Kommentar zu vermeintlichen Übergriffen in Bad Reichenhall

Mut zur Lücke? Fehlanzeige - Mut zum Handeln!

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Bad Reichenhall - Erneut wurden gravierende Vorwürfe gegen Soldaten in Bayern laut. Diesmal im Fokus: Die Gebirgsjäger in der Hochstaufen-Kaserne. Ein Kommentar:

Marine-Soldaten an Bord der Gorch Fock, Sanitäter in Pfullendorf und jetzt die Gebirgsjäger in Bad Reichenhall: Die Liste der vermeintlichen Skandale rund um deutsche Uniform-Träger ist lang. Ebenso lang war die Liste an Gründen, meine Meinung zu diesem heiklen Thema für mich zu behalten. Am Ende habe ich mich dann aber doch dafür entschieden. Nicht weil ich mich in die Kompanie der Klugscheisser oder die Brigade der Besserwisser einreihen will. Ich wende mich lieber an die vielen Soldatinnen und Soldaten, die für uns, im Einsatz und auch jetzt gerade, sprichwörtlich den Kopf hinhalten. Und dabei merke ich, auf welch schmalem Grad ich mich bewege.

Damit eine Sache von Anfang an klar ist: Wenn ein Mensch einem anderen Schaden zufügt, egal ob physisch oder psychisch, dann ist es richtig, aufzustehen. Sich zur Wehr zu setzen. Es sich nicht gefallen zu lassen. Den Mund auf zu machen. Mein ungeteiltes Mitgefühl gilt allen, die Narben aus Misshandlungen oder schlimmeren Taten davongetragen haben. Niemand hat das Recht, eine andere Person mit Gewalt, in welcher Form auch immer, zu unaussprechlichen Dingen zu zwingen. Darüber sollten wir uns alle einig sein, oder?

Aber nun wird es kompliziert: Die Bundeswehr, so wie jedes andere Militär auch, ist dazu da, um gegen eben diese Missstände, zumindest im Ausland und auf Befehl der Politik, vorzugehen. Die Soldatinnen und Soldaten unserer Streitkräfte werden trainiert, dafür zu sorgen, dass Ungerechtigkeit gegen Minderheiten keinen Bestand hat, im Notfall auch unter Anwendung von Gewalt. Der Grad, auf dem ich mich jetzt bewege, wir immer schmäler.

Liegt es also in der Existenz der Bundeswehr selbst, dass Gewalt, Misshandlungen und schlimmere Taten immer mal wieder ans Licht der Öffentlichkeit dringen?

Nein! Es sind fehlgeleitete, arrogante und selbstgefällige Menschen, die ihre Macht in schwachen Momenten Anderer auskosten. Endlich einmal besser sein als der kleine Jäger, die „Schulterglatze“, die einem schon wieder vor die Nase gesetzt wurde. Der nach zwei Kilometern Joggen fertiger ist, wie unsereins nicht mal nach 25 Kilometern. Abitur hat er gemacht der feine Herr, jetzt zeig ich ihm, wo der Hammer hängt, den mach ich richtig fertig!

Lasst Euch von solchen Ersatz-Rambos und Möchtegern-Kämpfern nicht das kaputt machen, wofür ihr jeden Tag die Uniform anzieht! Kameradschaft ist das, was die Bundeswehr ausmacht. Zusammenhalt, Freundschaft, Vertrauen. Nicht die Bundeswehr hat einen Fehler gemacht. Einzelpersonen, die ich selbst nie als Kamerad bezeichnen würde, ziehen die Verdienste der Truppe in den Dreck. Habt Mut und steht auf. Kämpft auch hier, in den Kasernen und auf den Stuben, für das, wofür Soldatinnen und Soldaten schon immer gekämpft haben. Mut zur Lücke? Fehlanzeige - Mut zum Handeln!

Horrido!

Kommentar verfasst von Sascha Ludwig.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild dpa

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