Tagesthemen-Kommentar

Iran-Drohkulisse: Zuschauer loben Trump-Kritik von ARD-Journalistin

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ARD-Journalistin Natalie Amiri bei ihrem Kommentar.

Donald Trumps Machtspielchen und Drohgebärden stoßen der ARD-Journalistin Natalie Amiri sauer auf. Sie appelliert an die EU, sich dem Iran anzunähern.

München - Sich als EU für den Iran und gegen die USA zu entscheiden - das sei auf den ersten Blick schwer verständlich, gibt ARD-Journalistin Natalie Amiri in einem „Tagesthemen“-Kommentar aus Teheran zu. Doch sie erklärt, was sie zu diesem Ratschlag bewegt.

Tagesthemen-Kommentar zu Iran: „Trumps Falken inszenieren Drohkulisse“

Die Deutsch-Iranerin kritisiert die US-Regierung um Präsident Donald Trump scharf. Dieser wolle keinen Krieg - „warum lässt er dann seine Falken umherschwirren, die eine Drohkulisse inszenieren?“, fragt sie, ohne die Metapher zu erklären. Mit „Falken“ sind gemeinhin republikanische Hardliner gemeint, doch schnell hat man bei diesen Worten auch in der Golfregion umherkreisende US-Jets im Kopf.

Amiri gräbt ein Zitat von Trumps Sicherheitsberater John Bolton aus dem Jahr 2015 aus: „Bomb Iran“. Doch man habe ja gesehen, was aus „Bomb Iraq“, „Bomb Afghanistan“ und „Bomb Syria“ geworden sei, warnt sie.

Sie macht darauf aufmerksam, dassUS-Außenminister Pompeo außerplanmäßig beim Außenminister-Treffen der EU erschienen sei und um ein Foto mit seinen Amtskollegen gebeten hatte - gegen den Iran. Die Europäer lehnten ab - „gut so“, sagt die Journalistin. Es sei an der Zeit für Europa, sich für die eigenen sicherheitspolitischen Interessen endlich von der USA zu emanzipieren. 

Donald Trump.

Trumps Drohung: Iran hat „nicht mehr viel zu verlieren“

Amiri berichtet aus der iranischen Hauptstadt Teheran, wo erneut hunderte Menschen an der Universität gegen die Verletzungen ihrer Menschenrechte demonstrierten.

Es sei zu einfach zu sagen, man müsse das Atom-Abkommen mit einem solchen Staat beenden, meint Amiri: „Das wäre falsch.“

Die Frage sei, was nach dem Abkommen käme - ganz bestimmt keine Diplomatie mehr, meint Amiri. Hätte der Handel mit dem Westen funktioniert, hätte man den Iran dazu bewegen können, „dass er sein Raketenprogramm und seine regionale Einmischung eindämmt“, so Amiri. Bei einem gescheiterten Abkommen hätte der Iran „nicht mehr viel zu verlieren.“

Trump vs. Iran: Krieg „aus Versehen“? Kryptische Andeutung der ARD-Frau

Der Iran sei wirtschaftlich am Ende. Europa dagegen habe viel zu verlieren. Eine militärische Auseinandersetzung könne zu jeder Zeit „aus Versehen“ passieren. Im Gegensatz zu den USA sei Europa nicht weit entfernt vom Iran, sagt sie. Auch deswegen plädiert sie wohl für eine Annäherung an den Iran - und einer Abkehr von Trumps USA.

Die User bei Facebook äußern sich in der Mehrheit lobend über den Kommentar. „Es wird höchste Zeit, dass Europa sich endlich vom Einfluss der USA befreit“, schreibt ein Nutzer beispielsweise.

cg

Nach den jüngsten Raketentests von Nordkorea antwortet US-Präsident Donald Trump und plaudert Details über die Hinrichtung des Onkels von Kim Jong-Un aus.

Update vom 14. Juni 2016: Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen erneut zu. Laut den USA sei der Iran verantwortlich für Angriffe auf Tanker im Golf von Oman. Betroffen war auch ein Schiff einer deutschen Reederei.

Nach den Angriffen auf zwei Öltanker vor dem Oman scheint der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu eskalieren. Wir haben mit dem Amerika-Experten Dr. Andreas Etges über die Hintergründe und Auswirkungen gesprochen.

Anm.: Der vorliegende Kommentar spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider.

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