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Diabetiker in der Corona-Falle

Corona-Infektion kann für Diabetiker schwere Folgen haben – viele Betroffene kennen ihr Risiko gar nicht

Corona und Diabetes: Diese unheilvolle Krankheits-Kombi bereitet Medizinern zunehmend Kopfzerbrechen. Für immer mehr Patienten steht viel auf dem Spiel – mitunter sogar das Leben.

München/Bad Oyenhausen – Diabetes ist eine gefährliche Volkskrankheit. Wer nichts von seiner Diagnose weiß und sich mit Corona infiziert, für den kann die Infektion mitunter tödliche Folgen haben.

Schon jetzt gehen 16 Prozent aller Todesfälle in Deutschland auf das Konto des „stillen Killers“ Diabetes. Durch Corona könnte er bald noch mehr Opfer fordern. In unserem großen Gesundheitsreport beleuchtet der renommierte Internist und Diabetes-Spezialist Professor Dr. Dr. Diethelm Tschöpe die Hintergründe.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Diabetes gehört zu den gefährlichsten Volkskrankheiten. Auf der langen Liste der möglichen Folgen finden sich lauter Horrorszenarien: vom Herzinfarkt über Schlaganfall und Erblindung bis hin zu Fußamputationen und schweren Nierenschäden. „Diabetiker sterben früher – vor allem dann, wenn sich die Betroffenen nicht behandeln lassen“, warnt Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe.

Trotzdem wird die Erkrankung nach wie vor unterschätzt: „Etwa jeder zehnte Deutsche kennt seine Diabetes-Diagnose. Aber wir schätzen, dass weitere zehn Prozent der Bevölkerung gar nichts von ihrer Erkrankung wissen.“Unterm Strich ist zu befürchten, dass etwa jeder fünfte Bundesbürger betroffen sein könnte. Jetzt verschärft auch noch Corona das Diabetes-Problem.Das Sars-Cov-2-Virus versetzt Diabetologen gleich aus mehreren Gründen in Sorge: Schwerere Verläufe.

Diabetiker besonders häufig von schwerem Verlauf betroffen

Corona trifft Zuckerkranke besonders oft und besonders schwer: „Gut ein Drittel der Covid-Patienten mit schweren Verläufen sind Diabetiker. Sie werden öfter auf Intensivstationen behandelt, haben erhöhte Herz- und Leberenzyme, die Lungenentzündung ist ausgeprägter. Ihre Sterblichkeit kann laut britischen Daten doppelt so hoch sein“, berichtet die Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ (DHD).

Zudem haben Diabetiker ein höheres Risiko, an Corona-Spätfolgen zu erkranken. Long-Covid kann unter anderem hartnäckige Lungenprobleme, chronische Müdigkeit, Leistungsabfall und Schlafstörungen auslösen. Covid fördert Diabetes„Die Viren können die Zellen der Bauchspeicheldrüse angreifen“, erklärt Tschöpe. „Eine heftige Infektion kann die Entstehung von Diabetes befeuern – gerade bei Menschen, die eine Veranlagung für Diabetes in sich tragen.“ Diabetes wird verstärkt.

Lesen Sie auch: Neun Regeln gegen Diabetes Typ 2: So einfach können Sie der häufigen Stoffwechselkrankheit vorbeugen

„Durch die Infektion können sich die Zuckerwerte verschlechtern“, so Tschöpe. Corona-Patienten werden derzeit schlechter versorgt: „Das größte Problem an Corona ist, dass Diabetiker mit einem allgemein erhöhten Krankheitsrisiko derzeit nicht mehr so gut medizinisch betreut werden können“, warnt der erfahrene Diabetologe und beleuchtet den Hintergrund: „Wegen der vielen Corona-Patienten und des Pflegekräftemangels werden in den Kliniken derzeit nur noch Notfallpatienten aufgenommen. In vielen Arztpraxen sind die Mediziner mit Impfungen stark eingebunden.“

Kontrollen für Diabetiker besonders wichtig

Dabei ist gerade bei Diabetikern eine engmaschige Kontrolle enorm wichtig. Ihr Körper bietet praktisch von Kopf bis Fuß Angriffsfläche. Das zentrale Problem„Die Verzuckerung des Körpers von innen heraus greift die Gefäßwände an. Sie befeuert die Entstehung von Atherosklerose.“ Das sind Entzündungsprozesse, die zur Bildung sogenannter Plaques führen. Sie können unter anderem Gefäße verschließen.

Bis zu 50 Prozent aller Diabetiker leiden unter schweren Durchblutungsstörungen. Wie vielfältig die Risiken sind, lässt sich aus einer Reihe wissenschaftlicher Auswertungen ersehen. So versterben drei von vier Diabetikern letztlich an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das Risiko für einen solchen GAU in Herz oder Hirn – Mediziner sprechen von einem schweren kardiovaskulären Ereignis – ist bei Männern vierfach erhöht, bei Frauen sogar sechsfach.

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Das Tückische an Diabetes: Die Erkrankung wird oft viel zu spät erkannt. „Erhöhte Blutzuckerwerte machen zunächst keine Symptome“, weiß Tschöpe. „Wenn der Patient keine Beschwerden hat, geht er meistens erst mal nicht zum Arzt. Dieser Trugschluss kann verheerend sein.“

Wie bei Bluthochdruck gilt auch bei Diabetes die Faustregel: Je länger die Erkrankung unbehandelt bleibt, desto geringer wird die Chance, dramatische Folgen noch abzuwenden.Alarmsignale werden selbst von diagnostizierten Diabetikern oft überhört. Sie leiden oft an einer Schädigung der Nerven, in der Fachsprache autonome Neuropathie genannt. „Dadurch wird die Wahrnehmung der körperlichen Symptome verringert“, erklärt Tschöpe. Das kann beispielsweise in einem sogenannten stummen Herzinfarkt oder sogar im plötzlichen Herztod enden.

Die positive Nachricht

Doch es gibt auch ermutigende Nachrichten: Heute lässt sich die Erkrankung durch die Kombination von Medikamenten besser behandeln. Am bekanntesten ist der Wirkstoff Metformin. Er hemmt die Neubildung von Glukose (Zucker) in der Leber. „Wir setzen heute auch sehr früh Mittel ein, die dafür sorgen, dass der Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Erst am Ende der Therapiekette muss Insulin eingesetzt werden“, berichtet Tschöpe.

Auch die Behandlungsstrategie hat sich verändert. „Früher hat die Therapie den Patienten bestimmt. Heute wird die Behandlung so gesteuert, dass der Patient eine optimale Lebensqualität erreichen kann.“ Ein Stück weit haben es Diabetiker auch selbst in der Hand. Neun von zehn leiden am Typ 2. Diese Variante heißt umgangssprachlich Alterszucker, obwohl sehr viele jüngere Menschen betroffen sind. Sie hat gegenüber dem autoimmun bedingten Typ 1 einen entscheidenden Vorteil: In sehr vielen Fällen lässt es sich sehr lange vermeiden, dass sich der Patient Insulin spritzen muss.

Der Schlüssel dazu ist eine Veränderung des Lebensstils mit regelmäßiger Bewegung, Gewichtsabnahme und gesunder Ernährung. „Diabetiker sollten zudem ihre Blutfettwerte unter Kontrolle halten“, betont Tschöpe.Früherkennung ist enorm wichtig. Bei Symptomen (siehe Diabetes-Test auf der linken Seite) oder Risikofaktoren sei es ratsam, beispielsweise beim Hausarzt den Blutzucker messen zu lassen. Professor Tschöpe betont: „Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, bei denen die Werte kontrolliert werden, sollte man nicht verbummeln.“

Zehn Punkte für „herzkranke Diabetiker“

Diabetikern legt die Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ folgende zehn Punkte ans Herz:

  • Umfassende Bestimmung des individuellen Gefäßrisikos (Raucherstatus, Bewegungsstatus, Ernährungsstatus, Familienvorgeschichte).
  • Allgemeine Untersuchung der gefährdeten Organe und Arterien mit einfachen, nicht eingreifenden Untersuchungsverfahren (z.B. Pulsstatus, Dopplerindex, Duplexsonografie, Echokardiografie und Belastungstests etc.).
  • Bestimmung des Körpergewichts, Zielgewicht festlegen, individuelle Ernährungsempfehlungen (wenig gesättigtes und gehärtetes Fett, viele Ballaststoffe, ausgewogene gesunde Ernährung)!
  • Blutzuckereinstellung überprüfen (Bestimmung von HbA1c, Blutzucker nüchtern und zwei Stunden nach dem Frühstück).
  • Blutfettwerte überprüfen (Bestimmung von Cholesterin LDL-schlecht, HDL-gut und Triglyceride).
  • Blutdruck überprüfen (140/85 mmHg)!
  • Regelmäßige Überprüfung der Nierenfunktion (Kreatinin im Blut, Eiweiß im Urin).
  • Regelmäßig nicht erschöpfende, körperliche Bewegung!
  • Hemmstoffe der Blutplättchen, die das Infarktgerinnsel in einer organ-versorgenden Arterie auslösen, prophylaktisch schon vor einem Erstinfarkt.
  • Falls erforderlich, frühzeitig Medikamente mit gesichert herzschützender Wirkung einsetzen.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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