Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Tipps von der Expertin

Inflation auch im Gemüsebeet: So können Sie sparen

Eine Hand übergibt einer anderen Geldscheine vor einem Korb mit Gemüse
+
Nahrungsmittel sind überall teurer geworden - da lohnt sich der Anbau im eigenen Garten doppelt.

In der Pandemie wurde der eigene Garten zum Zufluchtsort. Und der Trend zum grünen Daumen hält an, obwohl Inflation und Lieferengpässe auch die Kosten im Gemüsebeet kräftig steigen lassen. Eine Expertin gibt Tipps, wie man als Garten-Neuling am Ball bleibt – und welche Ausgaben man sich sparen kann.

VON REBECCA HABTEMARIAM UND MARCO KREFTING

München – Während Deutschland der nächsten Hitzewelle entgegensieht, denkt Leni Kühn schon an den Winter. In ihrem großen Garten in Aidling im Kreis Garmisch-Partenkirchen und auf ihrem Gemüseacker sät sie schon fürs nächste Jahr – auch wenn die diesjährige Ernte noch in vollem Gang ist. „Die kleinen, gelben Möhren brauchen eigentlich noch ein bisschen“, sagt Kühn. Die ein oder andere zieht sie trotzdem schon aus dem Boden. Leni Kühn ist gelernte Hauswirtschaftsmeisterin, Kräuterpädagogin und stellvertretende Vorsitzende des Bezirksverbands für Gartenkultur in Oberbayern – und versucht, sich, so weit es geht, aus dem eigenen Garten zu versorgen. Trotzdem muss auch sie mal Salatsamen oder Beerenpflanzen kaufen. Und das kann heuer ganz schön ins Geld gehen.

Folgen des Ukraine-Kriegs auch im Garten spürbar

Die Folgen des Ukraine-Kriegs machen sich bis in die heimischen Gärten bemerkbar. Weil einige Bestandteile von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln vorrangig aus der Ukraine und Russland kommen, steigen die Preise deutlich, wie Anna Hackstein, Geschäftsführerin des Industrieverbands Garten, sagt. Da der Dünger Blumenerde beigemischt wird, sei Erde genauso von Preissteigerungen betroffen. Hinzu kämen auch beim Thema Garten höhere Energiepreise.

Noch sind manche Anstiege moderat: Beim Erdenwerk Corthum kostet der Kubikmeter Pflanzenerde 58 Euro netto ab Werk – zwei Euro mehr als vergangenes Jahr. Das Unternehmen aus dem Nordschwarzwald beliefert Garten- und Landschaftsbauer sowie Händler und Gartencenter vor allem in Süddeutschland. Die Preislisten gelten eigentlich ein Jahr, wie Geschäftsführer Nick Burkhardt sagt. Zum ersten Mal hätten sie nun innerhalb des Jahres einzelne Preise angehoben. „Und nächstes Jahr müssen wir vielleicht etwas stärker anpassen.“

Dünger „extrem teuer“

Auch Burkhardt verweist auf den Dünger. „Der ist extrem teuer geworden“, sagt er. Organischer Dünger, den Corthum zu den Erden gibt, sei zeitweise überhaupt nicht lieferbar gewesen. Gestiegene Spritpreise wirken sich auf den Lkw-Fuhrpark aus. Und auch Folie für die Verpackung sei bis zu 40 Prozent teurer geworden.

Der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten spricht von einer wesentlich höheren Zahl an Preiserhöhungen. Auch spüre die Branche eine gewisse Zurückhaltung der Verbraucher – gerade im Vergleich zu den beiden Corona-Jahren, in denen viele ihren Garten auf Vordermann brachten und kräftig investierten. „Die haben uns die Bude eingerannt, wortwörtlich“, sagt Corthum-Chef Burkhardt.

Leidenschaft und Frust

Auch bei Leni Kühn, die ein Buch über ihren Selbstversorger-Garten veröffentlicht hat und eine ganze Reihe von Kursen gibt, haben sich während der Pandemie auf einmal Menschen gemeldet, für die der grüne Daumen vor der Pandemie noch ein Fremdwort war. „Es ist erstaunlich, wie wenig die Leute über Gärten wissen“, sagt sie. An alle Neulinge appelliert die Selbstversorgerin, dranzubleiben – auch wenn am Anfang nicht alles gelingt. „Als Gärtner muss man auch mit Frust umgehen können. Ich hoffe, dass die Leidenschaft trotzdem anhält.“ So wie bei ihr.

Allein die Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland erzielten im vergangenen Jahr einen Bruttoumsatz von mehr als 24 Milliarden Euro. Nach einem starken Anstieg im ersten Corona-Jahr war die Tendenz in vielen Segmenten 2021 allerdings eher rückläufig. „Jetzt scheinen die Menschen eher abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Verbandssprecher Jörn Brüningholt. „Im Augenblick hat keiner so richtig Lust zu investieren.“ Dennoch glauben die Branchenvertreter, dass der Garten weiter ein wichtiges Thema bei den Deutschen bleibt. Der Nutzgarten erlebe eine Renaissance, sagt Heribert Wettels, Sprecher des Ulmer Gartengeräteherstellers Gardena. Anders als früher sei das auch bei 20-Jährigen ein riesiges Thema.

So kann man im Garten sparen

Ein Garten muss nicht zwingend teuer sein, betont Leni Kühn. Zunächst solle man sich überlegen, was man tatsächlich braucht. „Während Corona wurde alles Mögliche gekauft. Rosendünger, Tomatendünger, Gurkendünger. Diese Palette braucht es gar nicht, gerade am Anfang“, sagt sie. Außerdem müsse man eine Samentüte nicht immer gleich ganz verwenden. „Der Gärtner sollte geizig sein mit seinem Boden.“

Der teure Dünger lässt sich mit ein wenig Aufwand auch selbst herstellen. „Wer die Möglichkeit hat, sollte sich auf jeden Fall einen Kompost zulegen“, sagt die Expertin aus Aidling. „Guter Kompost eignet sich perfekt als Dünger. Die Abfälle werden wieder an den Garten zurückgegeben, wodurch er sein Gleichgewicht behält.“ Wichtig ist, den Kompost regelmäßig zu pflegen – und nicht als Müllhalde zu sehen.

Wie man Wasser spart

Auch zum Wassersparen hat Kühn einen guten Rat: „Wer offene Stellen in seinem Beet hat, sollte diese mit Blättern oder getrocknetem Rasen überdecken. So verdunstet weniger Wasser und man muss weniger gießen.“ Gerade in Trockenphasen kann das nützlich sein.

Grundsätzlich rät die oberbayerische Verbandschefin dazu, es am Anfang im eigenen Garten nicht zu übertreiben. Nicht, dass am Ende die halbe Ernte in der Mülltonne landet – weil viel mehr gewachsen ist, als erhofft. Zudem sollte man sich von der Bilderbuch-Auslage an der Gemüsetheke im Supermarkt nicht blenden oder gar entmutigen lassen. „Die Zucchini schmeckt auch, wenn sie etwas krumm daherkommt.“ Ist ja schließlich aus dem eigenen Garten.

Kommentare