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Emotionale Erpressung

Dreister Wahlkampf: Kinder sollen Oma und Opa mit mieser Masche manipulieren

  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Jetzt wird der Wahlkampf schmutzig. Eine Gruppierung von selbsternannten Klimaschützern animiert Kinder im Internet dazu, Briefe an Oma und Opa zu schreiben, um deren Wahlentscheidung zu manipulieren. Es sei die letzte Chance, ihre Zukunft zu retten. Eine Einschätzung von unserem Redakteur Markus Zwigl.

„Weißt du, dass deine Oma und Opa die Klimakrise stoppen können? Und du die einzige Hoffnung bist, dass sie es auch wirklich tun?“, mit diesen beiden Fragen werden Kinder und Jugendliche auf der Webseite konfrontiert.

Die Bundestagswahl am 26. September sei ihre letzte Chance, „um die Klimakrise mit echten politischen Maßnahmen aufzuhalten.“ Viele junge Menschen („Fridays for Future“-Bewegung) hätte dies bereits verstanden. Nun seien aber sie an der Reihe. Und um dies zu erreichen, ist den Organisatoren scheinbar jedes Mittel recht.

Emotionale Erpressung

Was harmlos klingt, gleicht einer emotionalen Erpressung. Denn die Kinder und Jugendliche werden aufgefordert, ihren Großeltern einen Brief zu schreiben, damit deren Stimmen an die vermeintlich richtige Partei geht.

„Wir setzen dabei auf eines der ältesten und erfolgreichsten Kommunikationsmittel der Menschheit: Den Brief“, heißt es weiter. Der Briefomat soll den Kindern und Jugendlichen mit vorgefertigten und wählbaren Textbausteinen dabei helfen, ein möglichst „sehr gutes und argumentatives“ Schriftstück schreiben zu können.

Am Ende spuckt der Briefomat einen unpersönlichen Text aus, welcher von den Kindern direkt per Mail oder ausgedruckt verschickt werden kann. Die Schlagwörter wie „letzte Chance“ oder „einzige Hoffnung“ tauchen nicht nur häufig auf der Webseite auf und schüren Angst bei den Kindern, sondern finden sich auch in den vorformulierten Textbausteinen wieder.

Briefe an Großeltern mit vorgefertigten Textbausteinen

Beispiel gefällig? „Bald bin ich mit der Schule fertig und muss mich um ein Studium oder eine Arbeit kümmern. Ich würde gerne weiter in Deutschland und bei euch in der Nähe wohnen bleiben. Aber ich habe Angst, dass das nicht so leicht wird“, heißt es zum Beispiel. Eine andere Variante lautet: „Wenn sich die Unternehmen nicht schnell genug auf den Klimawandel einstellen, entstehen die guten Jobs mit Zukunft nicht in Deutschland, sondern eher in China oder den USA.“ Im Klartext drücken diese Zeilen aus: Wählst du nicht eine bestimmte Partei, bin ich bald nicht mehr da.

Schauspielerin Annette Frier (47), die wie auch TV-Moderator Joko Winterscheid die Kampagne unterstützt, fasst es in einem Werbeclip so zusammen: „Du schreibst einen Brief an deine Oma oder deinen Opa und bittest sie um ihre Stimme für deine Zukunft“.

„Klimawahlcheck“ als Entscheidungshilfe?

Und die „Stimme für die Zukunft“ ist demnach wohl eine Stimme für die Grünen. Wenngleich die Initiatoren beteuern, dass die Kampagne „überparteilich“ sei. Die Großeltern sollen eine Partei wählen, „die sich für eine starke Klimapolitik einsetzt“, heißt es wörtlich. Bei der Entscheidung soll der sogenannte „Klimawahlcheck“ helfen.

In den Kategorien „Energie, Mobilität, Industrie, Gebäude, Klimagerechtigkeit & Klimaziele und Landwirtschaft & Artenvielfalt“ können Interessenten Fragen beantworten und bekommen eine Partei angezeigt, deren Politik sich mit der Meinung des potentiellen Wählers deckt. Interessant dabei ist allerdings, dass die vermeintlich klimafreundlicheste Antwort mit einem saftigen grün und die vermeintlich klimagefährdenste Möglichkeit mit einem warnenden rot gekennzeichnet ist. Ähnlich sieht es bei der Auswertung aus. Je klimaorientierter die Antworten, desto freundlicher und kräftiger die Farben. Und im vorderen, grünen Bereich werden vor allem die Grünen geführt.

Eine sensible und zukunftsorientierte Klimapolitik ist sicherlich notwendig und gut. Fakt ist auch, dass die unter 30-Jährigen nur 15 Prozent der Wahlberechtigten und die über 60-Jährigen 38 Prozent ausmachen. Aber diese Kampagne gleicht einem miesen Enkel-Trick.

mz

Rubriklistenbild: © Screenshot Youtube

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