Kommentar zum historischen WM-Aus 2018 in Russland

Einer deutschen Nationalmannschaft nicht würdig - Aber: Löw kommt zurück!

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Historisches WM-Aus für die deutsche Nationalmannschaft in Russland.
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Das Spiel gegen Mexiko war der Anfang vom Ende. Bereits im ersten Vorrundenspiel wurden die Schwächen der Deutschen Nationalelf deutlich ersichtlich. Keine Durchschlagskraft im Spiel nach vorne, kapitale Schnitzer im Aufbauspiel und miserables Abwehrverhalten. Dennoch haben wir Löw viel zu verdanken, meint Volontär Markus Zwigl im Kommentar.

Nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden und einer, zumindest im kämpferischen Bereich, verbesserten Leistung, flackerte nochmal kurz die Hoffnung auf ein weiteres Sommermärchen auf. Diese Hoffnung hielt jedoch nur bis zum Anpfiff gegen Südkorea. Ein Auftritt von Angst erfüllt und ohne Mut. Einer deutschen Mannschaft nicht würdig, wenn man bedenkt, für was der Deutsche Fußball seit Jahrzehnten steht: Einsatz, Kampfgeist und unbändiger Wille. Das historische Ausscheiden in der Gruppenphase eine logische Konsequenz des Kollektivversagens. 

Liegt ein Fluch auf den Weltmeistern?

Nach Italien 2010 und Spanien 2014 schafft es auch Deutschland als amtierender Weltmeister nicht, die Gruppenphase zu überstehen. Viele Experten merkten kurz nach dem Ausscheiden an, dass der Hunger gefehlt habe, noch einmal etwas so Großes wie 2014 zu erreichen. „Ich habe das bei ganz, ganz wenigen Spielern erlebt, die nach großen Erfolgen noch nach weiteren Erfolgen streben und die den unbedingten Willen haben", erklärte Oliver Kahn im ZDF. Auch Manuel Neuer konstatierte: "Von uns allen war die Bereitschaft nicht groß genug, dieser unbedingte Wille. Selbst wenn es heute geklappt hätte, wäre in der K.O.-Phase Halt gewesen"

"Die Kritik an einzelnen Spielern wie Sami Kedhira, Mesut Özil oder auch Thomas Müller halte ich für deutlich überzogen", meint Volontär Markus Zwigl.

Diese Argumentation kann ich allerdings nicht gelten lassen, beachtet man beispielsweise Real Madrid: Zum dritten Mal in Folge konnte der Verein die Champions League gewinnen. Oder Roger Federer, der kurz vor seinem 99. Turniergewinn steht. Eine Weltmeisterschaft ist nach den Olympischen Spielen das größte Sportereignis der Welt - wenn dies nicht für jeden Spieler genug Motivation ist, dann weiß ich es auch nicht. 

Fehlende Mentalität und Führungskräfte

Es hat an Führungsstärke gefehlt. Eine Achse, wie 2014 mit Bastian Schweinsteiger und Phillip Lahm, war nicht erkennbar. Natürlich übernahm Abwehrhüne Mats Hummels nach Spielen vor den Mikrophonen Verantwortung und kritisierte öffentlich seine Kameraden, doch auch er war meilenweit von fehlerfreien Spielen entfernt. Ebenso ein hochgelobter Toni Kroos, der trotz seines Tores gegen Schweden ein Schatten seiner selbst und kein Anführer war.

Zudem waren, meiner Meinung nach, die vielen Umstellungen nicht förderlich für "die Mannschaft". Auch wenn Löw aufgrund von Verletzungen oder Sperren das ein oder andere Mal tauschen musste, stärkten seine Wechsel keinem Spieler den Rücken. Dies war auch auf dem Platz deutlich zu erkennen. Niemand wollte Verantwortung übernehmen und konnte das Team mitreißen.

Löw wird wieder kommen

Dennoch muss ich Jogi Löw und Co. zur Seite stehen. Speziell die Kritik an einzelnen Spielern wie Sami Kedhira, Mesut Özil oder auch Thomas Müller halte ich für deutlich überzogen. War es speziell Löw mit seinen "Lieblingsspielern", welcher den Deutschen Fußball seit 2006 geprägt und auf ein neues Level gebracht hat. Auch wenn man nun in drei Spielen auf der Suche nach sich selbst war, hat es der Erfolgstrainer auch in den vergangen Jahren geschafft, Umbrüche zu vollziehen, nicht letztendlich mit dem Triumph im Confed Cup 2017. 

Viele sogenannte Experten werden nun den Rücktritt vom Trainerteam und Leistungsträgern der vergangenen Jahre fordern. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, wer uns diese unvergesslichen Abende geschenkt hat. Thomas Müller als zuverlässiger Torschütze bei Weltmeisterschaften und Qualifikationsturnieren; oder Özil (von der Erdogan-Affäre mal abgesehen), der unter Löw die meisten Torbeteiligungen vorweisen kann. Wie oben bereits erwähnt, konnte in diesem Turnier kein Spieler, außer vielleicht Manuel Neuer, sein gesamtes Potenzial abrufen und sich für weitere Nominierungen empfehlen. Ich bin mir sicher, in zwei Jahren bei der Europameisterschaft wird Löw auch mit seinen etablierten Spielern diese beschämenden Auftritte vergessen machen und viele Kritiker verstummen lassen. Deutschland wird wieder kommen, vielleicht stärker als je zuvor. 

Zum Abschluss noch eine kleine Anmerkung: Belgien wird Weltmeister. 

Verfasst von Markus Zwigl (markus.zwigl@ovb24.de)

Dieser Kommentar muss nicht die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Quelle: rosenheim24.de

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