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Interview über Grenzerfahrungen im Wettersteingebirge

Extrembergsteiger Christian Pfanzelt: „Das Umdrehen ist viel schwieriger als das Weiterklettern“

Collage: Christian Pfanzelt/Pierre König
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Fotograf und Extrembergsteiger Christian Pfanzelt im Interview.

Drei Jahre lang hat Fotograf und Extrembergsteiger Christian Pfanzelt aus Garmisch-Partenkirchen das Wettersteingebirge zu den verschiedenen Jahreszeiten fotografiert. Das Ergebnis präsentiert er in seiner Multivisionsshow „Wetterstein – Grenzgänge von Alpspitze bis Zugspitze“ im Oktober im Ballhaus Rosenheim. Wir haben uns mit ihm vorab unterhalten: über die Faszination der Berge, über Demut und Grenzgänge

von Isabella Fiala - Fotos: Christian Pfanzelt Photography

Über Jahre hinweg hast du das Wettersteingebirge fotografiert. Was fasziniert dich so sehr an der Bergwelt?

Der große Reiz ist der Moment, wenn man auf dem Gipfel steht und die Welt von oben sieht. Das ist einzigartig, der 360-Grad-Blick, die unterschiedlichen Konturen und Farben. Unsere Bergwelt bietet Perspektiven wie kein anderer Ort auf der Welt. 

Deine Multivisionsshow betitelst du mit „Grenzgänge“. Ist das Gebirge ein Ort der Grenzen?

Eine Gebirgstour ist immer ein Grenzgang, nicht nur physischer, sondern auch psychologischer und emotionaler Natur. Auch im zwischenmenschlichem Bereich ergeben sich dort Grenzgänge. Ich habe über Jahre hinweg verschiedene Extremsportler fotografiert – Gleitschirmflieger, Steilwand-Skifahrer, Mountainbiker, Eiskletterer und Sportkletterer. Und natürlich moralisch anspruchvolles alpines Klettern. Alle diese Sportarten sind ein Grenzgang.

„Wetterstein - Grenzgänge von Alpspitze bis Zugspitze“

Multivisionsshow von Christian Pfanzelt am 19. Oktober um 20 Uhr im Ballhaus Rosenheim

Du kletterst selbst. Welche Grenzen muss du auf dem Berg akzeptieren?

Ich hatte bereits einige Grenzerlebnisse. Am El Capitan, dem größten Granitmonolithen der Welt im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien, habe ich mit einem Freund eine Route der berühmten Brüder Alexander und Thomas Huber wiederholt. Wir waren beide psychisch nicht in der besten Verfassung und mussten umdrehen, eine sehr harte Entscheidung. Das Umdrehen ist viel schwieriger als das Weiterklettern, man will es nicht wahrhaben. 

Was ging in dem Moment in dir vor?

Christian Pfanzelt

Es war ein Scheitern. Mir wurden meine psychischen Grenzen so richtig bewusst. Ein guter Freund von mir war kurz zuvor am Berg ums Leben kommen. Damit musste ich erst klarkommen. Auch mein Seilgefährte hatte zuvor eine lebensgefährliche Grenzerfahrung erlebt. Somit waren wir beide psychisch nicht in der Lage, diese Route zu klettern. Nach zweieinhalb Monaten aber sind wir zurück ins Yosemite und haben die Route doch noch geklettert.

Hat der Tod deines Freundes deinen Blick auf die Berge verändert?

Ich habe bislang fünf Menschen, zum Teil auch sehr junge, durch das Klettern verloren. Sie wurden mitten aus dem Leben gerissen. Das Klettern und Bergsteigen ist ein Risikosport, egal auf welchem Niveau man sich bewegt. In dem Moment, in dem man in die Wand einsteigt, begibt man sich in eine lebensgefährliche Situation, immer. Das muss einem bewusst ein. Man ist erst wirklich safe, wenn man wieder unten im Tal ist. 

Grenzerfahrungen im Wettersteingebirge

Impressionen: Grenzerfahrungen im Wettersteingebirge
Julia Pfanzelt auf dem „Jubiläumsgrat“. Dieser Grat führt von Zugspitze bis zur Alpspitze und ist vor allem im Winter sehr eindrucksvoll. Für die „Multivision Wetterstein“ und den Film dazu schleppte das vierköpfige Team um Julia und Christian über 70 Kilo Gepäck an Film und Fotoequipment über den winterlichen Grad. © Christian Pfanzelt Photography
Impressionen: Grenzerfahrungen im Wettersteingebirge
Pierre König bei einer der wenigen bisher durchgeführten Snowboard-Befahrungen in der Alpspitz Nordwand. © Christian Pfanzelt Photography
Impressionen: Grenzerfahrungen im Wettersteingebirge
Pierre König beim Abseilen in der Freeride-Abfahrt „Neue Welt“. Diese führt über circa 2.000 Höhenmeter von der Zugspitze hinunter ins tirolerische Ehrwald. © Christian Pfanzelt Photography
Impressionen: Grenzerfahrungen im Wettersteingebirge
Robert Grasegger in der Nähe des „Seebenseefalls“, einer äußerst schwierigen und anspruchsvollen sogenannten „Mixed-Kletterei“ aus Fels und Eis. Da die Absicherung und Felsqualität sehr schlecht sind, stellt diese Route eine große Anforderungen an die Psyche dar. © Christian Pfanzelt Photography

Ist die Angst dein Begleiter?

Der Mensch hat grundsätzlich immer Angst vorm Herunterfallen. Eine völlig normaler Instinkt. Auch wenn das Material noch so gut ist, muss man sich immer überwinden, über den letzten Haken hinaus zu klettern. Je größer die Distanz zwischen mir und der letzten Sicherung ist, desto größer ist die Angst vor dem Herunterfallen. Der Kopf bestimmt in dem Moment, wie weit ich aus mir körperlich hinausgehen kann. 

Welche Werte lehrt dich der Berg?

Demut. Wenn man oben auf dem Gipfel steht und auf die Welt unten blickt, merkt man, wie klein wir Menschen im Gegensatz zur Bergwelt sind. Da relativiert sich vieles

Ist Klettern für dich eine Form des Glücks?

Ja, so würde ich es nennen. Je mehr ich mich dem Gipfel nähere, an meine Leistungsgrenze komme, desto mehr komme ich in einen Flow. Im Flow existiert kein Zeitgefühl mehr, alles läuft von allein, auch wenn die Kletter-Situation physisch sehr fordernd ist. Manchmal weiß ich danach nicht mehr, wie ich die schwierige Stelle geklettert bin, so sehr war ich im Hier und Jetzt, also im Flow.

Christian Pfanzelt

Seit über 20 Jahren arbeitet der in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsene Christian Pfanzelt als Fotograf und dokumentiert in seiner Heimat, aber auch in den USA und in China sein Lieblingsmotiv: den Berg. Die Bilder sind in vielen Magazinen zu sehen, außerdem zeigt er sie auf verschiedenen Vorträgen. Der 54-Jährige ist leidenschaftlicher Kletterer und im zehnten von maximal zwölf Schwierigkeitsgraden unterwegs.

www.christian-pfanzelt.de 

Du hast den El Capitan in Kalifornien, die Große Zinne in den Dolomiten und viele andere große Wände durchstiegen. Was ist dein nächstes Ziel?

Ich bin jetzt 54 Jahre und klettere im zehnten von zwölf möglichen Schwierigkeitsgraden. Ein konkretes Ziel habe ich mir nicht gesetzt, aber wenn meine Frau Julia und ich unseren Sport noch eine Zeit lang auf diesem hohen Niveau ausführen können, sind wir sehr dankbar. Wir möchten bis ins hohe Alter unseren Bergsport ausüben dürfen. Und noch geht‘s recht gut, dafür sind wir beide sehr, sehr dankbar.

Julia Pfanzelt, Christians Frau, bei einer Begehung der Route „Bärentatze“ im unteren zehnten Schwierigkeitsgrad im Klettergebiet „Chinesische Mauer“ auf der Südseite des Wettersteingebirges.

Welche Frage hätte ich dir noch stellen sollen?

Wie ist die Rollenverteilung von Mann und Frau auf dem Berg?

Deine Antwort?

Meine Generation ist mit dem heroischen Bild des Bergsteigers groß geworden. Obwohl Frauen seit der Jahrhundertwende in den Bergen unterwegs sind, waren lange Zeit die Männer dominant. Sie haben die Führerrolle übernommen, haben entschieden, ob umgedreht wird oder nicht. Das ist in der jüngeren Generation zum Glück nicht mehr so. Aber ich hatte ein Problem, als meine Frau Julia immer besser wurde und eine Tour hochkam, die ich noch nicht geschafft hatte. Diesen mir selbst gemachten Konkurrenzdruck konnte ich mittlerweile ablegen. Jetzt ist es für mich ein Teilen dürfen der gleichen Route, und nicht ein Teilen müssen. Es ist so schön, dass wir beide auf einem Niveau klettern und uns gegenseitig pushen und bestärken. Wie im richtigen Leben eben. Nur ein gutes Miteinander beflügelt zu guten Leistungen.

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