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Junge Menschen und Corona: Es ist vollkommen in Ordnung, dass Du Partys vermisst

Diskothek Feiern
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In der Corona-Krise müssen alle verzichten. Manchen Jugendlichen fällt das schwer.

Jungen Menschen geht das Feiern ab. Dafür muss man Verständnis aufbringen, meint Volontär Felix Graf.

Im heute-journal des ZDF war am 18. Oktober eine junge Frau gezeigt worden, die bei einer Straßenumfrage auf das Thema „Parties und Corona“ angesprochen wurde.


Ihre Antwort ging in den folgenden Tagen auf Social-Media-Plattformen viral. Die Aussagen, dass ihr Partys „schon echt abgehen“ würden, und dass viele Gleichaltrige trotz der sich anbahnenden zweiten Coronawelle trotzdem feiern gehen, „weil so viele das mittlerweile krass vermissen“, sorgten für Aufregung im Netz.

Im Wortlaut sagt sie in dem Clip: „Ich war jetzt seit März nicht mehr feiern und davor war ich dreimal die Woche irgendwo. Das ist schon traurig, ich brauche das nämlich eigentlich, ich bin darauf angewiesen. Und darauf zu verzichten, geht mir schon echt ab. Deswegen wird die zweite Welle auch so schwierig sein und deswegen werden auch wieder mehr Partys gefeiert, weil so viele das mittlerweile krass vermissen.“


Wilde Diskussion um Aussagen auf Twitter

Die Aussagen von Ida, so der Name der jungen Frau, sorgten vor allen Dingen auf Twitter für eine rege Diskussion. Zu Anfang wurde viel Häme über die Frau verbreitet. „First World Problems“ schreibt ein Nutzer der Plattform, also lächerlich triviale Probleme.

Und damit war Ida vogelfrei. Sie wurde als Nymphomanin bezeichnet, ihr wurde Drogenkonsum unterstellt. Dermaßen hasserfüllt waren manche Kommentare unter dem Tweet, dass der Urheber seinen Post nach einer Weile löschte.

Und das alles nur, weil eine junge Frau gesagt hat, dass ihr das Feiern abgeht. Sie war seit März nicht mehr feiern und ist traurig darüber. Ida stellt die Corona-Maßnahmen nicht infrage, sie weiß, dass die bestehenden Regeln umgesetzt werden müssen. Darf sie jetzt nicht mal mehr traurig darüber sein, dass sie ihr altes Leben vermisst?

Gegenwärtige Situation für junge Menschen schwierig

Feiern gehen, Leute kennenlernen, Reisen, sich finden: Für viele junge Leute ist die gegenwärtige Situation schwierig. Klar, es gibt viele alternative Möglichkeiten, um seine Freizeit zu gestalten. Museen und Kinos besuchen, Sport treiben, lesen, in Restaurants essen gehen. Für Menschen, denen es wichtig ist, auf den Berg zu gehen, steht es frei, zu wandern.

Andere nehmen eben das Feiern gehen als Ventil, um den Alltagsstress aus Arbeit oder Studium zu entfliehen. Es ist wichtiger Teil ihres Lebens. In Anbetracht der aktuellen Lage ist das und auch in naher Zukunft nicht möglich. Ministerpräsident Söder sagte bereits zu Anfang der Pandemie, dass Clubs und Diskotheken die Letzten seien, die wieder öffnen dürften.

Klar ist: Wir müssen in der gegenwärtigen Situation alle Opfer bringen. Die Frage, die sich jedoch stellt, ist, ob man nicht einmal mehr vermissen darf. Und hier liegt der Hund begraben.

Eines sei gesagt: Es ist vollkommen okay, Partys und größere Feiern zu vermissen. Es sollte ebenso auch in unserer Gesellschaft kein Problem sein, dies auch öffentlich sagen zu dürfen.

Solidarität ist gefragt

Solidarität ist hier das Stichwort, an dem wir uns alle orientieren sollten. Genauso wie mit den Arbeitnehmern, die nun wieder in Kurzarbeit geschickt werden. Genau wie mit den Fußball- und Eishockey-Fans, die ihren Club nicht anfeuern dürfen. Und eben auch mit jungen Menschen, denen das Feiern und das Miteinander sehr fehlt.

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir in solchen Situationen wie der gegenwärtigen nach Sündenböcken suchen. Doch müssen wir uns darauf fokussieren, nicht dort nachzusehen, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist, sondern was wir in Zukunft besser machen können.

Dazu gehört, dass wir alle an einem Strang ziehen, um durch diese schwierige Phase zu kommen. Gemeinsam, und nicht gegeneinander.

fgr

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