Reisebranche bricht zu Rekorden auf

Berlin - Die Deutschen haben noch mehr Lust auf Urlaub, glaubt die Tourismusbranche und geht mit breiter Brust auf die Reisemesse ITB - trotz Unruhen und steigenden Ölpreisen.


Die deutsche Reisebranche nimmt in der neuen Saison Kurs auf Rekordumsätze. “2011 wird sicherlich ein Spitzenjahr“, sagte Klaus Laepple, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), am Dienstag im Vorfeld der weltgrößten Reisemesse ITB.

Von diesem Mittwoch bis Sonntag präsentieren sich in Berlin mehr als 11 000 Aussteller aus 188 Ländern - darunter auch Ziele wie Ägypten und Tunesien, die noch ganz im Zeichen der Revolution stehen. Die Unruhen in der arabischen Welt machen der Branche bislang nur wenig Sorgen.


Die Vorausbuchungen insgesamt lägen deutlich über dem Vorjahreswert sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Jürgen Büchy, der die deutschen Reisebüros und Veranstalter vertritt. “An diesem Trend ändern auch die Ereignisse in der arabischen Region nichts.“ Reisen nach Ägypten und Tunesien seien nach den Aufständen wieder möglich, die Buchungen dorthin zögen wieder an. Während der Unruhen waren Tausende ausländische Gäste ausgeflogen worden.

Die skurrilsten Gesetze im Ausland

Die skurrilsten Gesetze im Ausland
Andere Länder, andere Sitten: In manchen Urlaubsländern gibt es wirklich kuriose Gesetze. Ganz vorn mit dabei sind einige Vorschriften im beliebten Reiseland Italien. Im venezianischen Städtchen Eraclea ist es beispielsweise untersagt, am Strand Löcher in den Sand zu buddeln oder Burgen zu bauen.   © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
ITALIEN: Im kampanischen Eboli wird das Küssen im Auto mit 500 Euro Strafe „honoriert“. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
ITALIEN: Im recht sittenstrengen Palermo auf Sizilien dürfen sich Frauen durchaus nackt am Stand zeigen. Dem „starken Geschlecht“ bleibt dies jedoch verwehrt. © dpa
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ITALIEN: Das Füttern von Tauben ist auf dem Markusplatz in der Lagunenstadt Venedig verboten. Es drohen bis zu 450 Euro Strafe. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
ITALIEN: In der Öffentlichkeit sein Pausenbrot zu verzehren, ist in Rom untersagt. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
FRANKREICH: Selbst in Paris, in der Stadt der Liebe, ist das Küssen im Pariser Bahnhof Gare du Nord und im Zug seit dem Jahr 1910 verboten. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
FRANKREICH: Liebe Bauern, liebe Tierliebhaber. Sollten Sie ein Schwein in unserem Nachbarland erwerben, nennen Sie es nicht Napoleon. Dies wird im Land des kleinen Korsen als Beleidigung aufgefasst. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
ENGLAND: Die Insel ist bekannt für ihre „Pub-Kultur“. Doch in Pubs ist es verboten, dass Männer Frauen um Sex bitten. Dies ist ein „nationales Ärgernis“. Strafe: bis zu 180 Euro oder drei Monate Gefängnis. © dpa
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ENGLAND: Es ist verboten, auf der Urlaubskarte die Briefmarke mit dem Portrait der Königin verkehrt herum aufzukleben. © www. travel24.com
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
GRENADA (Kleine Antillen): Auf der Insel Grenada sollte man stets „zivil“ gekleidet sein. Wer mit Badehose oder Bikini in ein Shoppingcenter geht, dem droht ein Bußgeld von bis zu 200 Euro. © dpa
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ISRAEL: Bären ist es untersagt Strände zu betreten und im Meer zu baden. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
Japan: Das Land garantiert seinem Volk per Gesetz Sonnenschein. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
ISRAEL: Das Anschauen von Sexfilmen in Hotels ist strafbar. Wer erwischt wird, kann bis zu drei Jahre im Gefängnis landen. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
RUSSLAND: Ist das Auto zu schmutzig, kann es bis zu 200 Euro Bußgeld hageln. Dabei bleibt allerdings ungeklärt, was „schmutzig“ bedeutet. Darf der Autofahrer mit schmutzigen Nummernschild fahren oder müssen die Auto-Insassen durch die Scheiben noch erkennbar sein. Wie fast immer im „wilden Russland“ ist auch dies Auslegungsache der Beamten. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
USA: Indiana (Gary) geht mit allen Mitteln gegen Knoblauchesser vor. Nach ausgiebigem Knoblauchverzehr ist es vier Stunden lang untersagt, ins Kino oder Theater zu gehen oder auch nur die Straßenbahn zu benutzen. © dpa
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USA: Radfahrer in Connecticut dürfen von der Polizei gestoppt werden, wenn sie schneller als 100 km/h mit ihrem Drahtesel unterwegs sind. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
USA: Das Fahren ohne Scheibenwischer ist in Texas verboten. Eine Windschutzscheibe ist nicht nötig, Scheibenwischer müssen aber sein. © dpa
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USA: Ein kleiner Strandabschnitt in Clearwater (Florida) mit 12 Verboten. Vom Wassersport wie Surfen oder Boot fahren bis hin zum Alkoholtrinken oder Betteln ist hier alles mögliche verboten. © www. travel24.com
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
USA: Alabama verbietet das Fahren eines Fahrzeugs mit Augenklappe. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
USA: In Illinois empfiehlt es sich, wenigstens einen Dollar Bargeld bei sich zu führen. Ansonsten können Sie leicht wegen Landstreicherei verhaftet werden. © dpa
Die skurrilsten Gesetze im Ausland
USA: Im Sonnenstaat Florida (Sarasota) darf man kein Ständchen auf öffentlichen Plätzen singen, wenn man nur Badekleidung an hat. © dpa

Auch die steigenden Ölpreise seien noch kein Problem, sagte Büchy. “Wir sehen nirgendwo die Gefahr, dass der Urlaubsmarkt einbricht.“ Noch seien die Preise vergleichsweise stabil. Wer früh buche, profitiere davon. Zuwächse erwartet der Spitzenverband BTW im Gastgewerbe, wo nach 60 Milliarden Euro Umsatz 2010 ein Plus von 1,5 bis 2 Prozent möglich sei. Im Luftverkehr könne nach 190 Millionen Passagieren im Vorjahr die Marke von 200 Millionen geknackt werden. Bei Autoreisen sei ein Plus von drei bis fünf Prozent denkbar, sagte BTW-Präsident Laepple. “Wir werden das bisherige Spitzenjahr 2008 in nahezu allen Bereichen übertreffen.“

Nach der tiefen Wirtschaftskrise 2009 hatte die Reisebranche im vergangenen Jahr wieder zugelegt. Ganz im Trend liegen Städte- und Kulturreisen sowie Wellness- und Gesundheitsangebote. Deutschland sei inzwischen hinter Spanien das zweitbeliebteste Reiseziel der Europäer. Ausländer ziehe es vor allem in die Großstädte, sagte Laepple und forderte, dass Politik und Unternehmen sich bemühen, auch Gäste auf das Land zu locken. “Nicht, dass die Städte explodieren und das Land ausblutet.“ Partnerland der ITB ist in diesem Jahr Polen, das auf der Messe den Startschuss zu einer groß angelegten Werbekampagne in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gibt.

Damit will Polen auf die künftige EU-Ratspräsidentschaft und auf sich als Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft 2012 aufmerksam machen. Im vergangenen Jahr reisten 12,5 Millionen ausländische Touristen nach Polen, darunter 4,5 Millionen Deutsche. Während der EM rechnet Tourismusminister Adam Giersz mit einer Million Besucher. Der geplante Lokführer-Streik wird die ITB aus Sicht der Veranstalter nicht beeinträchtigen. “Aussteller und Fachbesucher sind bereits da“, sagte Messe-Sprecher Michael Hofer.

An den fünf Messetagen werden rund 100 000 Fachbesucher und 60 000 Privatbesucher erwartet. Zur Eröffnung am Dienstagabend wurden Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erwartet.

Von Burkhard Fraune und Birthe Blechschmidt

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