Kommentar über die Griesstätter Image-Broschüre

Auch der Bürgermeister ist kein König

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Griesstätt - Als Bürgermeister ist man Chef der Gemeinde. Aber selbst dem Chef stehen längst nicht alle Wege offen - wie ein aktueller Fall in Griesstätt deutlich macht - ein Kommentar:

Bürgermeister Stefan Pauker hatte Anfang des Jahres eine 100-seitige gebundene Broschüre über die Gemeinde Griesstätt in Auftrag gegeben. An sich eine erfolgversprechende Idee, um das Gemeindebild nach außen in ein gutes Licht zu rücken. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Nicht jeder war von der Broschüre begeistert

Der Gemeinderat fand die Sache gar nicht lustig. Das Problem: Die Mitglieder sollen im Vorfeld nichts von der Broschüre gewusst haben (Anmerkung der Redaktion: Diese Aussage trifft wohl nicht zu, siehe Kommentar unter dem Artikel. Wir gehen der Sache weiter nach.) Außerdem weigerte sich die Gemeinde, sich an der noch offenen Rechnung von rund 5.600 Euro zu beteiligen. Die soll Pauker jetzt aus eigener Tasche beglichen haben, berichtet das OVB.  

Pauker hatte im Alleingang gehandelt - was laut Zweitem Bürgermeister Robert Aßmus "ein schlimmer Fehler" gewesen sei und für die Räte schwerwiegender als die Rechnung der Broschüre.  

Auch mehrere Bürger fühlen sich ausgeschlossen. Einige Betriebe und Firmen in Griesstätt wurden erst gar nicht gefragt, ob sie denn in der Broschüre vorkommen möchten und fanden die bunt illustrierte Ausgabe schließlich ohne eine Erwähnung ihres Namens im Briefkasten.  

Das Vertrauen zu ihrem Oberhaupt ist in der Gemeinde stark geschädigt. Pauker müsse sich das erst wieder erarbeiten - da sind sich die Räte einig. Der hat in der Gemeinderatsitzung Mitte Februar seinen Fehler eingestanden und Besserung gelobt: "Die Sache ist unglücklich gelaufen. Dafür muss ich jetzt gerade stehen", räumt er erneut im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung ein.

Dass zwischen Gemeinderat und Bürgermeister weiter trotz der Entschuldigung Paukers ein angespanntes Verhältnis herrscht, ist nicht von der Hand zu weisen.

Dritter Bürgermeister als Ersatz

Um das Chaos perfekt zu machen kommt zu dem ganzen Schlamassel jetzt auch noch ein krankheitsbedingter Ausfall des Bürgermeisters bis 12. März. "Der wird schon wissen, warum ...", möchte da so mancher Griesstätter seinen boshaften Gedanken nachhängen. Und auch, wenn man den Bürgermeister nichts schlechtes nachsagen will - merkwürdig ist die ganze Geschichte schon. 

Vorsorglich wurde bei der jüngsten Gemeinderatssitzung ein Dritter Bürgermeister bestimmt - damit die Geschäfte auch weiterlaufen, weil der Zweite Bürgermeister ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen eine Zeit lang ausfällt. 

Alois Altermann schmeißt also jetzt vorübergehend die Geschäfte in der Gemeinde und kümmert sich um die bürgermeisterlichen Aufgaben. Der 3. Bürgermeister hält jetzt so lange die Stellung, bis alles wieder beim Alten ist und die ersten beiden Bürgermeister wieder voll einsatzfähig. Das soll wohl ab Mitte März wieder der Fall sein. 

Quo vadis, Griesstätt...? 

OVB24.de-Volontärin und wasserburg24.de-Reporterin Marina Birkhof

Wohin führen die Wege der Gemeinde also künftig? Das weiß aktuell keiner so genau. Altbürgermeister Franz Meier kann die ganze Diskussion um die Image-Broschüre und wie es überhaupt so weit kommen konnte, nicht verstehen. "Eine gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und dem Bürgermeister ist das A und O", sagt Meier, der von 2002 bis 2014 Bürgermeister von Griesstätt war. 

"Freilich hat in meiner Amtszeit auch nicht immer alles reibungslos geklappt. Fehler passieren nun mal." Es gebe laut Meier immer wieder Meinungsverschiedenheiten bei den Räten untereinander, aber gerade dann sei es wichtig, mit Kompromissbereitschaft eine gemeinsame Lösung zu finden.

Im Fall der umstrittenen Image-Broschüre hätte es laut dem Altbürgermeister wohl einfach ein klärendes Gespräch mit den Räten gebraucht. Jetzt stellt sich die große Frage, wie die Gemeinde aus dem ganzen Schlamassel wieder rauskommen will. Dazu müsste wohl zuerst die alte Ordnung wiederhergestellt werden. 

Fakt ist, dass der brisante Fall deutlich macht, dass sich auch ein Bürgermeister als Oberhaupt der Gemeinde nicht alles erlauben und nicht wie ein alleiniger König handeln kann. Das hat auch Pauker jetzt schmerzlich einsehen müssen. In Zukunft wird er sich wohl genau überlegen, was für Ideen er umsetzen möchte und was nicht und das Ganze vorab bis ins kleinste Detail mit dem Gemeinderat absprechen. 

Verfasst von Marina Birkhof (marina.birkhof@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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