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Rechtsterror 

Zur Höchststrafe verurteilt: Attentäter von Halle wirft im Gericht Gegenstand nach Nebenklägern

Der Angeklagte Stephan Balliet (l) wird vor Beginn des 26. Prozesstages aufgrund einer Zeitverzögerung wieder aus dem Saal geführt.
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Der Angeklagte (links) wird aus dem Saal geführt.

Der rechtsterroristische Attentäter von Halle ist zur Höchststrafe verurteilt worden. In der Urteilsbegründung findet das Gericht drastische Worte.

  • Der Synagogen-Attentäter von Halle ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden.
  • Das Gericht spricht den 28-Jährigen des zweifachen Mordes, des versuchten Mordes in rund 60 weiteren Fällen sowie der Volksverhetzung schuldig.
  • Der Mann greift nach der Urteilsverkündung die Nebenklage mit einem Gegenstand an.

+++ 14.45 Uhr: Der Attentäter von Halle hat am Ende der Urteilsverkündung gegen ihn einen Gegenstand in Richtung der Nebenkläger:innen geworfen. Es handelte sich wohl um einen zusammengerollten Hefter oder eine Mappe. Vier Wachleute packten den 28-Jährigen daraufhin sofort, fixierten ihn und trugen ihn aus dem Gerichtssaal, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Zuvor hatte der Mann am Montag relativ ungerührt zugehört, wie die Richter des Oberlandesgerichtes Naumburg fast drei Stunden die lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung begründeten. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens hatte ihn einen „fanatisch ideologisch“ motivierten Einzeltäter genannt. Der Mann habe im Prozess keinen Anflug von Reue gezeigt. 

Attentat von Halle: Richterin spricht von „feigem Anschlag“

Erstmeldung vom Montag, 21.12.2020, 11.23 Uhr: Magdeburg - Das Oberlandesgericht Naumburg hat den rechtsextremen Attentäter von Halle zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Die Richter sprachen den 28-Jährigen am Montag in Magdeburg des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes in weiteren zahlreichen Fällen schuldig und stellten außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Gegen das Urteil kann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.

Es sei ein „feiger Anschlag“ gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens bei der Urteilsverkündung. Der Angeklagte habe an vielen Stellen seine Taten und Motive relativiert. Der Mann reagierte mit ausdruckslosem Gesicht auf den Urteilsspruch und begann, sich Notizen zu machen.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist versucht, die Synagoge in Halle zu stürmen und ein Massaker anzurichten.

Attentat von Halle: Versuch, ein Massaker anzurichten

Am 9. Oktober 2019 hatte der heute 28-jährige versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur die Synagoge von Halle zu stürmen und ein Massaker anzurichten. Er warf Brand- und Sprengsätze und schoss auf die Zugangstür, gelangte aber nicht auf das Gelände. Vor der Synagoge ermordete er dann die 40 Jahre alte Passantin Jana L. und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss den 20-jährigen Kevin S.

Auf seiner Flucht schoss der Attentäter anschließend auf Polizisten, fuhr mit dem Fluchtwagen einen Schwarzen Passanten an und schoss in einem Dorf bei Halle einen Mann und eine Frau an, die ihm ihr Auto nicht geben wollten. In einer Werkstatt erpresste der Attentäter dann ein Taxi, das die Polizei mit Hilfe des Taxifahrers orten konnte. Anschließend nahmen Polizisten den Attentäter fest. Der Sachsen-Anhalter hat die Tat gestanden.

Attentat von Halle: Prozess gilt als größtes Strafverfahren in der Geschichte Sachsen-Anhalts

Mit dem Urteil folgten Mertens und die vier weiteren Richter der Forderung von Bundesanwaltschaft und Nebenklage. Der Prozess gilt als größtes Strafverfahren in der Geschichte Sachsen-Anhalts. Aus Sicherheits- und Platzgründen hatte das OLG die Verhandlung in den größten Gerichtssaal des Landes in Magdeburg verlegt.

An 25 Prozesstagen befragte das Gericht dort insgesamt 86 Zeugen und 8 Sachverständige. 45 Überlebende und Hinterbliebene hatten sich der Nebenklage angeschlossen, sie wurden von 23 Anwälten vertreten. Allein die Schlussvorträge der Überlebenden hatten drei Prozesstage gedauert, viele hatten dabei oder zuvor im Zeugenstand selbst das Wort ergriffen. Fast alle hatten von schweren psychischen Folgen der Tat berichtet. (dpa)

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