Corona-Krise fordert Versicherungsanbieter

Höhere Beiträge ab 2021: Diese Krankenkassen werden teurer – Das können Sie dagegen tun

Anfang 2021 erhöhen viele Krankenkassen wie Techniker, Barmer, AOK und Co. ihre Beiträge. Doch das müssen Kunden nicht einfach hinnehmen.

  • Verschiedene Versicherungsanbieter haben ihre zahlungspflichtigen Beiträge hochgeschraubt.
  • Als Grund für die Beitragsanpassungen geben einige Krankenkassen, wie die AOK, die Corona*-Pandemie an.
  • Versicherungsnehmer müssen sich die Beitragssprünge der Krankenkasse nicht gefallen lassen.

Kassel - Für viele Krankenversicherte wird es zum Jahreswechsel teurer: Gesetzliche Krankenkassen heben ihren Beitrag zum Teil enorm an - besonders die drei größten Versicherungsanbieter werden ihre Zusatzbeiträge nach oben anpassen. Versicherungsnehmer müssen das allerdings nicht zwangsläufig akzeptieren.

Wie das Fachmagazin Versicherungsbote berichtet, werden einige gesetzliche Krankenkassen ab 2021 deutlich höhere Beiträge für ihre Krankenversicherung* fordern, dies geht aus aktuellen Pressemitteilungen der Kassen hervor. Demnach werden die größten Anbieter, die Techniker Krankenkasse (TK), die Barmer und die AOK Plus ihre kassenindividuellen Zusatzbeiträge stark anheben, da sie durch die Corona-Pandemie einige Geldeinbußen hinnehmen mussten.

Für viele Versicherte wird es ab 2021 teurer: Einige gesetzliche Krankenkassen heben ihre Zusatzbeiträge teils deutlich an - aber man muss das nicht einfach so hinnehmen. (Symbolbild).

Beitragserhöhungen bei AOK und Co.: Techniker-Krankenkasse sieht Anpassungen als notwendig

Der Zusatzbeitrag wird zusätzlich zum allgemeinen Beitrag vom beitragspflichtigen Einkommen eines Arbeitnehmers und Arbeitgebers berechnet und von diesem direkt abgezogen. Der größte Krankenversicherer Deutschlands, die Techniker Krankenkasse, mit circa 10,67 Millionen Versicherten, ist einer derjenigen, der die Zusatzbeiträge ab 2021 erhöht: Ab dem 1. Januar wird ein Beitrag von 1,2 Prozent berechnet - im letzten Jahr befand sich dieser noch bei 0,7 Prozent, der jedoch deutlich unter dem amtlich empfohlenen Beitrag lag.

Dominik Kruchen, alternierender Vorsitzender des TK-Verwaltungsrats und Arbeitgebervertreter, rechtfertigt die Anhebung des Zusatzbeitrags: „Wir sind damit der gesetzlichen Vorgabe des Abbaus von Finanzreserven nachgekommen, gleichzeitig steigen die Kosten im Gesundheitswesen weiter. Nun ist es notwendig, dass wir den Beitrag anpassen.“

Höherer Zusatzbeitrag bei der Krankenkasse - AOK und Barmer ab 2021 mit Beitragssprüngen

Auch bei der Barmer Ersatzkasse steht ein Beitrags-Plus an: Die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands, mit knapp 8,97 Millionen Versicherten, hebt den Zusatzbeitrag um 0,4 Prozentpunkte an. Versicherungsnehmer der Barmer müssen nun 1,5 Prozent statt 1,1 Prozent zahlen und damit insgesamt 16,1 Prozent vom Bruttolohn abgeben.

Die dritte Krankenkasse, die ihre Beiträge hochschraubt, ist die AOK Plus. Versicherte müssen nun statt 0,6 Prozent satte 1,2 Prozent zahlen - das betrifft besonders rund 3,4 Millionen Versicherungsnehmer in Sachsen und Thüringen, da AOK Plus dort deutlicher Marktführer ist. Der monatliche Beitragssatz beläuft sich mit der Erhöhung dann auf insgesamt 15,8 Prozent. Auch die AOK Sachsen-Anhalt, mit 670.000 Versicherten, ist von dieser Beitragsanpassung betroffen, da aber der Zusatzbeitrag bisher bei 0 Prozent lag, bleibt diese vergleichsweise weiterhin günstig. Bei der AOK Bayern bleibt der Zusatzbeitrag bei 1,1 Prozent. 

Der Beitrag der Krankenkasse wird teurer: AOK und Co. melden Corona-Krise als Grund für Beitragserhöhungen

Als Grund für die Beitragssprünge geben die Krankenkassen in ihren Pressetexten die Coronakrise und die Gesundheitspolitik der Bundesregierung an. AOK-Verbandschef Martin Litsch hatte bereits kritisiert, dass die Kosten der Pandemie einseitig den Versicherten gesetzlicher Krankenkassen aufgebürdet würden. Die immensen Kosten, die sich aufgrund von zusätzlichen Intensivbetten und der Infrastruktur für die Impfungen ergeben, sorgten für enorme Geldeinbußen der Anbieter.

Aber auch die Gesundheitsreformen der letzten Jahre wurden für die Krankenkassen teuer, zum Beispiel das Terminservicegesetz oder Reformen für eine verbesserte Pflege. Zusätzlich trifft Bundesgesundheitsminister Jens Spahns (CDU) Forderung, dass die angesparten Rücklagen aufgelöst werden sollen, die Kassen hart. Jedoch konnten diese auf der anderen Seite während der Coronakrise auch viel Geld sparen, da einige Leistungen, beispielsweise in Reha-Zentren, von Patienten nicht in Anspruch genommen werden konnten.

Beitragserhöhungen bei der Krankenkasse: Das können Versicherungsnehmer tun

Doch Versicherte müssen diese Beitragserhöhungen der eigenen Krankenkasse nicht zwangsläufig hinnehmen: Aufgrund des sogenannten Kontrahierungszwangs ist es relativ einfach, sich einen neuen gesetzlichen Versicherungsanbieter zu suchen, denn jede Kasse muss jeden Pflichtversicherten grundsätzlich aufnehmen.

Jedoch sollten Versicherungsnehmer bei einem geplanten Wechsel immer die Kündigungsfrist der vorherigen Krankenkasse im Blick behalten - in der Regel kümmert sich die neue Kasse aber um die restlichen Formalitäten, wie beispielsweise die Abmeldung bei dem früheren Versicherungsanbieter und die Übermittlung der Daten an den Arbeitgeber. (Alina Schröder) *hna.de und ruhr24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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