Tiefer Schlag für SPD und Grüne

Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: Absolute Mehrheit für CSU außer Sicht, AfD neuer schärfster Verfolger

+
Markus Söder.

Am 14. Oktober 2018 findet die bayerische Landtagswahl statt. Die aktuelle Umfrage und eine darauf basierende Prognose finden Sie hier.

München - Die Landtagswahl in Bayern rückt langsam näher. Mittlerweile steht fest: Am 14. Oktober 2018 wird gewählt. Doch was sagen die aktuellen Umfragen und Prognosen zum Ausgang der Landtagswahl? 

Aktuelle Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: CSU verliert nach Streit übers neue Polizeigesetz

Der CSU droht unverändert der Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl im Herbst. Wäre die Wahl am kommenden Sonntag, käme die CSU laut Stimmungsbild des Meinungsforschungsinstituts Civey auf nur noch 41,1 Prozent, das ist ein Prozentpunkt weniger als im Monat zuvor. Nach der repräsentativen Umfrage im Auftrag der Tageszeitung „Augsburger Allgemeine“ (Freitag) legt die AfD dagegen um 1,5 Prozentpunkte zu und ist mit 13,5 Prozent auf dem Weg zur zweitstärksten politischen Kraft in Bayern.

Die SPD käme der Umfrage zufolge auf 13,4 Prozent (minus 0,3 Prozentpunkte), die Grünen verlieren 0,9 Prozentpunkte und kämen auf 12,6 Prozent. Mit 7 Prozent (plus 0,4) würden die Freien Wähler viertstärkste Fraktion im bayerischen Landtag. Die FDP müsste mit 4,8 Prozent (minus 0,3) um den Einzug in den Landtag zittern. Die Linke legt aktuell um 0,6 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent zu.

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Landtagswahl in Bayern: Aktuelle Umfragen im Überblick

Institut

Datum

CSU

SPD

Grüne

FDP

Linke

Freie Wähler

AfD

Sonstige

Civey/Augsburger Allgemeine

8. Juni

41,1 Prozent

13,4 Prozent

12,6 Prozent

4,8 Prozent

3,5 Prozent

7 Prozent

13,5 Prozent

4,1 Prozent

GMS/Sat.1 Bayern

17. Mai

42 Prozent

13 Prozent

12 Prozent

5 Prozent

-

7 Prozent

13 Prozent

8 Prozent

Civey/Augsburger Allgemeine

13. Mai

42,1 Prozent

13,7 Prozent

13,5 Prozent

5,1 Prozent

-

6,6 Prozent

12,0 Prozent

7 Prozent

Infratest dimap für den „BayernTrend 2018“

2. Mai

41 Prozent

12 Prozent

14 Prozent

6 Prozent

3 Prozent

7 Prozent

12 Prozent

5 Prozent

GMS/Sat.1 Bayern

27. April

44 Prozent

14 Prozent

11 Prozent

5 Prozent

3 Prozent

9 Prozent

12 Prozent

2 Prozent

Civey/Augsburger Allgemeine

6. April

44,5 Prozent

14,8 Prozent

11,3 Prozent

4,2 Prozent

2,8 Prozent

6,4 Prozent

11,9 Prozent

4 Prozent

GMS/Sat1 Bayern

22. März

43 Prozent

15 Prozent

11 Prozent

6 Prozent

3 Prozent

6 Prozent

12 Prozent

4 Prozent

Forsa

25. Februar

42 Prozent

14 Prozent

14 Prozent

6 Prozent

3 Prozent

7 Prozent

10 Prozent

4 Prozent

GMS

12. Februar

40 Prozent

15 Prozent

11 Prozent

6 Prozent

3 Prozent

6 Prozent

12 Prozent

7 Prozent

Infratest dimap

10. Januar

40 Prozent

16 Prozent

14 Prozent

5 Prozent

3 Prozent

7 Prozent

10 Prozent

5 Prozent

Ergebnis Landtagswahl 2013

15. September 2013

47,7 Prozent

20,6 Prozent

8,6 Prozent

3,3 Prozent

2,1 Prozent

9,0 Prozent

nicht angetreten

2,6 Prozent

(Quelle: wahlrecht.de, Stand: 27. April 2018)

Landtagswahl 2018 in Bayern: Die aktuelle Prognose

Basierend auf der aktuellen Umfrage lässt sich folgende Prognose zur Landtagswahl 2018 in Bayern geben:

  • Die CSU verliert die absolute Mehrheit im Landtag, bleibt aber mit Abstand stärkste Partei.
  • Zum Regieren braucht die CSU einen Koalitionspartner.
  • Sollte die FDP wieder in den Landtag einziehen, wären die Liberalen der wahrscheinlichste Koalitionspartner.
  • Die SPD steht wohl vor ihrem historisch schlechtesten Ergebnis.
  • Die Grünen könnten das beste Ergebnis in ihrer Geschichte holen.
  • Die FDP könnte den Wiedereinzug in den Landtag verpassen.
  • Die Freien Wähler schaffen es wohl wieder in den Landtag.
  • Die AfD zieht ziemlich sicher erstmals in den bayerischen Landtag ein.
  • Die Linke schafft es wohl wieder nicht in den Landtag.

CSU will mit Söder absolute Mehrheit verteidigen 

Nachdem Horst Seehofer sein Amt als Ministerpräsident zum 13. März aufgegeben hat, wird Markus Söder als CSU-Spitzenkandidat bei der bayerischen Landtagswahl im Herbst antreten. Es liegt also an Söder, am 14. Oktober die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag zu verteidigen. Politikwissenschaftler und CSU-Experte Prof. Heinrich Oberreuter zeigt sich, was das angeht, im Gespräch mit der tz skeptisch: „Egal, wer die CSU in die Wahlen führt, traue ich der CSU um die 40 Prozent zu – keineswegs die Verteidigung der absoluten Mehrheit. Das ist alles illusorisch.“ Nur: Ähnlich äußerte Oberreuter sich auch schon vor der Landtagswahl 2013, als die CSU die absolute Mehrheit zurückholte.

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SPD erwartet zweiten Platz bei der Landtagswahl 2018

Natascha Kohnen, die Chefin der Bayern-SPD, rechnet damit, mit ihrer Partei bei der Landtagswahl im Herbst den zweiten Platz hinter der CSU zu belegen. Sie will sich und ihre Partei im Landtagswahlkampf in Stil und Inhalt als klare Alternative zur CSU und deren Spitzenkandidat Markus Söder präsentieren. Der Augsburger Allgemeinen gegenüber zeigte Kohnen sich optimistisch: Sie sei überzeugt davon, dass eine Entscheidung zu einer Koalition aus SPD und Union, bei der eine gute Rolle übernommen wird, hilfreich werde für die Landtagswahl.

Für die SPD könnte es am Wahltag eine saubere Watschen geben. Ihr bislang schlechtestes Ergebnis fuhr sie 2008 mit 18,6 Prozent ein. Aktuell liegt sie in den Umfragen bei 14,8 Prozent.

Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: AfD wohl im nächsten Parlament

Die AfD sitzt bereits in 14 von 16 Landtagen. Nach der Landtagswahl 2018 in Bayern kann die Partei aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Maximilianeum vertreten. Aktuell liegt sie bei 11,9 Prozent. Schon bei der Bundestagswahl zeigte sich: Die meisten Wähler nahm die AfD den Unionsparteien, also CDU und CSU weg: Vom Merkel-Kurs enttäuschte Konservative, die erkannten, dass eine Stimme für die CSU letztlich auch eine Stimmer für die Kanzlerin war. Im Landtags-Wahlkampf sieht es anders aus. 

Für die CSU lautet die Mission: So viele Wähler von der AfD zurückgewinnen wie möglich. „Die AfD werden wir als Partei radikal bekämpfen, aber wir werden uns selbstverständlich um deren Wähler bemühen”, sagte Generalsekretär Markus Blume Mitte März 2018 dem ZDF. Diese Wähler verlangten Antworten auf zentrale Fragen, wie die nach der inneren Sicherheit oder der Zuwanderung. Die CSU wolle der ganzen Bandbreite der Überzeugungen vom Liberalen über das Christlich-Soziale bis zum Konservativen eine politische Heimat in Bayern geben.

Egal, wie gut die AFD bei der Landtagswahl 2018 in Bayern abschneidet: Die CSU wird definitiv keine Koalition mit der AfD eingehen. Als Mehrheitsbeschaffer bieten sich die FDP, die Freien Wähler und sogar noch die Grünen an. 

Noch hat die AfD keinen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl aufgestellt. Ambitionen hat der Rosenheimer Franz Bergmüller, der Anfang Februar für den Stimmkreis Rosenheim-West für die AfD aufgestellt wurde. Allerdings: Bergmüller ist kein AfD-Mitglied und seine Aufstellung als Landtagskandidat wurde ebenfalls angefochten. Er war zwar im Januar auf der Bezirksversammlung zum Vorsitzenden des Bezirks Oberbayern gewählt worden, obwohl er zu diesem Zeitpunkt in der Datenbank nicht mehr als AfD-Mitglied geführt wurde. Dennoch erhielt er ein Wahlrecht. Ende Februar entzog ihm der Landesvorstand die Mitgliedsrechte. Anschließend kam das AfD-Landesschiedsgericht Anfang März zu dem Schluss, dass Bergmüller nie als Vollmitglied in die AfD aufgenommen wurde. Der Wirt, der nach seiner Darstellung 2013 in die AfD eingetreten ist, will nun vor einem ordentlichen Gericht klagen.

Eine denkbare Spitzenkandidatin der AfD für die Landtagswahl in Bayern wäre auch die Niederbayerin Katrin Ebner-Steiner.

Grüne zieht mit Spitzenduo in den Wahlkampf 

Die Grünen setzen in der diesjährigen Landtagswahl auf ein Spitzenduo, das aus Ludwig Hartmann und Katharina Schulze besteht. Die beiden Chefs der Landtagsfraktion steuern einen sachorientierten Wahlkampf an und versuchen, ihre Gegner mit praktischen Lösungsvorschlägen inhaltlich zu stellen. Ausgemachtes Ziel sei es, nach der Wahl die Zukunft des Landes „mutig zu gestalten“. So hatte die Partei sich bereits auf ihrem Parteitag im vergangenen Jahr eine Regierungsbeteiligung zum Ziel gesetzt.

Heißt konkret: Die Grünen wollen nach der Landtagswahl in Bayern mitregieren. Sollte es - falls die CSU die absolute Mehrheit verliert - für eine Koalition mit der FDP reichen, können sie das wohl vergessen.

Freie Wähler wollen mit CSU koalieren

Die Freien Wähler fokussieren sich im Wahlkampf darauf, die Alleinregierung der CSU zu brechen, um dann ab Herbst 2018 mit den Christsozialen zu koalieren. Die Direktkandidaten der Freien Wähler sind zum einen Nikolaus Kraus und zum anderen Ilse Ertl. Kraus will sich wieder mit „vollem Elan“ in den Wahlkampf stürzen und darf sich berechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Maximilianeum machen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass den Freien Wählern der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde gelingt.  Danach sieht es derzeit aus. Aber auch für die Freien Wähler gilt: Sie wären nicht der bevorzugte Koalitionspartner der CSU. In der Pole Position für eine Regierungsbeteiligung befindet sich die FDP.

Hier finden Sie die neueste Wahlumfrage zur Landtagswahl in Bayern von Civey.

ang/AFP

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