US-Wahl 2020

US-Wahlkampf: Werbeboykott setzt Facebook und Co. unter Druck – Mehr Einsatz gegen Hass gefordert 

Joe Biden gilt als sicherer Kandidat bei den kommenden US-Wahlen. Soziale Netzwerke geraten wegen ihres Umgangs mit problematischen Inhalten unter Druck.

Update vom Freitag, 26.06.2020, 22.14 Uhr: Das soziale Netzwerk Facebook will im US-Wahlkampf stärker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen löschen. Das teilte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Freitag in Palo Alto mit.


Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Abstimmung im November vom Wählen abhalten sollen, würden entfernt. Außerdem würden die Standards für Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. 

Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines Prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren. 


Werbeboykott: Facebook und Twitter unter Druck

Facebook war wegen seines umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten in heftige Kritik geraten. Große Werbekunden boykottieren die Plattform mittlerweile: Der Konsumgüterriese Unilever kündigte an, bis Ende 2020 keine Werbeanzeigen mehr auf Facebook und Twitter schalten zu wollen. Der Autobauer Honda habe seine Werbeanzeigen auf Facebook und Instagram für Juli pausiert. 

Facebook und Twitter gerieten an der Börse nach der Mitteilung von Unilever stark unter Druck. US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden - Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen.

Trotz steigender Corona-Zahlen: Parteitag der Demokraten soll stattfinden

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 7.10 Uhr: Trotz steigender Corona-Infektionszahlen in Teilen der USA halten die Demokraten an ihrem für August im Bundesstaat Wisconsin geplanten Parteitag zur Nominierung ihres designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden fest. Der frühere Vizepräsident plane mit seiner Teilnahme. Parteivertreter aus den Bundesstaaten sollten allerdings nicht nach Milwaukee reisen, sondern möglichst virtuell teilnehmen, teilte das Demokratische Nationalkomitee (DNC) am Mittwoch (Ortszeit) mit.

Es werde an einem Verfahren gearbeitet, dass es allen Delegierten ermöglichen soll, ihre Stimme virtuell abzugeben, hieß es. Die viertägige Veranstaltung wird demnach von der Arena Fiserv Forum in das kleinere Tagungszentrum Wisconsin Center verlegt.

Biden gilt seit April nach dem Ausscheiden seiner Mitbewerber bereits als designierter Kandidat der Demokraten.

Joe Biden sucht Vizepräsidentin: Amy Klobuchar verzichtet

Update vom Samstag, 20.06.2020, 11.15 Uhr: Die Suche von Joe Biden nach einer Vizepräsidentin geht allmählich in die Endphase. Nun hat sich eine einst hoch gehandelte Kandidatin aus dem Rennen zurückgezogen. Angesichts der Debatte über Rassismus in den USA will Amy Klobuchar nicht länger als Vize des designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden in Betracht gezogen werden. 

„Das ist ein historischer Moment, und Amerika muss diesen Moment nutzen“, sagte Klobuchar. Sie habe Biden angerufen und ihm gesagt, „dass dies der Moment ist, um eine ‚Frau Of Color‘ dafür in Betracht zu ziehen“. 

Biden hat angekündigt, bei der Wahl im November mit einer Frau als Kandidatin fürs Vizepräsidentenamt für die Demokraten anzutreten. Klobuchar, die sich wie Biden um die Spitzenkandidatur beworben hatte, galt als eine der Favoritinnen für den Posten. Neben der Senatorin Kamala Harris werden mehrere andere Schwarze Politikerinnen in Betracht gezogen, darunter die Kongressabgeordnete Val Demings und die ehemalige Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice. Weiterhin ist auch die Weiße Senatorin Elizabeth Warren im Gespräch.

Der 77-jährige Biden kann am 3. November mit einer Mehrheit der Stimmen der Afroamerikaner rechnen. Für den Demokraten könnte es jedoch entscheidend sein, wie motiviert schwarze Wähler sind: Wenn sie nicht abstimmen, sondern zu Hause bleiben, dürfte ein Wahlsieg für Biden schwerer zu erreichen sein. 

Unterdessen erheben die Demokraten im Kongress nach dem Rausschmiss eines prominenten Staatsanwalts schwere Vorwürfe gegen Trump. Der tritt in Arizona in einer Kirche auf, deren Mitglieder behaupten, eine geradezu göttlich anmutende Lösung für die Corona-Krise gefunden zu haben. 

Empörung über Trump-Werbung

+++ 11.10 Uhr: Jetzt haben sich auch KZ-Überlebende empört über den Wahlkampfbeitrag von US-Präsident Donald Trump und dessen Team auf Facebook geäußert. „Überlebende der deutschen Konzentrationslager erinnern sich voller Schmerzen an ihre Kennzeichnung in den KZs: Den politischen Häftlingen, gebrandmarkt mit dem roten Winkel, standen die SS-Bewacher in den Lagern mit mörderischem Hass und dem Willen zu grenzenloser Folter gegenüber“, erklärte das Internationale Auschwitz Komitee am Freitag in Berlin.

Es empöre die früheren Häftlinge zutiefst, dass „dieses todbringende Erinnerungssignal aus der Welt der Konzentrationslager durch das Wahlkampfteam von Donald Trump im amerikanischen Wahlkampf missbraucht wird, um Hass zu säen und Demonstranten zu stigmatisieren“. Dass Facebook die Nachricht gesperrt habe, sei konsequent und lasse hoffen, dass Marc Zuckerberg „endlich beginnt, zu verstehen, wie propagandistisch und perfide Facebook teilweise genutzt wird. Die Methode der Propagandisten des US-Präsidenten ist schäbig und geschichtslos.“

Update vom Freitag, 19.06.2020, 09.30 Uhr: Der für Samstag (20.06.2020) geplante Wahlkampfauftritt von US-Präsident Donald Trump in der Stadt Tulsa ist nicht nur wegen der anhaltenden Coronavirus-Krise höchst umstritten. Für Kritik sorgt auch, dass Trump sich für die Versammlung eine Stadt ausgesucht hat, die Ort eines der schlimmsten Massaker gegen Afroamerikaner in der jüngeren US-Geschichte war: In der Stadt im Bundesstaat Oklahoma tötete ein weißer Mob 1921 bis zu 300 Schwarze.

Dass der Präsident nun nach dreimonatiger Coronavirus-Pause ausgerechnet in Tulsa seine Wahlkampfveranstaltungen wieder aufnimmt, sorgt für viel Kritik. Trumps Anhänger sind überwiegend Weiße, Kritiker werfen dem Rechtspopulisten vor, immer wieder rassistische Ressentiments zu schüren. Auch seine Reaktion auf den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz und auf die folgenden Proteste sind viel kritisiert worden.

Ursprünglich wollte Trump die Veranstaltung am Freitag abhalten. Das sorgte für zusätzliche Kritik: Am 19. Juni wird mit dem „Juneteenth“ - ein Schachtelwort aus den englischen Wörtern für Juni und 19 - an das Ende der Sklaverei in den USA mit dem Sieg der Nordstaaten gegen die Südstaaten 1865 erinnert.

„Das ist nicht nur ein Augenzwinkern an weiße Rassisten - er schmeißt eine Willkommen-zu-Hause-Party für sie“, reagierte die oppositionelle Senatorin Kamala Harris auf die Ankündigung von Trumps Wahlkampfveranstaltung. Der Präsident verschob den Auftritt schließlich um einen Tag.

Facebook sperrt Werbung von Donald Trumps Wahlkampfteam

Update, 22:05 Uhr: Das war dann selbst Facebook zuviel. Das soziale Netzwerk hat eine Anzeige von Donald Trumps Wahlkampfteam gesperrt. In der Anzeige verwendete das „Team Trump 2020“ ein umgedrehtes Dreieck, das bereits von den Nationalsozialisten zur Identifizierung von Kommunisten in den Konzentrationslagern verwendet wurde.

Kurz nach der Veröffentlichung der Kampagne erklärte Facebook, die Bebilderung würde gegen Richtlinien verstoßen, die „organisierten Hass“ verbieten. Symbole, die „hasserfüllte Organisationen oder hasserfüllte Ideologien repräsentieren“, wären auf Facebook nicht erwünscht, erklärte Facebook-Sicherheitschef Nathaniel Gleicher im Rahmen einer Anhörung in Washington.

Wahlkampf-Team von Donald Trump nutzt Nazi-Symbolik

Update 18.06.2020, 17.30 Uhr:  Das Wahlkampf-Team von Donald Trump nutzt Symbole, die einst von Nazis zur Kennzeichnung politischer Gefangener verwendet wurden. 

Das rote umgekehrte Dreieck wurde erstmals in den 1930er Jahren zur Identifizierung von Kommunisten verwendet. Es kam auch gegen für Sozialdemokraten, Liberale, Freimaurer und andere Mitglieder von Oppositionsparteien zum Einsatz. 

Das Symbol wird in Facebook-Anzeigen von Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence* sowie auf Facebook von „Team Trump“ verwendet - in Zusammenhang mit einer Warnung vor „Gefährlichen Mobs von Gruppen von ganz links“. Verbunden ist die Anzeige mit der der Aufforderung an die Benutzer, eine Petition gegen die „Antifa“ zu unterzeichnen. „Das rote Dreieck ist ein Symbol der Antifa“, sagte Tim Murtaugh, ein Sprecher der Trump-Kampagne, gegenüber der Washington Post, die zuerst über die Verwendung des Symbols berichtet hatte.

Donald Trump hatte die Antifa bereits während der Black Lives Matter Demonstrationen in den USA als Feindbild auserkoren. In einem Tweet kündigte er an, „die Antifa als Terrororganisation“ einstufen zu lassen.

Trump-Veranstaltung in Tulsa sorgt für scharfe Kritik

Update vom Montag, 15.06.2020, 15.50 Uhr: Donald Trump will seinem Wahlkampf unbedingt wieder Schwung verleihen. Das einzige Mittel, das für ihn infrage kommt, ist natürlich eine Veranstaltung mit möglichst vielen Trump-Fans. 

In wenigen Tagen soll es nun soweit sein. Am 20. Juni will Trump in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma seine Anhänger auf die Präsidentschaftswahl im November 2020 einschwören. Zeitpunkt und Ort für Trumps Kundgebung waren vor dem Hintergrund der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA zuletzt massiv in die Kritik geraten. Immerhin wird am 19. Juni dem Ende der Sklaverei gedacht, zudem war Tulsa am 1. Juni 1921 Schauplatz eines Massakers durch einen weißen Mob an Schwarzen.

Corona-Zahlen steigen: Gesundheitsbehörde warnt vor Trump-Veranstaltung in Tulsa 

Doch auch aus einem anderen Grund gibt es Kritik an Trumps Plänen. So haben die Zahlen von Corona-Infizierten in Oklahoma in den vergangenen Tagen immer wieder neue Rekordwerte erreicht. Der Leiter der Gesundheitsbehörde von Tulsa würde sich deshalb eine weitere Verlegung wünschen. „Es wäre gut, wenn wir das auf eine Zeit verschieben könnten, in der das Virus kein so großes Problem darstellt wie heute“, sagte Bruce Dart der Zeitung „Tulsa World“. „Das ist ein großer Risikofaktor.“

Doch Trump und seine republikanischen Freunde wollen davon bisher nichts wissen. Jeder sei für seine eigene Gesundheit verantwortlich, sagte Senator James Lankford dem TV-Sender ABC und fügte hinzu, dass er beabsichtige, zur Kundgebung zu gehen. Aber auch das Team Trump weiß um das Gesundheitsrisiko, sonst würde es die Teilnehmer wohl kaum eine Verzichtserklärung unterzeichnen lassen. Sollte also jemand an Covid-19 erkranken, ist keine Klage möglich.

US-Wahlkampf: Donald Trump-Fans feiern Geburtstag von US-Präsident - Melania schweigt

Update vom Montag, 15.06.2020, 11:10 Uhr: Donald Trump hat am 14. Juni seinen 74. Geburtstag gefeiert. Der Der US-Präsident erhielt unter anderem Glückwünsche seiner Tochter Ivanka Trump* sowie seines Außenministers Mike Pompeo über Twitter. Seine Ehefrau Melania Trump* retweetete stattdessen eine Nachricht der US-Armee, die sich selbst zu 245 Jahren Existenz beglückwünschte.

Donald Trump feiert Geburtstag: Gegner machen daraus „Obama Appreciation Day“

Und während die Anhängerinnen und Anhänger Donald Trumps dessen Geburtstag in Florida als große Bootsparty feierten, machten die Gegner des US-Präsidenten dessen Ehrentag einfach zum „Obama Appreciation Day“, also einem Tag, um Trumps Intimfeind und Vorgänger im Amt, Barack Obama, zu gedenken.

Unpassend für Trump dürfte zu seinem Geburtstag die Debatte über seinen gesundheitlichen Zustand sein, die entfacht wurde, nachdem der US-Präsident bei einem Besuch der Militärakademie in Westpoint auf einer Rampe etwas unsicher wirkte.

Donald Trump und die Rampe: US-Präsident redet sich raus

Update vom Sonntag, 14.06.2020, 20.23 Uhr: Vor der Presse in Wahlkampfzeiten hinfallen? Gerade für den US-Präsidenten ein Alptraum. Dass Donald Trump eine „rutschige“ Rampe langsam und vorsichtig herunterging, sorgte im Internet umgehend für Spott. Ein zweiter Grund, warum das Schlagwort #Trumpisnotwell – Trump geht‘s nicht gut – am Wochenende zum Trend mit bissigen Bemerkungen auf Twitter wurde, ist ein weiterer Video-Schnipsel von einer Rede Trumps am Samstag (13.06.2020) in der Militärakademie West Point. Dort ist zu sehen, wie der US-Präsident beim Trinken die zweite Hand zu Hilfe nimmt, um das Glas an die Lippen zu führen.

Donald Trump und die Rampe: „sehr lang und steil“

Trump, der am Sonntag 74 Jahre alt wurde, sorgte mit einer Erklärung auf Twitter für zusätzliche Aufmerksamkeit: Die Rampe sei „sehr lang und steil“ gewesen, habe kein Geländer zum Festhalten gehabt und sei vor allem sehr rutschig gewesen. „Das Letzte, was ich tun wollte, war hinzufallen, damit die Fake News damit Spaß haben.“ Die letzten Meter der Rampe sei er gerannt, schrieb Trump, und endete seinen Tweet recht kryptisch mit: “Momentum!“

Das Thema Alter und mangelnde Fitness ist Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf wichtig. So spottet er oft über seinen designierten demokratischen Herausforderer Joe Biden wegen sprachlicher Aussetzer und nennt ihn „Sleepy Joe“ (Schläfriger Joe). Biden ist 77 Jahre alt.

Trumps Roadshow: Nach Protesten sagt Trump Kundgebung ab

Update vom Samstag, 13.06.2020, 14.30 Uhr: US-Präsident Donald Trump hatte eigentlich vor, am 19. Juni nach Tulsa Oklahoma zu reisen. Dort wollte er seine erste Kundgebung seit der Corona-Pandemie abhalten. Nach einem Aufschrei in der Bevölkerung hat er den Wahlkampftermin jetzt verschoben.

Denn der 19. Juni fällt auf einen besonderen Feiertag in den USA, den „Juneteenth“. Ein Feiertag anlässlich des Endes der Sklaverei in den USA. Das scheint Trump dann doch noch aufgefallen zu sein, denn er gab an via Twitter an, die Wahlkampf-Veranstaltung „aus Respekt vor dem Feiertag“ abzusagen. Die Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Tulsa Oklahoma wurde auf den 20. Juni verschoben.

Trumps Roadshow wird fortgesetzt - Teilnehmer dürfen nicht wegen Corona klagen

Update vom Freitag, 12.06.2020, 09.11 Uhr: Donald Trump will trotz der weiter wütenden Corona-Pandemie wieder mit dem Wahlkampf beginnen. Bereits am Donnerstag trifft der US-Präsident in Dallas bei einem Dinner auf mögliche Großspender.

Donald Trump auf Tour: Kundgebungen in mehreren Bundesstaaten geplant

Einen Tag später, am Freitag, den 19. Juli, reist Donald Trump nach Tulsa Oklahoma, und wird dort seine erste Kundgebung seit der Corona-Pandemie abhalten. Es folgen Veranstaltungen in South Dakota, Florida, Arizona und North Carolina.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Rally müssen aber bei ihrer Registrierung zustimmen, dass sie die Trump-Kampagne nicht verklagen werden, sollten sie sich vor Ort anstecken. In den USA steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen derweil weiterhin stetig an. 

Biden befürchtet, Donald Trump könnte versuchen, die Wahl zu „stehlen“ 

Update vom Donnerstag, 11.06.2020, 20.35 Uhr: Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, äußerte sich in der „Daily Show“ des Kabarettisten Trevor Noah offen zu seinen Befürchtungen bezüglich der anstehenden Präsidentschaftswahl. Biden sagte am Mittwoch (10.06.2020), seine größte Sorge sei, dass der amtierende Präsident Donald Trump versuchen könnte, „die Wahl zu stehlen“. 

Wie Trump das vorhaben könnte, konkretisierte Biden nicht. Aber er verwies darauf, dass Trump kürzlich seine Aversion gegenüber Briefwahl-Stimmen kundgetan hatte: „Das ist ein Kerl, der gesagt hat, dass alle Briefwahl-Stimmen falsch sind.“

Auch über ein anderes Szenario habe sich Biden schon Gedanken gemacht: Sollte er die Wahl gewinnen und Trump sich weigern, das Weiße Haus zu verlassen, so sei er überzeugt, dass das Militär Trump hinauseskortieren werde.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, nannte Bidens Äußerungen eine „Verschwörungstheorie“. Dem Sender Fox News sagte sie am Donnerstag, Trump freue sich auf die Wahl.

US-Präsidentschaftswahl 2020: Republikaner wollen für Biden stimmen

Update vom Montag, 08.06.2020, 7.50 Uhr:  US-Präsident Donald Trump hat die Kritik des früheren Außenministers Colin Powell an seiner Amtsführung zurückgewiesen. Zugleich warf Trump dem Ex-Chefdiplomaten Versagen vor. „In seiner Zeit war er schwach und hat jedem alle Art von Zugeständnissen gemacht - so schlecht für die USA“, schrieb Trump am späten Sonntagabend (Ortszeit) auf Twitter

Powell, ein Republikaner wie Trump, war in der ersten Amtszeit von Präsident George W. Bush (2001-2005) Außenminister. Dem Sender CNN sagte er am Sonntag, Trump entferne sich von der Verfassung und werde „gefährlich für unsere Demokratie“. Trump sagte, Powell habe dem „Lügensender CNN“ („Fake News CNN“) ein „erbärmliches Interview“ gegeben.

Powell will für Biden stimmen

Update vom Sonntag, 07.06.2020, 19.31 Uhr: Das gefällt Donald Trump: nicht. Wie der frühere US-Außenminister Colin Powell – ein Republikaner – am Sonntag im US-Sender CNN ankündigte, will er bei der US-Präsidentschaftswahl im November für den Demokraten Joe Biden stimmen. Selbst Ex-US-Präsident George W. Bush stellt sich gegen Trump, wie die „New York Times“ berichtet. 

Powell kritisierte Trump scharf, denn dieser entferne sich von der Verfassung und werde „gefährlich für unsere Demokratie, gefährlich für unser Land“. Mehr noch: „Er lügt über Dinge und er kommt damit durch, weil Menschen ihn nicht zur Rechenschaft ziehen.“ Schon bei den US-Wahlen 2016 hatte Powell für Trumps Gegnerin Hillary Clinton gestimmt. 

USA Wahlen: Donald Trump tobt auf Twitter und schießt gegen Powell

Und Trump? Konnte diese Spitze von Powell natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Auf Twitter schoss er zurück: „Hat Powell nicht gesagt, dass der Irak über ‚Massenvernichtungswaffen‘ verfüge? Hatten sie nicht, aber schon sind wir in den KRIEG gezogen!“ Powell war Außenminister, als die USA 2003 im Irak einmarschiert war. Was Trump in seinem Tweet nicht erwähnt: Er selbst hatte den Krieg damals unterstützt. 

In einem weiteren Tweet schreibt Trump: „Jemand sollte das bitte dem stark überschätzten Colin Powell sagen.“  

US-Präsidentschaftswahl: Tod von George Floyd beeinflusst Joe Bidens Suche nach einer Vizepräsidentin

Update vom Freitag, 05.06.2020, 14.30 Uhr:Nach dem Tod von George Floyd wird in den USA verstärkt über die Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin unter Joe Biden spekuliert. Vor allem taucht immer häufiger die Frage auf, ob Biden angesichts der Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus nicht unbedingt eine Schwarze nominieren sollte.

Eine Befürworterin dieser These ist beispielsweise die US-amerikanische Analystin Rachel Bitecofer, die 2018 den Erfolg der Demokraten bei den Zwischenwahlen schon fünf Monate zuvor vorausgesagt hatte. Da die Trump-Fans wahrscheinlich in Scharen zur Wahl gehen würden, so Bitecofer in der „New York Times“, müsse das Biden-Team eine Wahl treffen, die ihre eigene Basis komplett mobilisiere. Am besten geeignet wären dafür Kandidatinnen wie Stacey Abrams oder Kamala Harris.

Joe Biden sucht Vizepräsidentin: Val Demings steigt in der Gunst der Demokraten

Tatsächlich gilt Harris nach wie vor als Favoritin auf den Posten, doch nach dem Tod von George Floyd könnte ihr die Zeit als frühere Generalsstaatsanwältin von Kalifornien eine Strich durch die Rechnung machen. Ihr hartes Vorgehen gegen Kriminelle wird von vielen Demokraten sehr kritisch gesehen.

Dafür wird nun plötzlich eine andere Frau hoch gehandelt: Val Demings. Auch wenn ihre Arbeit als frühere Polizeichefin von Orlando im US-Bundesstaat Florida ähnlich wie bei Harris argwöhnisch beäugt wird, so hat die Abgeordnete des Repräsentantenhauses sich nach dem Tod von George Floyd eindeutig positioniert: „Es ist mir unmöglich zu begreifen, wie ein Polizist die schmerzhaften Bitten von Floyd ignorieren konnte – oder irgendeines anderen, der leidet.“.

Und sie hat jetzt auch schon mal Trump heftig attackiert, ihn als Spalter bezeichnet und gefragt, ob er überhaupt verstehe, das die gesamte USA in Flammen stehe.

Joe Biden sucht Vizepräsidentin: Demokraten bringen Michelle Obama ins Spiel 

Update vom Dienstag, 26.05.2020, 12.30 Uhr: Nach dem verbalen Aussetzer von Joe Biden wird in den USA die Frage nach seiner Vizepräsidentin noch vehementer geführt als ohnehin schon. Wer aber ist die ideale Kandidatin? Jim Clyburn, der mit seiner Wahlempfehlung für Biden die Vorwahlen maßgeblich beeinflusst hat, legte sich frühzeitig fest: „Es wäre großartig, wenn er eine Schwarze wählen würde“, sagte der ranghöchste afroamerikanische Kongressabgeordnete in einem Interview im April, fügte allerdings auch hinzu: „Das ist aber kein Muss.“

Trotzdem scheinen die Chancen von Elizabeth Warren oder Amy Klobuchar nach Bidens Fauxpas gesunken. Als Favoritin gilt derzeit Kamala Harris, doch auch Stacey Abrams wird hoch gehandelt. Dass Abrams eine ernsthafte Kandidatin ist, ersieht man schon daran, dass auch Donald Trump sie immer mal wieder attackiert. So hat er am Wochenende erst wieder einen Twitter-Post retweetet, der sie als übergewichtig bezeichnete. Abrams, die 2018 im Rennen ums Gouverneursamt von Georgia knapp unterlag, schert sich darum wenig und attackiert lieber Trumps Corona-Chaos:

Bidens Vize: Und was ist mit Michelle Obama?

Noch eine andere Frau wird immer wieder als Biden-Vize ins Gespräch gebracht. Auch Joe Biden selbst wäre Feuer und Flamme: „Ich würde sie sofort nehmen“, sagte er kürzlich in einem Interview mit einem Lokalsender in Pittsburgh. Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton sieht es genauso: „Sie wird von den meisten als die ultimative Frau angesehen“, sagte er dem Magazin Politico. Und deshalb fleht er auch um Beistand von oben: „Lieber Gott, lass bitte Michelle Obama Bidens Vize sein.“ 

Doch da wird wohl auch eine höhere Macht nicht helfen können. Denn Michelle Obama hat schon oft genug klar gemacht, dass sie an einem politischen Amt nicht interessiert sei. „Ich habe nicht die Absicht, für ein Amt anzutreten”, heißt es in ihrem Bestseller „Becoming”. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern.

„Wer Trump wählt, ist nicht wirklich schwarz“ - Joe Biden redet sich um Kopf und Kragen

Erstmeldung vom Montag, 25.05.2020: Washington - Joe Biden hat in diesem Jahr vor allem einen Wunsch: Er will ins Weiße Haus. Den ersten Schritt auf dem Weg dorthin hat der 77-Jährige so gut wie geschafft. Auch wenn die Vorwahlen offiziell noch nicht beendet sind, gilt Biden nach dem Rückzug sämtlicher Konkurrenten als designierter Präsidentschaftskandidat der Demokraten

Joe Biden will Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl im November schlagen

Der zweite Schritt dürfte allerdings sehr viel schwieriger werden als der erste. Nun gilt es nämlich, Donald Trump zu schlagen. Im Grunde eine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass Trumps Beliebtheitswerte konstant bei knapp 43 Prozent liegen – eine Zahl, die für einen US-Präsidenten nicht gerade allzu berauschend ist. Doch auch bei der US-Wahl 2016 dachten ja alle Experten, dass Trump gegen Hillary Clinton keine Chancen haben würde. Am Ende kam alles ganz anders. 

Biden sollte sich also möglichst keine Schnitzer leisten. Das ist leichter gesagt als getan. Denn wenn es einen Politiker in den USA gibt, der für Pleiten, Pech und Pannen berühmt ist, dann ja wohl Joe Biden*. Auch jetzt ist ihm wieder ein kaum glaublicher Fauxpas unterlaufen. In der Radiosendung „The Breakfast Club“ hat er nämlich am Freitag (22.05.) mit einer Äußerung über afroamerikanische Wähler für reichlich Aufregung gesorgt. 

Frage nach möglicher Vizepräsidentin bringt Biden aus dem Konzept

Der prominente afroamerikanische Moderator Charlamagne Tha God, der mit bürgerlichem Namen Lenard Larry McKelvey heißt, hatte ihn während des teils hitzig geführten Gesprächs nach Berichten gefragt, wonach Biden die weiße Senatorin Amy Klobuchar in die engere Auswahl für die Position der Vizepräsidentin genommen habe. Er habe doch aber seinen Sieg bei den Vorwahlen vor allem schwarzen Wählern zu verdanken, sagte Charlamagne Tha God, deswegen gebe es jetzt auch Forderungen nach einem schwarzen Vize im Weißen Haus

Biden erwiderte, es gebe auch schwarze Kandidatinnen. Tatsächlich werden besonders die folgenden drei Frauen hoch gehandelt: 

  • Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien
  • Stacey Abrams, ehemalige Gouverneurskandidatin für Georgia
  • Val Demings, Kongressabgeordnete aus Florida

Zum Schluss des Gesprächs fügte Biden dann hinzu: „Ich sag' Ihnen was: Wenn Sie ein Problem haben, sich zu entscheiden, ob Sie für mich oder Trump sind, dann sind Sie nicht schwarz.“ 

Viele Schwarze kritisieren Bidens Aussage als bevormundend

Biden entschuldigte sich später im Gespräch mit schwarzen Geschäftsleuten für seine „unglücklichen“ Äußerungen: „Ich hätte nicht so ein Klugscheißer sein sollen. Ich hätte nicht so unbekümmert sein sollen“, sagte er nach Angaben von Journalisten.  Er habe die afroamerikanische Gemeinschaft „niemals als selbstverständlich angesehen“, versicherte Biden.

„Niemand sollte aufgrund von Rasse, Religion oder Herkunft für eine Partei stimmen müssen“, betonte der frühere Obama-Vize, der sich sich bei Afroamerikanern großer Zustimmung erfreut. Dennoch verbreitete sich da schon die Debatte rund um den Hashtag „YouAintBlack“ (Sie sind nicht schwarz). Viele Schwarze kritisierten Bidens Aussage als bevormundend.

Stimmen der Afroamerikaner können für Biden bei der Präsidentschaftswahl entscheidend  sein

Biden kann bei der Präsidentenwahl am 3. November mit einer Mehrheit der Stimmen der Afroamerikaner rechnen. Für den Demokraten könnte es jedoch entscheidend sein, wie motiviert schwarze Wähler sind: Wenn sie schlicht nicht abstimmen, sondern zu Hause bleiben, dürfte ein Wahlsieg für Biden nochmals schwerer zu erreichen sein.

Von Christian Stör

Weltweit protestieren Tausende nach dem Tod von George Floyd gegen rassistische Polizeigewalt - Strukturen, die auch in Deutschland für Todesopfer gesorgt haben. 

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/Mark Lennihan/AP/dpa

Kommentare