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Experten erörtern Lage

Putins Gas und Assads Veto: Erdogans Türkei steht am Scheideweg

Putin trifft Erdogan
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Wladimir Putin (r.), Präsident von Russland, und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, während ihres Treffens im Saadabad-Palast am 19. Juli.

Der türkische Präsident baut auf Unterstützung aus Russland. Grünes Licht für eine Militäroperation in Nordsyrien ist derzeit aber unwahrscheinlich.

Ankara – Am 5. August hat sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Sotschi getroffen. Es war bereits das zweite Treffen innerhalb von drei Monaten. Beide Seiten vereinbarten eine Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen. Kritiker sehen darin eine Umgehung der westlichen Sanktionen gegen Russland.

Für die Türkei ist Russland in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Partner. Das Land steckt in einer Wirtschaftskrise und braucht dringend Geld. Inflation und Währungsverfall verschlimmern die Lage der Menschen immer weiter. Billiges russisches Öl und Gas könnten Erdogan helfen, die Wirtschaftskrise im eigenen Land abzufedern.

Zudem hat die AKP-Regierung von Erdogan immer wieder angekündigt, eine Militäroperation in der Gegend um Manbidsch in Nordsyrien (Rojava) zu starten. Der türkische Staatschef betonte bereits mehrfach, die Gegend von „Terroristen“ säubern zu wollen. Damit meint Erdogan vor allem Kurden, die Teil der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) sind. Die SDF hatte in den vergangenen Jahren die Terrormiliz Islamischer Staat bekämpft und dabei tausende Kämpfer verloren.

Türkei verliert seit 2016 rund 500 Soldaten in Nordsyrien

Der Militärexperte und ehemalige Kapitän zur See der türkischen Marine, Hüseyin Demirtas, glaubt im Gespräch mit IPPEN.MEDIA nicht daran, dass eine solche Militäroperation möglich sei. „Weder Russland noch die USA und auch Machthaber Assad würden das erlauben“, so Demirtas. Es würden nur unnötig Soldaten und Zivilisten sterben. Demirtas schätzt, dass seit 2016 mehr als 500 türkische Soldaten bei solchen Militäroperationen in Nordsyrien getötet worden seien.

Vielmehr dürfte es sich laut Demirtas bei solchen Drohgebärden um eine Machtdemonstration handeln. „2023 wird gewählt und Erdogan zeigt für seine Wählerschaft den starken Mann. Er hofft so, bei den anstehenden Wahlen besser abzuschneiden“, so Demirtas.

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Ähnlich schätzt es auch der Nahostreferent der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV), Kamal Sido, ein: „Russland und die USA werden es Erdogan nicht erlauben, erneut Teile in Nordsyrien zu besetzen. Auch die Syrischen Demokratischen Kräfte haben für den Fall einer erneuten türkischen Militäroperation heftigen Widerstand angekündigt“, sagt Kamal Sido gegenüber IPPEN.MEDIA.

„Die kurdische kulturelle Identität wird systematisch zerstört“

Sollte Erdogan dennoch eine solche Militäroperation in seinem Nachbarland durchführen, werde es zu Elend unter der kurdischen Zivilbevölkerung kommen, warnt Sido. „Den Kurden drohen wie dem seit 2018 von türkischen Soldaten und mit ihnen verbündeten dschihadistischen Milizen ethnische Säuberungen. Über 300.000 Kurden wurden bislang aus Afrin vertrieben“, erzählt Sido.

Die Bilanz der türkischen Besatzung von Afrin ist erschreckend. „Die kurdische kulturelle Identität wird systematisch zerstört. Deutschland und Europa tolerieren diesen Ethnozid stillschweigend – offenbar weil er von einem Nato-Partner begangen wird“, betont der Nahostexperte im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. (Erkan Pehlivan)

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