Kommentar von Reporter Xaver Eichstädter

Zu Besuch bei der Traunsteiner Thermomix-Glaubensgemeinde

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An ihm scheiden sich die Geister: Den Thermomix gibt es weder im Laden noch im Netz, nur auf speziellen "Partys" - und die Verkäuferinnen sind ziemlich geschickt in ihrem Handwerk. Unser Reporter Xaver Eichstädter war in Traunstein dabei. 

"Und, Xaver, was stört Dich am meisten beim Kochen?" Mit dieser Einstiegsfrage überrumpelt mich Thermomix-Verkäuferin Margit Drescher gleich mal. Gekocht wird vielleicht zwei Mal in der Woche, dann darf's aber auch mal länger dauern, weil's Spaß macht. Ich bin wohl so ziemlich der Letzte, der den Thermomix braucht, das Wunderding für 1200 Euro - aber einer Bekannten zuliebe bin ich neulich doch mit zu einer dieser Thermomix-Verkaufspartys. Wo also liegt das Geheimnis?

Margit Drescher war bis August 2016 noch Wirtin der "Paulaner Stuben".

Zu neunt versammeln wir uns im ehemaligen Traunsteiner Wirtshaus "Paulaner Stuben" rund um Margit und ihren Thermomix. Die Zutaten sind vorbereitet: "Xaver, Du machst uns jetzt die Semmeln." Das ganze ist ein Kinderspiel: Es gibt vier Knöpfe und ein Rädchen. Margit kippt die Zutaten oben hinein, ich drücke, der Thermomix werkt und wummert. Ruckzuck ist der Hefeteig fertig. "Wie viel Geld gebt Ihr jede Woche beim Bäcker aus? Zehn Euro?", fragt uns Margit und holt später ein Blech voll mit saftigen Semmeln aus dem Rohr: "Die Zutaten haben 60 Cent gekostet." 

Herumkleckern und -probieren war gestern

Würde sich eine Küchenmaschine für 1200 Euro im Laden verkaufen lassen? Egal, Produzent Vorwerk setzt allein auf Thermomix-Verkäuferinnen wie Margit. Ohne den Dreiklang aus Nähe, Probieren-lassen und Verkaufstalent geht es wohl nicht. Es gibt Zehntausende solcher Verkäuferinnen, die zu privaten Partys laden. An der Wand in der "Paulaner Stuben" hängen Margits Vorwerk-Urkunden: mehrere hundert hat sie schon vermittelt. Wie viel Provision die Verkäuferinnen dafür erhalten? Vorwerk macht ein großes Geheimnis draus. 

Bleibt dann doch lieber beim Kartoffelgröstl aus der Pfanne: unser chiemgau24-Reporter Xaver Eichstädter

Es geht sogar noch einfacher als mit den Semmeln: Salat, Reis, Soßen, Kartoffeln - unsere Gerichte sind im Gerät gespeichert, unzählige davon. Der Thermomix zeigt einfach an wann und mit was er gefüttert werden will, der "Koch" muss parieren. Das war's. "Geling-Garantie" nennt Margit das - eigene Rezepte kann man deshalb auch gleich gar nicht einspeichern. Rumkleckern, ausprobieren, Leidenschaft: Wörter, bei dem es dem Thermomix sämtliche Bits und Bytes aufstellt.

"Geschickt macht die das schon..."

"Und jetzt macht mal alle die Augen zu...und stellt Euch vor wo der Thermomix in Eurer Küche stehen könnte", flüstert uns Margit nach dem Essen zu. "Ganz rechts an der Wand - aber geschickt macht die das schon", denke ich mir und würde mich am liebsten daheim satt auf die Couch hauen. Aber hiergeblieben: Davor muss ich noch mit Margit ins Einzelgespräch, abseits von den anderen, und erklären, warum ich mir die 1200 Euro lieber behalten will.

Neben der Direkt- oder Ratenzahlung gibt es auch noch einen dritten Weg, wie man zum Thermomix kommt: selbst ein sogenannter "Thermomix-Repräsentant" werden - und ihn bei Veranstaltungen wie in Traunstein selber verkaufen und so den Betrag abstottern. Geschmeckt hat's vorzüglich, interessant und lustig war es auch und ganz nebenbei habe ich mitbekommen, wie sie funktioniert, die Thermomix-Glaubensgemeinschaft.

Fazit: Nix für mich, der gelegentlich kocht und das Herumrühren in der Pfanne mag. Bei wem die warme Mahlzeit aber jeden Abend auf dem Tisch stehen muss und die Zeit knapper ist als das Geld, kann sich den Thermomix von Margit und ihren Kolleginnen gerne mal vorführen lassen. 

Verfasst von Xaver Eichstädter (xaver.eichstaedter@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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