Die Deutschen bleiben Reiseweltmeister

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Die Deutschen bleiben Reiseweltmeister.

Frankfurt/Main/Port Ghalib - Die Deutschen sind weiter Weltmeister im Reisen - und können sich auch noch über günstige Preise freuen. In vielen Reiseländern bleiben andere Urlauber aus.

Vor allem Amerikaner, Briten oder Russen verbringen die Ferien in der Wirtschaftskrise häufiger zu Hause. Hotels und Fluggesellschaften buhlen darum mit Preisnachlässen um die reisefreudigen Deutschen. Diese Bilanz für das Ende Oktober abgelaufene Tourismusjahr 2008/09 stellte der Deutsche Reiseverband (DRV) am Donnerstag bei seiner jährlichen Tagung im ägyptischen Port Ghalib vor. Die Veranstalter setzten 20,7 Milliarden Euro um - etwa drei bis vier Prozent weniger als im Jahr zuvor. “Es sind fast genau so viele Urlauber mit Reiseveranstaltern verreist wie im Vorjahr, jedoch zu niedrigeren Preisen“, sagte DRV- Präsident Klaus Laepple zum Auftakt der Jahrestagung laut Mitteilung.


Der Urlaubsknigge: Lassen Sie das Fettnäpfchen zuhause

Urlaubsknigge
In Spanien mag niemand Hektik. Warten Sie also entspannt auf den Kellner und bestellen Sie dann in Ruhe Ihre Tapas. Versuchen Sie auch nicht, möglichst schnell Ihre Rechnung zu bezahlen und das Lokal fluchtartig zu verlassen – die Spanier haben einfach ein bisschen mehr Zeit. Wie in Italien gilt übrigens auch in Spanien: Bitte die Rechnung gemeinsam zahlen. © dpa
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Seien Sie in Amerika im Umgang mit Alkohol vorsichtig: Diesen „versteckt“ man in speziell dafür vorgesehenen braunen Tüten – und trinkt ihn nur hinter verschlossenen Türen, nie auf der Straße. Auf „textilfreies Sonnenbaden“ sollten Sie ganz verzichten – selbst bei kleinen Kindern ist es verpönt. © dpa
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In Italien trinkt man seinen Kaffee im Stehen an der Bar. Und: Jeder Kaffee hat eine Tageszeit. Nach dem Aufstehen einen Espresso, zum Frühstück einen Cappuccino oder Latte macchiato – und ab mittags nur noch Espresso. © dpa
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Die Griechen sind privat sehr gastfreundlich – und wenn Sie sich für diese Gastfreundschaft bedanken wollen, dann bloß nicht mit Bargeld! Bringen Sie einen Strauß Blumen mit oder auch Süßigkeiten. Sie können Ihrem Gastgeber auch Fotos schicken von einem gemeinsamen Abend, das wird ihn höchstwahrscheinlich am meisten freuen. © dpa
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Die Höflichkeit der alten Schule wird in Polen sehr großgeschrieben: Helfen Sie den Damen in den Mantel, bieten Sie ihnen den Sitzplatz an, tragen Sie ihre Einkaufstaschen. Und begrüßen Sie Frauen bitte mit Handkuss – natürlich nur angedeutet. Niemals die Hand wirklich küssen! Weibliche Polen-Besucher sollten den Handkuss über sich ergehen lassen und nicht die Hand wegziehen, das gehört sich nicht. © dpa
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Narrenfreiheit gibt es in Spanien in puncto Kinderlärm: Auch beim größten Krach werden die Kleinen nicht getadelt. © dpa
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Ähnlich wie in Italien sollten Sie in Frankreich bei einem Restaurant-Besuch nicht auf einen freien Tisch zustürzen, sondern auf den Kellner warten, der Sie an Ihren Tisch führt. Und zahlen Sie bitte nicht getrennt. Wenn Sie dem Kellner Trinkgeld geben möchten, lassen Sie es nach dem Bezahlen auf dem Tisch liegen. Wenn Sie mit Franzosen beim Essen sind, vergessen Sie nicht das „Bon appétit“ – das ist ein Muss. © dpa
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In Griechenland spielt der Kaffee eine bedeutende Rolle. Aufgekocht wird er wie der türkische Mokka – ein riesiger Fauxpas ist es allerdings, wenn man in Griechenland einen türkischen Mokka bestellt. Die Griechen sind noch echte Patrioten! © dpa
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Wenn Sie in der Türkei eine Moschee besuchen, vergessen Sie bloß nicht, die Schuhe auszuziehen – und betreten Sie das Gotteshaus auch nicht während eines Gebetes. Frauen müssen den Kopf mit einem Tuch bedecken, inakzeptabel beim Moschee-Besuch sind kurze Röcke und Hosen. © dpa
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Während „oben ohne“ an fast allen touristischen Stränden in Spanien toleriert wird, sollte man sich hüllenlos nur an offiziellen Nacktbadestränden bräunen. Auf Mallorca sind das „Es Trenc“, auf Ibiza „Aigues Blanques“ und „Ex Cavallet“, auf Formentera „Ses Illetes“. Auf den Kanaren wird FKK nicht überall gern gesehen. © dpa
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Beim Bezahlen des Essens in Griechenland lauern weitere Fettnäpfchen. Wenn Ihre Rechnung 46 Euro beträgt, rundet der Kellner oft auf 40 Euro ab – Sie hingegen müssen auf 50 Euro aufrunden, wenn Sie beim nächsten Mal „nur“ 45 Euro zu zahlen haben. Und bitte: Zahlen Sie nicht getrennt, das kommt nicht gut an. © dpa
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Essen ist für Italiener keine schnelle Nahrungsaufnahme: Es wird zelebriert. Ein ordentliches italienisches Mahl hat mehrere Gänge – also bitte nicht nur Pizza bestellen, sondern lieber viele kleine Portionen. In Restaurants wartet man kurz und lässt sich dann von einem Kellner einen Tisch zuweisen – bloß nicht auf einen freien Tisch zustürmen. Die Rechnung bezahlt man gemeinsam, nie getrennt. Trinkgeld ist zwar nicht üblich, aber oft taucht auf der Rechnung ein „coperto“ auf, eine Grundgebühr für Gedeck und Brot. Wer sehr zufrieden war, kann Münzen liegen lassen. © dpa
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Was in Spanien tabu ist: Das Diskutieren – oder gar Streiten! – über Sinn bzw. Unsinn von Stierkämpfen. © dpa
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Auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel geben Sie dem Taxifahrer in den USA 15 bis 20 Prozent des Fahrpreises als Trinkgeld. Das gilt auch für Kellner in Restaurants und in Bars. Runden Sie niemals nur auf den nächsten glatten Betrag auf. Sind Sie mit einem Mietwagen unterwegs, achten Sie auf Höchstgeschwindigkeiten. Werden Sie dennoch von der Polizei angehalten, bleiben Sie im Wagen sitzen und achten Sie darauf, dass der Polizist Ihre Hände sehen kann. Ein schneller Griff ins Handschuhfach oder in die Jackentasche kann tödliche Folgen haben. © dpa
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In der Türkei ist das Schneuzen in der Öffentlichkeit verpönt, vor allem im Restaurant. Dafür dürfen Sie am Tisch rülpsen – aber bitte nicht gähnen. Und auch nie mit der linken Hand essen: Sie gilt als unrein, weil sie einst bei Toilettengängen benutzt wurde. © dpa
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Vehement ein Stamperl Wodka abzulehnen, gilt in Polen als unhöflich – lieber so tun, als würde man daran nippen. Brüderschaft trinken ist in Polen weitverbreitet. Wer mittrinkt, sollte sich auf alle Fälle den Vornamen seines polnischen „Bruders“ merken, um später mal gratulieren zu können: In kaum einem anderen Land hat der Namenstag so eine Bedeutung wie in Polen . © dpa
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Badehose und Bikini gehören in Italien ausschließlich an den Strand. Wer sich nicht daran hält und (zu) leicht bekleidet über öffentliche Plätze flaniert, muss – etwa in Venedig – mit Bußgeldern von bis zu 200 Euro rechnen. Auch in Restaurants ist der Strand-Look tabu, genauso bei Besichtigungen. In Kirchen sind „bedeckte Schultern und Beine“ vorgeschrieben. Der Strandbesuch ist in Italien streng reglementiert. Ziehen Sie sich also nur in den Kabinen um, vermeiden Sie es, laut Musik zu hören, zelten Sie nicht wild und zünden Sie kein Feuer an. © dpa
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In den USA sollten Sie nie bei der Einreise scherzen – bloß keine Witze über Bomben oder Waffen! Füllen Sie auch den Fragebogen einfach wahrheitsgemäß aus, selbst wenn er teils merkwürdig anmutende Fragen enthält: „Schmuggeln Sie Drogen?“ Sonst werden die Beamten ungemütlich. © dpa
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Fangen Sie in Frankreich bloß nicht an, Ihr Baguette zu schneiden oder abzubeißen. Brechen Sie es einfach mit der Hand in „mundgerechte Stücke“ und essen es dann. Die Krümel auf der Tischdecke sind kein Problem. © dpa

Dagegen habe die Krise in Großbritannien wegen des Verfalls der Häuserpreise und schlechter Wechselkurse viel größere Spuren hinterlassen, erläuterte Laepple in einem Gespräch mit der dpa. “Für die Briten ist der Urlaub in Spanien teurer geworden“. In Südfrankreich oder in der Türkei sei die Nachfrage aus Russland stark gesunken. Fremdenverkehrsämter bestätigen den Trend. Das spanische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt berichtete, die Zahl der Besucher aus Deutschland sei in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 11,1 Prozent gesunken, die Zahl der Touristen aus Großbritannien aber um 15,7 Prozent. In der Türkei gab es in diesem Zeitraum laut türkischem Fremdenverkehrsamt sogar einen leichten Anstieg der Touristenzahlen aus Deutschland, während die Nachfrage aus Russland um fast sieben Prozent sank.


Hotels hätten die deutschen Anbieter im abgelaufenen Sommer mit Sonderangeboten überschüttet, berichtete Laepple. “Das Hotelzimmer ist neben dem Sitzplatz im Flugzeug die verderblichste Ware der Welt“, sagte Laepple. Dadurch seien zwar auch die Umsätze der deutschen Reiseveranstalter zurückgegangen, doch dies habe sich bei den meisten Anbietern nicht auf den Gewinn ausgewirkt.

Auch Europas größter Reiseveranstalter TUI Travel hatte zumindest im operativen Geschäft zuletzt wieder schwarze Zahlen präsentiert. Konkurrent Thomas Cook mit seinen deutschen Marken Neckermann Reisen und Condor verbuchte sogar steigende Umsätze und Gewinne im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr. Die wesentlich stärker auf den deutschen Markt ausgerichtete Veranstaltergruppe Dertour erlitt nach eigenen Angaben bei stabilen Umsätzen keine Einbußen bei der Rendite. Anders sieht die Lage in vielen Reisebüros aus, deren Gewinn sich oft im Gleichklang mit dem Umsatz entwickelt.

Das Reisebüro-Sterben geht weiter

Zuletzt gab es in Deutschland laut DRV-Datenbank noch 10 717 Reisebüros und damit 329 weniger als vor einem Jahr. Auf 100 000 Einwohner kämen im Moment 12 Büros, erklärte der Verband. Die “Reisebürodichte“ sei damit noch sehr hoch. Ein Trend im abgelaufenen Tourismusjahr waren Reisen in die nähere Umgebung. Während mit Flugpauschalreisen sechs bis sieben Prozent weniger Umsätze gemacht wurde, stiegen die Erlöse mit organisierten Reisen in heimische Gefilde um rund drei Prozent, berichtete der DRV- Expertenkreis Marktforschung und Statistik. Für die gerade begonnene Wintersaison rechnet der Verband mit einer Fortsetzung der Trends. Die Nachfrage liege fast auf Vorjahresniveau, der Umsatz angesichts der Preissenkungen aber noch zweistellig im Minus. “Der Urlaub nimmt gerade auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten einen hohen Stellenwert bei den Deutschen ein“, sagte Laepple. “Es wird aber eben stärker auf den Preis geschaut als bislang.“ dpa rg yyhe a3 bsj/rom

Quelle: rosenheim24.de

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