Mindestens zwölf Tote

Ukraine: Rebellen schießen Hubschrauber ab

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Kiew - Nahe der Separatisten-Hochburg Slawjansk ist ein ukrainischer Hubschrauber abgeschossen worden. Dabei kamen mindestens zwölf Soldaten ums Leben. Sie sollten andere Kräfte in dem Kampfgebiet ersetzen.

Prorussische Separatisten haben im Osten der Ukraine einen Armeehubschrauber abgeschossen und dabei nach offiziellen Angaben zwölf Soldaten getötet. Unter den Opfern sei auch General Wolodymyr Kultschyzki, teilte die Präsidentschaft in Kiew am Donnerstag mit. Die Aufständischen kündigten unterdessen die Freilassung von vier OSZE-Beobachtern an, die sie in ihre Gewalt gebracht hatten.

"Ich habe gerade die Information erhalten, dass die Terroristen nahe Slawjansk unseren Hubschrauber abgeschossen haben", sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow bei einer Rede im Parlament. Der Angriff sei mit einer tragbaren Boden-Luft-Waffe aus Russland verübt worden. Turtschinow äußerte sich dennoch überzeugt, dass die Armee ihren Kampf "gegen die Terroristen zu Ende führen wird und die von Russland finanzierten Kriminellen entweder eliminiert oder auf der Anklagebank landen werden".

Rebellensprecher: Häuser von Zivilisten sind in Brand geraten

Turtschinow hatte zunächst von 14 Todesopfern berichtet. In Sicherheitskreisen wurde die Zahl später mit zwölf angegeben. Ein Rebellensprecher sagte mehreren russischen Nachrichtenagenturen, der Hubschrauber sei bei schweren Gefechten am südlichen Stadtrand von Slawjansk abgeschossen worden. Durch das Vorgehen des Militärs seien zudem Häuser von Zivilisten in Brand geraten.

Die Regierungstruppen führen seit mehreren Wochen eine Militäroffensive gegen die Separatisten im Osten der Ukraine. Die Führung in Kiew wirft Russland vor, die Kreml-treuen Kämpfer gezielt mit Waffen und Söldnern zu unterstützen. Moskau bestreitet dies.

Am Donnerstag wurde außerdem bekannt, dass sich die vier seit Wochenanfang in der Ukraine verschollenen Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in den Händen der Separatisten befinden. Dem unbewaffneten Team sei von Reisen in der Konfliktregion abgeraten worden, "aber diese Vier stellten sich als sehr wagemutig heraus", sagte der Separatistenführer und selbsternannte Bürgermeister der ostukrainischen Rebellenhochburg Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, der Nachrichtenagentur Interfax.

OSZE-Team hatte sich auch in der Gewalt russischer Kosaken befunden

Nach der Festnahme würden seine Gefolgsleute nun "klären, wer sie sind, wohin sie gingen und warum, und werden sie dann freilassen". Ponomarjow deutete an, dass die OSZE-Beobachter in Spionage-Aktivitäten verwickelt sein könnten. Ihnen allen "geht es gut", versicherte er laut Interfax jedoch. Schon im April hatten die Separatisten mehrere Militärbeobachter der Organisation vorübergehend festgenommen.

Aus OSZE-Kreisen hieß es, bei dem nun festgesetzten Team handele sich um drei Männer und eine Frau, über deren Freilassung seit geraumer Zeit verhandelt werde. Zwischenzeitlich hätten sie sich offenbar in der Gewalt russischer Kosaken befunden, welche die Aufständischen in der Region Lugansk unterstützen.

Entwarnung für zweite Beobachtergruppe der OSZE

Die OSZE hatte am Dienstag öffentlich gemacht, dass sie den Kontakt zu dem bei Donezk eingesetzten Team verloren habe. Demnach war die Verbindung zu den vier Beobachtern aus Dänemark, Estland, der Schweiz und der Türkei am Montagabend abgebrochen. Mit ihrer Gefangennahme sollten die internationalen Bemühungen zur Beilegung der ukrainischen Krise torpediert werden, kritisierte der amtierende OSZE-Vorsitzende Didier Burkhalter. Dieser "Sabotageakt" könne nicht geduldet werden.

Im Fall einer zweiten Beobachtergruppe im Osten der Ukraine, deren Verschleppung befürchtet worden war, gab die OSZE am Mittwochabend Entwarnung. Das elfköpfige Team sei längere Zeit an einer Straßensperre festgehalten worden, später aber wieder in Donezk eingetroffen.

Moskau: Westen muss "nationale Katastrophe" in Ukraine verhindern

Russland hat den Westen unterdessen aufgerufen, mäßigend auf die Übergangsregierung in Kiew einzuwirken. "Wir rufen unserer westlichen Partner erneut auf, ihren Einfluss auf Kiew zu nutzen, um eine nationale Katastrophe in der Ukraine zu verhindern", erklärte am Donnerstag das Außenministerium in Moskau.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nannte die Destabilisierung der Ukraine und anderer Länder in der Region durch Russland nicht akzeptabel. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk, der ebenfalls bei der Karlspreis-Verleihung an Van Rompuy in Aachen war, kritisierte mit Blick auf Russland: „Niemand hat das Recht, die UN-Charta zu verletzen und in Europa neue Grenzen zu ziehen und neue Mauern zu errichten.“ Russland hatte sich im März die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibt.

An diesem Freitag will die EU bei einem Krisengipfel nach einer Lösung im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine suchen. Alle Seiten hätten einem weiteren Treffen in Berlin zugestimmt, teilte die deutsche Vertretung der EU-Kommission am Donnerstag mit. Russland beziffert die ausstehenden Zahlungen inzwischen auf 5,2 Milliarden US-Dollar (3,82 Mrd Euro). Dreht Russland den Gashahn zu, könnte dies auch den Westen treffen, weil die Ukraine wichtiges Transitland für russisches Gas ist.

In Konkurrenz zur EU gründeten Russland und die zwei autoritären Ex-Sowjetrepubliken Weißrussland und Kasachstan die Eurasische Wirtschaftsunion mit 170 Millionen Einwohnern. Es handele sich um ein neues Modell der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im postsowjetischen Raum, sagte der kasachische Staatspräsident Nursultan Nasarbajew.

AFP/dpa

Rubriklistenbild: © AFP (Symbolbild)

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