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Dämpfer für Söder: Neue BR-Wählerumfrage sieht Grüne enorm im Aufwind

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Die beiden Aufsteiger in Bayern: Markus Söder (r.) und Katharina Schulze legen in der Wählergunst zu.
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Es ist eine Umfrage, die die Landespolitik aufmischt. Die Grünen auf Rekordhoch, die CSU muss auf die Trendwende warten. SPD und FDP stecken in der Krise.

  • Die neueste Wählerumfrage sieht die CSU in Bayern weiter vorn, aber die Grünen im Aufwind.
  • Markus Söder kündigt personelle Konsequenzen an.
  • Er glaubt nicht an eine künftigeBundesregierung ohne Beteiligung der Grünen.
Krise I: Andreas Scheuer von der CSU.

München/Seeon - Die Fraktion der Grünen hat am Mittwochmittag bei ihrer Klausur in Würzburg gerade Platz genommen, da haben die beiden Vorsitzenden eine schöne Nachricht zu überbringen. Es sind nur ein paar nüchterne Zahlen, aber sie sorgen für allerbeste Laune. 25 Prozent misst der „Bayerntrend“ bei der Sonntagsfrage für die Grünen, 36 für die CSU. „Wir machen offensichtlich nicht alles falsch“, frohlockt Ludwig Hartmann, um dann die Floskeln nachzuschieben. „Umfragen sind ja immer nur Momentaufnahmen.“

Da wird kein Politologe widersprechen. Und dennoch ist dieser „Bayerntrend“, in Auftrag gegeben vom „BR“, keine normale Umfrage. Keine andere Erhebung fragt so genau die Bekanntheit und Beliebtheit der bayerischen Politiker ab wie „Infratest dimap“. Dank ihr weiß zum Beispiel der umtriebige und im Landtag sehr geschätzte FDP-Fraktionschef Martin Hagen nun, dass sich seine Mühe bislang kaum auszahlt: Nur 23 Prozent der Befragten kennen ihn. Es liege noch „viel Arbeit“ vor der Fraktion. SPD-Chefin Natascha Kohnen muss mit sinkender Beliebtheit leben - und ihr Fraktionschef Horst Arnold damit, gar nicht erst abgefragt worden zu sein. „Das letzte Jahr war gerade auf Bundesebene echt schwierig“, sagt Kohnen. 

Die CSU erreicht der Umfrage zufolge 36 Prozent, Freie Wähler (10), AfD (10), SPD (7) und FDP (4). Söder persönlich erhält gute und steigende Werte; der Parteichef macht die schwachen CSU-Zahlen allein an der Bundespolitik fest. 

* Der Wert 2020 ist kein Wahlergebnis, sondern die aktuelle Infratest-Umfrage.

Wählerumfrage des BR: Auch Söder muss Höhenflug der Grünen in Bayern anerkennen

Bekannter: Ludwig Hartmann von den Grünen.

In der CSU dürften die Werte ein mittleres Erdbeben beschleunigen. Manche wollen das an Markus Söders Gesichtsausdruck ablesen, mit dem er bei der Klausur im Kloster Seeon immer wieder auf die Nachrichten in seinem Handy blickt in den Minuten, in denen der Bayerntrend die Politik erreicht. Es genügt aber schon, ihm bei seinen Worten genau zuzuhören. Bisher hatte er gern fallen lassen, in Bayern finde der Höhenflug der Grünen ja nicht so statt wie bundesweit. Jetzt, mit den grünen 25 Prozent, ein Rekordwert im Freistaat, hält das nicht mehr.

Neue Argumentationslinie: Er sieht die Schuld für die mauen CSU-Werte praktisch komplett in Berlin. Seine Staatsregierung in München habe ein wachsendes Ansehen, die Minister in Berlin nicht. Jetzt bekomme man „einen Mittelwert“ präsentiert. Deutlicher denn je kündigt Söder seinen Berliner Ministern den Rauswurf an.

Wählerumfrage des BR: CSU-Dämpfer - Söder kündigt „personelle Ergänzungen und Verstärkungen“ an

Unbekannt: Martin Hagen von der FDP.

Aus der internen Sitzung der Landtagsfraktion im Kloster wird er mit sehr scharfen Worten über das Maut-Debakel von Verkehrsminister Andreas Scheuer zitiert. „Die Maut droht immer mehr zur Landesbank zu werden“, sagt er, „ein Mühlstein, der uns weiter runterzieht.“ Direkt kritisiert er dort auch die Politik der CDU-Minister Peter Altmaier (Wirtschaft) und Anja Karliczek (Bildung). Später vor der Presse macht er klar, dass er vor Sommer eigene Minister in Berlin austauschen will. Es werde „personelle Ergänzungen und Verstärkungen“ geben.

Und, als alle im Raum die verheerenden persönlichen Werte Scheuers kennen (67 Prozent unzufrieden, auch die meisten CSU-Wähler), fügt er einen Satz wie einen Messerstich an: „Umfrage- und Akzeptanzwerte einzelner Personen sind ein Gradmesser für die Zukunft.“ Das klingt nach einer kurzen Zukunft. Die Landtagsabgeordneten, die vor großen Gummibärchenschalen im noblen Lambertisaal des Klosters sitzen, feixen nach Söders Abrechnung. Sie mögen erstens den forsch auftretenden Scheuer nicht, und sind zweitens ganz froh, die Schuld für schlechte Werte weit weg in Berlin zu sehen.

Zufriedenheitsskala: So stimmten die befragten Wähler im Januar ab.

Wählerumfrage des BR: CSU-Chef sieht nur drei Optionen für künftige Bundesregierung

Stabil: Hubert Aiwanger von den Freien Wählern.

Überraschend klar äußert sich der Parteichef intern auch über die nächste Bundesregierung. Drei Optionen gebe es, zitieren ihn die Abgeordneten. Entweder gebe es Grün-Rot-Rot mit der Union in der Opposition, das ungünstigste Szenario. Oder „eine wenig gute Option Schwarz-Grün und eine ganz schlechte Grün-Schwarz“. Zwei von drei Szenarien bedeuten: ein grüner Kanzler. Jenen, die von einem Bündnis mit der FDP träumen oder notfalls von Jamaika, klappt da die Kinnlade runter.

Die Grünen kommen in all diesen Szenarien vor - das macht sie natürlich nur noch stärker. „Sie haben bundesweit das höchste Sachvertrauen beim Thema Nummer eins, dem Klima, - und das schlägt auch in Bayern durch“, sagt Andreas Bachmann, Redaktionsleiter von „Kontrovers“, der die Studie in Auftrag gegeben hat.

Wählerumfrage des BR: Viele Freie-Wähler-Anhänger unzufrieden

Krise II: Natascha Kohnen von der SPD.

Fraktionschef Ludwig Hartmann, dessen Hauptproblem Bekanntheit sich nur langsam bessert, macht darüber hinaus sogar konservative Werte für den grünen Höhenflug verantwortlich. Bei Terminen am Land höre er immer wieder, dass man Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von der Politik erwarte. „Und wenn man uns Grünen eines sicher nicht vorwerfen kann, dann: dass wir dauernd unsere Meinung ändern.“

Für Verlässlichkeit steht auch Hubert Aiwanger. Der gibt sich zufrieden - obwohl 36 Prozent der Freie-Wähler-Anhänger mit der Regierungsarbeit unzufrieden sind und die Partei auf zehn Prozent fällt. Aiwanger: „Wir waren bei Wahlen immer besser als in Umfragen, damit sind wir momentan sicher so stark wie bei der Landtagswahl und haben unter der Regierungsbeteiligung nicht gelitten.“

Söder will Bayern neu einteilen und rüttelt damit an einer jahrhundertealten Tradition. Monika Gruber sagt eine Laudatio auf Söder ab, doch der Ersatz ist „hochkarätig“. Wie merkur.de* berichtet, löst Söder mit seinem Tempolimit auf der Isentalautobahn eine hitzige Debatte im Internet aus. Auf dem Portal finden sich auch Kommentare zu Söders möglicher Kanzlerkandidatur sowie seiner wachsenden Beliebtheit.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Mike Schier, Christian Deutschländer

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