saison zugesagt. Nico Helmbrecht wird zu 1860 München gehen, Marvin Torvic könnte den Verein auch verlassen. Korbinian Linner kommt neu dazu, zudem ziehen wir Andreas Schunko aus unserer A-Jugend hoch und haben Andreas Maurer von der A-Jugend des SV Wacker Burghausen verpflichtet. Ein bis zwei erfahrene Spieler würden dem Kader noch gut zu Gesicht stehen, aber bis zum Trainingsauftakt Mitte Juni bleibt ja noch ein bisschen Zeit.

Wohin soll es den Kader in der nächsten Saison führen?

Peltram: Wir fangen jetzt sich nicht das Spinnen an. Ziel ist es, dass wir uns stabilisieren und unseren Weg weitergehen. Jetzt genießen wir den Klassenerhalt und freuen uns auf den wohlverdienten Urlaub.

Apropos Klassenerhalt. Slobodan, dein ehemaliger Verein TSV Gars steckt im Tabellenkeller der A-Klasse 4. Leidest du mit deinen Jungs?

Jezildjic: Ja, ich mache mir schon Sorgen. Es sieht leider nicht gut aus derzeit, aber noch ist nichts verloren. Von ganzem Herzen drücke ich dem TSV die Daumen und hoffe, dass am Ende doch noch der Klassenerhalt erreicht werden kann.

 Vielen Dank für das Gespräch und eine erholsame Sommerpause

Quelle: rosenheim24.de

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