Wer wählt die Piraten?

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München - Der jüngste Piraten-Coup: 7,5 Prozent bei der Landtagswahl im Saarland. Die Internetpartei fischt Wähler aus allen politischen Lagern. Hier erfahren Sie, wer die Piraten wählt.

Die Piratenpartei ist nicht mehr nur ein Großstadt-Phänomen, sie ist erstmals in den Landtag eines westdeutschen Bundeslandes eingezogen. 7,4 Prozent der Saarländer haben der neuen Partei ihre Stimme gegeben. Dabei haben die Piraten Anhänger aus allen politischen Lagern von sich überzeugen können. Besonders gelitten hat die FDP, die mit 1,2 Prozent der Stimmen vom Wähler quasi pulverisiert worden ist. Wenn in einem eher ländlich geprägten Bundesland wie dem Saarland so viele Menschen den Piraten ihre Stimme geben, stellt sich die Frage, wer diese Wähler eigentlich sind und was sie von den Piraten erwarten. Die tz klärt diese und andere Fragen zum Erfolg der Piraten:

Wer wählt die Piraten?

Die Piraten konnten vor allem bei zwei Gruppen punkten: bei den Erstwählern und bei den Nichtwählern. Bei den Erstwählern sind die Piraten die zweitstärkste Kraft - 25 Prozent der Unter-25-Jährigen machten ihr Kreuz bei den Piraten. Bei den männlichen Jungwählern sind die Piraten mit 29 Prozent sogar die Stimmenkönige! Gleichzeitig sind die Piraten die einzige Partei, die Nichtwähler für sich überzeugen konnte. Während alle anderen Parteien Wähler an die Nichtwähler abgeben mussten, haben die Piraten immerhin 8000 Nichtwähler an die Wahlurne locken können. Darauf sind die Piraten dann auch besonders stolz: „Es macht uns extrem glücklich, wenn wir Leute wieder in den demokratischen Prozess reinbringen“, freut sich Saar-Pirat Michael Hilberer.

Landtagswahl im Saarland: CDU jubelt - FDP ist raus

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Haben die anderen Parteien auch Wähler an die Piraten verloren?

Ja, und zwar allesamt. Von der CDU liefen 4000 Wähler zu den Piraten über, von der SPD 3000, von der Linken 7000, von der FDP 4000 und von den Grünen 3000.

Wieso können die Piraten von allen Parteien Wähler abgreifen?

Der Erfolg der Partei bei Wählern sämtlicher politischer Strömungen zeigt, dass die Piraten derzeit relativ unabhängig von den reinen Inhalten gewählt werden. „Viele Wähler sind unzufrieden damit, wie Politik gemacht wird“, erläutert Pirat Hilberer.

Was machen die Piraten denn anders?

„Um unseren Erfolg zu verstehen muss man erkennen, dass wir Politik als offene Plattform anbieten“, erklärt Hilberer. „Gerade im Saarland haben sich viele Menschen vom politischen Prozess ausgeschlossen gefühlt. Da haben wir einen Nerv getroffen“, so Hilberer weiter. Das Versprechen der Piraten: völlige Transparenz und gleichberechtigte Mitbestimmung für alle Parteimitglieder. Der frühere FDP-Generalsektretär Christian Lindner erklärt das so: „Herkömmliche Parteien sind organisiert wie ein Rudel. Die Piraten wirken eher wie ein Schwarm.“

Marina Weisband: Bilder der Piraten-Politikerin

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Was bedeutet das?

Bei den Piraten kann jedes Mitglied Einfluss auf die Entscheidungen der Partei nehmen. Bei Parteitagen gibt es keine gewählten Delegierten und keine Leitanträge des Vorstands. Das macht die politische Arbeit mühsamer, allerdings kann tatsächlich jeder, der sich dazu berufen fühlt, auch mitreden. Die Piraten nennen das „Liquid Democracy“. Der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring hält das für die „Tyrannei der Masse“.

Welche Chancen haben die Piraten bei den kommenden Landtagswahlen?

Gute. In Umfragen liegen sie sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Nordrhein-Westfalen bei jeweils fünf Prozent. Die Umfragewerte in Berlin und im Saarland waren nicht besser. Ein möglicher Grund: Die Umfrageinstitute befragen vornehmlich Wähler mit einem Festnetzanschluss - gerade jüngere Wähler verzichten oft auf einen solchen Anschluss.

Wie schlagen sich die Piraten bisher in Berlin?

In der ersten Zeit mussten die Piraten im Abgeordnetenhaus erst mal ihre Arbeitsfähigkeit herstellen. Mittlerweile läuft die Fraktionsarbeit, die Piraten haben sich nicht selbst zerfleischt und verfolgen vor allem Themen rund um Datenschutz und Transparenz - so fordern sie etwa, dass alle Senatssitzungen öffentlich stattfinden sollten.

Marc Kniepkamp

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